Salafisten-Aktion

Islamisten verteilen Koran auf Kirchengrund

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Direkt vor der Stadtpfarrkirche ist in Schongau der Koran kostenlos verteilt worden.

Schongau - Direkt vor der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Schongau (Kreis Weilheim-Schongau) haben Islamisten Bücher des Korans verschenkt. Eine Aktion, die zunächst einige Fragen offenließ.

„Ich respektiere den Glauben anderer, aber wenn diese Aktion auf Kirchengrund stattfindet und wir vorher nicht gefragt werden, dann ist das mehr als unhöflich“, sagt Stadtpfarrer Norbert Marxer von Mariae Himmelfahrt.  Und gefragt worden ist er definitiv nicht.

Hochwertig ist die Koran-Ausgabe, die verschenkt wurde.

Die Betreiber des Standes haben sich bei der Stadt Schongau die Genehmigung für eine „Sondernutzung auf öffentlichem Grund“ ausstellen lassen und dann am Rande des Marienplatzes vor der Stadtpfarrkirche ihren Stand aufgebaut - auf einen Bereich, der laut Auskunft von Günter Schraml, einst langjähriger Kirchenpfleger von Mariae Himmelfahrt in Schongau, der Kirche gehört.

Wer sind diese bärtigen Leute, die mitten in Schongau Werbung für den Islam machen und kostenlos Koran-Exemplare verschenken?  „Von uns war es niemand“, erklärte Halit Köklü, Vorsitzender vom Türkisch-Islamischen Verein Schongau (Ditib) auf Anfrage der Heimatzeitung. Auch die ebenfalls in Schongau ansässige türkische Glaubensgemeinschaft Milli Görüs will mit der Aktion nichts zu tun haben, wie ihr Sprecher Erol Mete versichert.

Wer waren die Leute dann? Extreme Moslems? Salafisten? „Wenn es wirklich eine extreme Gruppe ist und die Stadt ihnen die Genehmigung erteilt hat, dann ist dies auch ein Problem der Stadt“, sagt Pfarrer Norbert Marxer. Und er fragt sich weiter, warum sich diese Leute bewusst vor die katholische Stadtpfarrkirche gestellt haben - eine Art Provokation?

Salafisten verletzen Polizisten mit Steinen

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Im Schongauer Rathaus hält man sich bedeckt. Martin Keßler vom Ordnungsamt, das die Sondernutzung ausgestellt hat, hüllt sich in Schweigen. Der geschäftsleitende Beamte Bernd Liebermann weiß zwar, dass eine Genehmigung erteilt wurde, aber nicht an wen. Erst eine Anfrage bei Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl sorgt für Klarheit. Der Antragsteller, ein Bürger aus Schongau, arbeite für das deutschlandweite Projekt „LIES“, das sich als Ziel die Verteilung des Korans an die Bürger gesetzt habe.  „Die Genehmigung erstreckte sich auf den Marienplatz. Für das Kirchengrundstück haben wir keine Erlaubnis erteilt“, teilt Gerbl mit. Der Genehmigung für einen Stand auf dem Marienplatz, um die deutsche Übersetzung des Korans zu verteilen, stünden keine rechtlichen Gründe entgegen, auch nicht, dass die örtlichen türkischen Gemeinden nicht beteiligt wurden. „Wir haben in Deutschland Religionsfreiheit“, so der Bürgermeister.

Ein Blick zurück: Als Salafisten im April 2012 mit der kostenlosen Verteilung des Korans in Bayern starteten, hat der Zentralrat der Muslime diese Gratis-Koran-Aktion als „unangemessen“ kritisiert. Der Koran sei das Wort Gottes und kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt, hieß es seitens des Zentralrats.

Auch der Verfassungsschutz hält die Kampagne "LIES" für höchst bedenklich: Verfassungsschutz-Sprecher Bodo W. Becker sagte 2012 dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Es geht hier um salafistische Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern. Der Koran ist nur ein Vehikel."

Becker betonte gegenüber dem dem Blat außerdem: Salafisten stellen Grundelemente der freiheitlichen Demokratie infrage und haben ein unklares Verhältnis zur Gewalt. Es gelte weiter der Satz des Verfassungsschutzpräsidenten Heinz Fromm aus dem Sommer vergangenen Jahres: "Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist; aber jeder uns bekannte Terrorist war irgendwann einmal in salafistischen Zusammenhängen unterwegs."

mg

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