Bei Kreissparkasse, Landratsamt und Privatpersonen

Kreidl-Affäre: Großrazzia im Landkreis Miesbach

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August 2012: Jakob Kreidl wird von seinem Vize Arnfried Färber zum Geburtstag geherzt.

Miesbach  - Heiße Phase in den Ermittlungen gegen Kreidl, Bromme & Co.: Derzeit durchsucht die Staatsanwaltschaft im Landkreis insgesamt 27 Büros und Privatwohnungen.

Es hat ein bisserl gedauert, doch nun wird im Fall der Sponsoring-Affäre durch die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee auf die Tube gedrückt. Die Staatsanwaltschaft München II hat gestern mit 13 Staatsanwälten und 75 Ermittlern des Bayerischen Landeskriminalamts 27 Objekte hauptsächlich im Landkreis Miesbach durchsucht. Dabei handelt es sich um Häuser und Geschäftsräume. Unter Verdacht stehen insgesamt 16 aktive und ehemaligen Mitglieder des Vorstandes und Verwaltungsrats des Geldinstituts. Heißt: Politische Prominenz aus Miesbach und dem Tegernseer Tal, etwa der jetzige Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne), sein Vorgänger auf dem Posten Jakob Kreidl (CSU) – dem bekanntesten Gesicht in der Affäre – dessen früherer Stellvertreter Arnfried Färber, dazu diverse Bürgermeister wie der Rathauschef von Kreuth Josef Bierschneider (CSU) und der frühere Bürgermeister von Weyarn, Michael Pelzer. Und natürlich bekam auch der als Erfinder geltende Mann des „Systems Miesbach“ Besuch von Beamten: der ehemalige Sparkassenvorstand Georg Bromme, der für seine großzügigen Geldzuwendungen in der Vergangenheit dermaßen bekannt wurde, dass er mal auf einer Geburtstagsfeier als „König des Landkreises“ gewürdigt wurde.

Der Skandal um geschenktes Geld und Spenden von der Sparkasse, er nahm nach der Geburtstagsfeier des Ex-Landrats Jakob Kreidl im August 2012 Fahrt auf. Als erstes wurde damals auf dem Gelände des Freilichtmuseums von Markus Wasmeier noch ganz bescheiden dreierlei Aufstrich mit Holzofenbrot gereicht. Nach der Sause mit vielen bekannten Gesichtern stand ein Betrag von 118 000 Euro auf der Rechnung, 77 000 Euro davon übernahm das Geldinstitut.

Eine Folge des Skandals: Kreidl, gleichzeitig Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, wurde 2014 weggewählt, gleichzeitig wurden immer mehr Geschenke durch die Sparkasse bekannt. Einige Kostproben? Da war etwa die Ausrichtung der Geburtstagsfeier für den Vize-Landrat Färber mit über 55 000 Euro, da gab es Bewirtungskosten beim Eisstockschießen mit Politprominenz, außerdem Spenden von rund 20 000 Euro an den Schießstand im tirolerischen Achenkirch. Nicht zu vergessen ein Trip in das schweizerische Interlaken, den Kreidl, Färber, Bromme und etliche Bürgermeister unternahmen. Hier steht eine hohe fünfstellige Summe im Raum.

Sämtliche 16 Personen führt die Staatsanwaltschaft als Beschuldigte, es geht um „zwölf Tatkomplexe, die ein finanzielles Engagement der Kreissparkasse im Gesamtvolumen von über einer Million Euro zum Gegenstand haben“, so der Sprecher der Anklagebehörde Ken Heidenreich. Laut Staatsanwaltschaft soll sich ein Tatverdacht ergeben haben „für Handlungen im Bereich Vorteilsgewährung, Vorteilsnahme, Bestechung und Bestechlichkeit. Heidenreich wusste gestern nicht, ob die Razzia Ergebnisse gebracht hat. Durchsucht wurden neben dem Stammhaus der Kreissparkasse auch Ämter – das Landratsamt und das Rathaus von Holzkirchen. Außerdem das Haus von Kreidl. Landrat Rzehak kündigte eine Stellungnahme an.

Sparkasse will 6,6 Mio zurück

Das Geldinstitut, das Jakob Kreidl und Georg Bromme so großzügig zahlen ließen, schlägt zurück: Vor wenigen Wochen wurden Schadenersatzansprüche an den Ex-Landrat und den ehemaligen Vorstandschef erhoben. Auf die stolze Summe von 6,6 Millionen Euro ist man dabei gekommen.

Gegen Kreidl bestehen demnach Forderungen in Höhe von 1,783 Millionen Euro, Bromme sieht sich gar mit Forderungen in Höhe von 4,83 Millionen konfrontiert. Die Summen werden sich für die beiden jedoch noch reduzieren, da auch den übrigen damaligen Verwaltungsräten der Bank sowie den Vorständen die verschwenderischen Ausgaben zur Last gelegt werden. Es wird noch geprüft, wie der Schadenersatzanspruch aufgeteilt wird. Ganz auskommen werden die beiden aber vermutlich nicht, alleine gegen Bromme verbleiben Ansprüche in Höhe von 934 000 Euro.

mc

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