Schüler aus Schliersee

Krebskind Nici: Es ist schön, wieder ganz normal zu sein

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Gartenarbeit: Was manchen Teenager nervt, ist für Nici ein Segen – es beweist, dass es ihm wieder gut geht.

München - Vier Jahre lang kämpfte Nicolas vom Schliersee gegen einen seltenen Knochenkrebs. Er musste in den USA behandelt werden. Mit Erfolg. Die tz begleitete ihn in seinem turbulenten Jahr 2015.

Die Einträge auf dem Internet-Blog help-nici.com von Nicolas Kutter werden seltener. Das ist ein gutes Zeichen. Denn das bedeutet: Dem 16-Jährigen geht es gut. Er muss für die Schule lernen, fährt Ski, spielt Tennis und hat gerade den Abschlussball der Tanzschule gefeiert.

Das war im Frühjahr ganz anders: Da lag der Schüler aus Schliersee im Kinderhospital in Seattle und schwebte zwischen Leben und Tod. Ein sogenannter Zykotinsturm tobte durch den Buben, eine extreme Reaktion auf die Antikörper, die ihm gespritzt worden waren. Mit dieser neuen Therapie sollte der Knochenkrebs, gegen den er seit vier Jahren kämpft, besiegt werden.

Als Nici nach viermonatigem Aufenthalt im Juni aus den USA zurückkam, waren ihm die Strapazen der Behandlung noch deutlich anzusehen. Aber das Wichtigste war: Der Krebs ist weg. Nici hat sich zurück gekämpft. Er besucht die 10. Klasse am Tegernseer Gymnasium, macht viel Sport, tanzt und freut sich darauf, dass er im Frühjahr mit dem Autoführerschein anfangen kann.

In den USA hat sich eine Freundschaft fürs Leben entwickelt

Nici fährt auch wieder Ski.

„Es ist ganz schön, mal wieder normal zu sein“, sagt er im Gespräch mit der tz. Sein Leben ist nun das eines Teenagers. Es dreht sich um Schule (am liebsten Physik, Mathe und Bio), Sport und Mädels (da läuft was, aber verraten will er nix). Und Nici träumt davon, im kommenden Sommer in die USA zu reisen. Dort will er in Seattle Lynn und ihren Mann Robert besuchen. Sie haben der Familie Kutter geholfen, den Aufenthalt in Seattle organisiert zu bekommen. „Das ist eine Freundschaft geworden, die fürs Leben hält“, sagt Solveig Kutter, die ihrem Sohn die ganze Zeit beigestanden hat.

Nici möchte mit diesem Reisewunsch aber nicht nur die transatlantische Freundschaft pflegen, sondern auch seine Englischkenntnisse weiter verbessern. Sein schulischer Ehrgeiz ist groß: „Ich will bessere Noten schreiben!“ Der Berufswunsch von Nici liegt im medizinischen Bereich: Kinderarzt oder Strahlentherapie. „Das hat sicher was mit meiner Krankheit zu tun“, sagt er. Demnächst macht er sein einwöchiges Schüler-Praktikum in einem Labor.

Im April lag Nici noch auf der Intensivstation.

An seine Krankheit wird Nici momentan nur noch alle vier Wochen erinnert. Wenn es zum Blutabnehmen geht. „Vorher hat man immer ein wenig Angst“, sagt Solveig Kutter. Bislang gab es keinen Grund, beunruhigt zu sein: Alles ist im grünen Bereich. Nici hofft, dass das so bleibt. „Die Krankheit soll nie wiederkommen“, lautet sein Wunsch nicht nur fürs neue Jahr, sondern für die Zukunft. Er will doch nur ganz normal leben.

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