Kripo bittet zum Massen-Gentest

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Der Tatort im Januar 2006: Trotz sorgfältiger Spurensicherung fehlt bis heute vom Täter jede Spur.

Burgau - Es gibt Verbrechen, die beschäftigen eine ganze Stadt und die dazu gehörige Region.

Und solange eine solche grausame Tat nicht geklärt ist, will einfach nicht mehr die Ruhe einkehren, wie sie vor dem Verbrechen allgegenwärtig schien – vor diesem Mord. In Burgau (Kreis Günzburg) wurde exakt vor drei Jahren die beliebte und gutherzige Schwalben-Wirtin Helma J. (71) mit einem Messer niedergemetzelt.

Trotz über 2000 Hinweisen und Spuren konnte die Soko Schwalbe den Täter nie ermitteln. Jetzt soll ein Massen-Gentest die Ermittlungen weiterbringen. Laut Leitendem Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner aus Memmingen steht die DNA-Reihenuntersuchung im März an. Ausgewählt wurden männliche Personen zwischen 15 und 40 Jahren, die zur Tatzeit im Bereich von Burgau wohnten. Sie werden zur freiwilligen Abgabe einer Speichelprobe gebeten. „Die Tatsache, dass der Täter so unproblematisch abtauchen konnte, spricht für seine Ortskenntnis“, meint Kreuzpointner.

Der 23. Januar 2006 ist ein eiskalter Tag. Wirtin Helma J. hält sich wie fast immer schon frühmorgens in der Gaststube der Schwalben-Wirtschaft auf, dem Ort, der für sie ihre Heimat ist.

Die Uhr zeigt 8.25, als ein Maler die Wirtschaft betritt. Er macht eine grausige Entdeckung: die Helma am Boden, blutüberströmt. Nahezu gleichzeitig sieht der Handwerker noch, wie ein etwa 30-jähriger, dunkel angezogener Mann durchs Fenster flüchtet. Der Unbekannte trägt nur eine Mütze, doch das Gesicht des Mörders kann der Maler nicht erkennen. Er kümmert sich nun um Helma, die noch atmtet. Doch ihr kann auch der inzwischen herbeigerufene Notarzt nicht mehr helfen. Wenig später stirbt sie an dem hohen Blutverlust, den sie durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper erlitten hat. Auch eine Passantin hat den Mann wohl noch gesehen, jedenfalls jemanden, der weggerannt ist.

Die Nachricht von dem Tod verbreitete sich in Windeseile in der schwäbischen Stadt. Bürgermeister Konrad Barm sprach damals aus, was sich jeder dachte: „Das glaubst du nicht. dass jemand so etwas macht – eine so liebenswerte. höfliche und zuvorkommende Dame so aus dem Leben zu reißen!“ Doch der von allen erhoffte schnelle Fahndungserfolg bleibt aus, eine heiße Spur fehlt, die Tatwaffe bleibt verschwunden. Auch das Aussetzen einer 10 000-Euro-Belohung hilft nicht weiter.

Folgt jetzt mit dem anberaumten Massen-Gentest endlich Gerechtigkeit und Sühne? Ulrich Feistle, Sprecher der Kripo Neu-Ulm, will sich da nicht festlegen. „Es kann ein Erfolg, aber auch ein Schlag ins Wasser werden.“ Bürgermeister Barm steht zu der Untersuchung, selbst wenn der Massen-Gentest in Burgau für Unruhe sorgen wird. Der Günzburger Zeitung sagte er: „Wenn man ausschließen könnte, dass der Mörder aus Burgau war, wäre es schon beruhigend. Erst recht, wenn wir den Fall endlich abschließen könnten.“ Für den Gentest stellt Barm gerne die Hauptschule zur Verfügung. Und Oberstaatsanwalt Kreuzpointer verspricht: „Solange es noch Hoffnung gibt, werden wir die Finger von diesem Fall nicht lassen.“ Schließlich gilt eines für die Straftat Mord: sie verjährt nie.

Quelle: tz

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