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Kugelhagel überlebt - bei Unfall verunglückt

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Bartholomäus H. überlebte einen Unfall, seine Frau starb © Unfried

Pfaffenhofen - Vor dreieinhalb Jahren hat ein Rentnerehepaar aus Pfaffenhofen einen Kugelhagel überlebt. Nun sind die beiden verunglückt. Hannelore H. kam ums Leben, Bartholomäus H. wurde schwer verletzt.

Sie saßen gerade gemütlich in der Stube und freuten sich auf den Sonntagabend-Talk. Ein Rentnerehepaar aus Pfaffenhofen an der Ilm, bescheidene Menschen, zwei, die sich nie hatten etwas zuschulden kommen lassen. Doch plötzlich peitschten Schüsse durch die Nacht. Ein Kugelhagel. 15 Projektile aus einer mit Schalldämpfer versehenen Skorpion-Maschinenpistole zischten durch die Terrassentür und schlugen in der Wohnung ein. Doch wie durch ein Wunder traf keines die Eheleute Hannelore und Bartholomäus H., die nicht wussten, wie ihnen geschah …

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Die Tür wurde von Kugeln durchlöchert. Nun traf das Schicksal die Eheleute erneut © Unfried

Der Mordanschlag hatte sich vor dreieinhalb Jahren ereignet, nun wurde das Ehepaar erneut in ein dramatisches Geschehen verwickelt: Mitten in ihrer Heimatstadt hatten Bartholomäus und Hannelore (77 und 73) einen Autounfall: Aus bislang ungeklärter Ursache hatte der Rentner die Kontrolle über das Auto verloren. Er querte einen Kreisverkehr und prallte schließlich gegen ein historisches Gebäude. Seine geliebte Hannelore kam dabei ums Leben, Fahrer Bartholomäus H. wurde schwer verletzt, ist aber nicht mehr in Lebensgefahr. An den Unfall selbst kann er sich laut Donaukurier nicht mehr erinnern.

Weshalb er sein Auto nicht mehr beherrschen konnte, ist momentan unklar. In Pfaffenhofen haben die Leute natürlich sofort den Mordanschlag vom 25. Januar 2009 im Kopf, dem Tag, an dem die Eheleute dem Tod von der Schippe gesprungen waren. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt lässt derzeit ein Gutachten zum Unfall erstellen. Ein Routinevorgang. „Alles andere“, zitiert der Donaukurier einen Behördensprecher, sei „reine Spekulation“.

Dass die Vorfälle in einem Zusammenhang stehen, wäre in der Tat höchst unwahrscheinlich. Die Attentäter, Thomasz L. und Bogdan K. aus Sauerlach, verbüßen wegen versuchten Mordes lange Haftstrafen. Nur vier Wochen nach dem Anschlag waren die Auftragskiller, die eigentlich als Mechaniker arbeiteten, vom Spezialeinsatzkommando verhaftet worden. Hintergrund der Schüsse waren immense Spielschulden des Sohnes gewesen. Diese sollten durchs Erbe im Todesfall von Bartholomäus und Hannelore H. getilgt werden. Der Auftrageber der Killer, der gleichzeitig auch Gläubiger war, konnte nicht mehr verurteilt werden – er starb in U-Haft.

Von dem Doppelleben des Sohnes wussten die Eheleute nichts. Bartholomäus H. wagte sich später noch einmal an die Öffentlichkeit: Er klagte gegen seine Hausratversicherung. Diese hatte sich geweigert, den von den Kugeln verursachten Schaden an Möbeln zu begleichen. Der Rentner bekam zu Großteil Recht.

mc

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