Mysteriöse Erscheinung in Raisting

Der Kreis ruft: Wer die Kornkreis-Pilger sind

+
Ansturm auf den Kreis: Am Sonntag pilgerten Hunderte zum Raistinger Weizenfeld.

Raisting - Hunderte von Besuchern pilgerten allein am Sonntag zu dem Kornkreis von Raisting: Die tz hat herausgefunden, wer die Kornkreis-Fans sind und was sie dort suchen.

Der Kinderwagen bleibt fast im Acker stecken, an den Rädern des Laufrads klumpt der Dreck, die Gummistiefel sind braun vor Matsch. Macht nix, der Kreis ruft! Mit Kind und Kegel sind die Familien unterwegs, um die seltsamen Zeichen im Weizenfeld südlich von Raisting anzuschauen. Hunderte von Besuchern pilgerten allein am Sonntag zu dem Kornkreis, der mit einem Durchmesser von 85 Metern ganz beachtliche Ausmaße hat. „Am Anfang waren die besonderen Leute da, jetzt kommt das Schau-Publikum.“ Monika Huttner bleibt nichts anderes übrig, als staunend zu schauen.

Ihr gehört das Feld, auf dem die seltsamen Muster entdeckt wurden (tz berichtete). „Eigentlich wollten wir das gar nicht öffentlich machen“, sagt sie und schüttelt den Kopf, als ob sie immer noch nicht glauben könne, was sich da seit der Entdeckung abspielt. Ein Landwirt – dem gehört ein Feld in Fischen, auf dem 2007 ein Kornkreis war – habe sie vor zwei Wochen angerufen und gesagt, er habe beim Dreschen nebenan Schäden im Feld gesehen.

Der Wunsch nach Ruhe blieb unerfüllt. Mehrere Tausend Menschen seien schon gekommen, sagt Monika Huttner im Gespräch mit der tz. „Es ist ein Kommen und Gehen.“ Und sofort sei auch jemand vom Ordnungsamt hier gewesen. „Wir mussten ein Schild aufstellen, dass das Betreten auf eigene Gefahr erfolgt.“ Eintritt wird nicht verlangt, nur ein Spendentopf steht auf einem Campingtisch. Wer was reinwirft, bekommt einen Kunstdruck mit einem Foto des Kornkreises.

Sie habe keine Ahnung, wer das gemacht hat und wie die Kreise ins Feld kamen. „So etwas Schönes kann kein Mensch machen.“ Spuren hätten sie keine gefunden. Zu denken gibt ihr aber, dass der jüngste Kornkreis auf einer Linie mit denen von Andechs (2012) und Fischen liegt. Verlängere man diese Linie, komme man zur Wieskirche. „Das ist für uns selbst nicht ganz geheuer.“ Sie war schon öfter auf dem Feld, die magische Wirkung, die viele Besucher beschwören, spürte sie indes noch nicht: „Ich finde diese Ruhe einfach nicht.“

Über den materiellen Verlust („ein Viertel des Getreides ist nicht mehr verwertbar“) tröstet sich Monika Huttner damit hinweg, dass alle Besucher fröhlich und entspannt weggehen. „Es ist so schön, weil die Leute alle glücklich sind.“ Lange wird das Glück jedoch nicht mehr dauern: Sobald das Getreide reif ist, wird der Weizen geerntet. Die Huttners haben Milchvieh, und die wollen fressen. Kreise hin oder her.

Das sagen die Besucher am Kornkreis

Joyce Bechard (li.) und Sarah aus München

Das Medium: Meine Freundin Sarah hat mir von dem Kreis erzählt. Ich bin ein Medium und daran interessiert, ob ich hier Energie spüre. Wer das gemacht hat, weiß ich nicht. Joyce Bechard (li.) und Sarah aus München

Monika aus München

Die Fragende: Bei meinem ersten Besuch war es mir zu voll. Heute fühleich mich heimelig – ich bin aber gespalten und weiß nicht, wie das hier entstanden ist. Es gibt so vieles, was wir nicht erklären können. Monika aus München

Gabriele Völter aus Hamburg

Die Schwester: Wir helfen als Familie zusammen. Meiner Schwester gehört das Feld, jetzt helfen wir anderen drei Schwestern, dass hier alles gut abläuft. Heute früh musste ich einen vertreiben, der seine Drohne rumfliegen lassen wollte, das stört die Ruhe. Ein Mann sagte, dass nach dem Besuch seine Rückenschmerzen weg waren – viele spüren ein Kribbeln und Energie. Gabriele Völter aus Hamburg

Ella Gronewold aus Diessen

Die Rekordbesucherin: Ich war bestimmt schon 20-mal hier. Ich freue mich an diesem Wunder, das keiner erklären kann. Es ist nichtvon Menschen gemacht worden, aber auch nicht von Außerirdischen. Jeder muss hier die Bedeutung für sich selbst spüren. Ella Gronewold aus Diessen

Michael Heichele (li.) und Maxi Wiedmann aus Raisting

Die Parkwächter: Zusammen mit meinem Freund Michael weise ich die Autos auf dem Parkplatz ein. Manche Leute fragen, ob wir beide die Kreise gemacht haben. Fürs Parken nehmen wir nur Spenden, das Geld teilen wir uns dann. Michael Heichele (li.) und Maxi Wiedmann aus Raisting

Volker Pfau

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Das sind die besten Ausflugsziele für das lange Vier-Tage-Wochenende
Das sind die besten Ausflugsziele für das lange Vier-Tage-Wochenende

Kommentare