tz-Korrespondent erfüllt Krebspatient Wunsch

Nici's Traum von Hollywood wird wahr

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Happy in Hollywood: Nici und seine Mama Solveig vor dem Wahrzeichen von Hollywood.

Schliersee/Hollywood - Wenn es einen Oscar in der Kategorie Kampfgeist gäbe: Der krebskranke Nicolas Kutter aus Schliersee hätte ihn verdient. Jetzt erfüllte unser Korrespondent dem Buben einen Traum.

Seit Februar hält sich der 16-Jährige deshalb zusammen mit seiner Mutter Solveig im Nordwesten der USA auf. In einer Kinderklinik in Seattle darf er an einer Therapie-Studie teilnehmen. Dem Teenager wurden zwei Mal Antikörper gespritzt – mit heftigsten Nebenwirkungen. Ein sogenannter Zykotinsturm erwischte Nici im April mit einer Wucht, die selbst die Ärzte überraschte. Der Blutdruck des Patienten fuhr Achterbahn, das Fieber stieg über 40 Grad, er musste künstlich beatmet werden. Aber Nici hat sich da durchgekämpft – wieder einmal. tz-Korrespondent Dierk Sindermann hat für Nici und Mama ein viertägiges Hollywood- Programm organisiert - weil das Nicis großer Traum war.

"Aber wir wollten doch noch nach Los Angeles.“ Es war einer der schlechtesten Tage, den Nicolas Kutter während der Krebsbehandlung in Seattle durchmachte. Er hatte die Halluzination, dass er wieder zu Hause sei. Seine Mutter versprach ihm, dass vor dem Heimflug auf jeden Fall noch Hollywood auf dem Programm steht. Vorausgesetzt natürlich, die Ärzte geben grünes Licht.

Jetzt erfüllte sich Nicis Traum vom Besuch in der Traumstadt ein ganzes Wochenende lang. Mit einem Spaziergang über den Hollywood Boulevard, einer VIP-Tour durch die Attraktionen der Universal Studios und einer Erkundungsfahrt durch Los Angeles. Auf jeden Fall versprach er am Ende der Tour: „Ich komme wieder!“

Was ihm den Abschied von Hollywood leicht machte: In Seattle wartete auf ihn ein Familientreffen. Vater Roberto und die Brüder Antonio, Emilio und Leonardo nutzten die Pfingstferien, um Nici zu besuchen. Jede Ermunterung, jede Freude hilft dem Teenager. Zwar ist der kritischste Teil der Behandlung überstanden, aber auf seinem Weg – wie Mutter Solveig es ausdrückt – „liegen immer viele Steine”. Einige hatten sich auch vor Los Angeles zum Hindernis aufgetürmt. Kaum waren die Flüge gebucht, ging es Nici schlecht: Kribbeln in Armen und Beinen, er konnte nicht mehr sprechen, eine Gesichtshälfte war gelähmt. Tests auf der Intensivstation ergaben keine Hinweise auf einen Schlaganfall oder eine Entzündung des Gehirns.

Die Symptome verschwanden wie sie gekommen waren. Aber Nici fühlt sich noch schlapp, das Essen fällt ihm schwer. Worauf er Appetit hat? „Einen Schweinebraten, aber den kriege ich nicht runter.” In den nächsten Tagen wird er noch einmal genau untersucht. Die Ärzte wollen wissen, ob sich die genetisch veränderten Krebskiller-Zellen vermehren. Bis jetzt tun sie es. Der letzte Kliniktermin ist am 9. Juni. Alle hoffen, dass es bis dahin keine Komplikationen gibt und Nici mit seiner Mutter den Flug in die Heimat antreten kann.

Von Dierk Sindermann

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