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Polizist (53) rangelt mit Staatsanwalt

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Traunstein - Zu einem wahrhaft kuriosen Prozess ist vorm Landgericht Traunstein gekommen. Ein Polizist rangelte dort sogar mit dem Staatsanwalt.

Verrat eines Dienstgeheimnisses – dieser Tatbestand alleine kann einen Polizisten so richtig in die Bredouille reiten. Aber ein 53-Jähriger, der sich wegen dieses Delikts vorm Landgericht Traunstein rechtfertigen musste, schaffte es, voll ins Klo zu greifen: Zunächst unterstellte er dem Staatsanwalt „Phantasien“, und dann rangelte er auch noch mit ihm um einen Zettel!

Der Beamte wollte mit seinem Verrat eigentlich seiner Verlobten einen Gefallen tun. Die Tochter aus höherem Hause soll in einem Altenheim 520 Euro gestohlen haben. Im Polizeicomputer stand ihr Motiv: „Aus Geldnot“. Empört rief die Frau bei der Inspektion in Bad Reichenhall an und beschwerte sich wegen der Formulierung. Nur, wie konnte sie das überhaupt wissen?

Man kam auf ihren Ordnungshüter. Der hatte sich in seiner Freizeit in den Computer eingeloggt, angeblich, „um Beihilfeanträge zu bearbeiten“. In einem ersten Prozess wurde er prompt freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, und diesmal stand es schlechter für den Mann. Schließlich begründete Staatsanwalt Martin Forster schlüssig, dass nur der Angeklagte als Verräter in Frage komme. Er meinte zugleich aber auch: „Es ist menschlich nachvollziehbar, dass man versucht, seiner Verlobten zu helfen.“

Der Polizist erhielt natürlich Gelegenheit, sich in einem letzten Wort zu äußern. Dies tat er auch, allerdings nicht, wie erwartet. Er schimpfte auf den Staatsanwalt, unterstellte ihm „Phantasien“. Seine „Ausführungen“ las er dabei von einem Zettel ab. Staatsanwalt Forster sah ob der bösen Worte „einen Straftatbestand. Ich beschlagnahme diesen Zettel!“ Den wollte nun die Verteidigerin verschwinden lassen, plötzlich war er aber wieder beim Polizisten. Der rückte ihn aber nicht heraus. Staatsanwalt Forster gelang es aber mit Körpereinsatz, das Schriftstück aus der zugepressten Hand zu winden. Rangelei zwischen Staatsanwalt und Ordnungshüter!

Richter Klaus Weidmann verurteilte den Polizisten zu einer Geldstrafe von 4800 Euro. Und es gibt zwei neue Verfahren: gegen den Polizisten wegen Verleumdung, gegen die Verteidigerin wegen versuchter Strafvereitelung. Der Gesetzeshüter entschuldigte sich zwar später, doch der Staatsanwalt nahm ihm dies nicht ab. „Dies ist nicht ernst gemeint.“ Übrigens: Das Diebstahlverfahren gegen die Frau – der Auslöser allen Übels – wurde eingestellt. Die Frau hatte das Geld zurückgezahlt …

KD

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