Facebookseite nach LaBrassBanda-Streit

Jungtrachtler ulken: "Wos dad'n da Otto do sogn?"

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Trachtler in Stöckelschuhen? Fände Ex-Obertrachtler Otto Duftler wohl auch nicht so toll.

Ruhpolding - Der geplante Auftritt von LaBrassBanda bei der Gaufestwoche in Ruhpolding zerrüttete die Trachtlerwelt - zumindest die alte. Die Jungtrachtler machen sich aus der Diskussion ihren Spaß - und provozieren gescheit.

Eine paar Jungtrachtler aus dem Landkreis Traunstein haben vor knapp zwei Wochen diese Facebook-Gruppe gegründet: "Wos dad'n da Otto do sogn". Da Otto, damit ist Ex-Obertrachtler Otto Dufter gemeint. Der hatte sich vor einiger Zeit heftig und medienwirksam über die moderne bayerische Band LaBrassBanda aufgeregt.

Die Musiker werden bei einem Ruhpoldinger Trachtenfest auftreten - und das barfuß. Das geht gar nicht, fand der Ehrenvorsitzende des Bayerischen Trachtenvereins und drohte gar mit einem Boykott. Viele Vertreter der älteren Trachtlerriege teilten Dufters Einstellung.

Damit war aber eine - längst überfällige - Diskussion geboren: Was muss unbedingt bewahrt werden? Wo müssen, oder besser: dürfen sich die Trachtler moderneren Trends anpassen?

Die Jungtrachtler aus der Traunsteiner Region diskutierten ebenfalls: recht früh am Morgen während eines sogenannten Dogreveilles - oder: Hochzeitschiessens. Dabei werden mit Böllern und allerlei Lärm Braut und Bräutigam an ihrem Hochzeitstag in aller Herrgottsfrüh geweckt. Während des nicht mehr ganz nüchternen Treibens ging eine Lampe zu Bruch. Der Gaudi wegen setzte sich ein Jungtrachtler den Lampenschirm auf den Kopf.

Lampenschirm als Hutersatz? "Wos dad'n da Otto do sogn", lautete der prompte Kommentar. So war die Idee geboren. "Das war dann der Running Gag", erzählt ein Jungtrachtler, der lieber anonym bleiben möchte, unserer Onlineredaktion. Dann habe man die Facebook-Gruppe aufgemacht. "Mit der Resonanz haben wir nicht gerechnet." Sie wollten einfach das ganze Getue rund um LaBrassBanda ein wenig auf den Arm nehmen, sagt der Trachtler.

Gerade die Fußbekleidung ist dabei ein heiß diskutiertes Thema auf der Seite. Schließlich regten sich die älteren Trachtler besonders darüber auf, dass LaBrassBanda barfuß auf die Bühne kommt. Ein Diskussionsbeitrag der Jungtrachtler sieht dann zum Beispiel so aus:

Gleichzeitig stellt der Trachtler klar: "Wir sind bodenständige Leute und sehr stark mit unserer Tracht verbandelt." Das ist ihm wichtig, das betont er, da wird er ernst. Gerade deshalb liege ihm und seinen Mitstreitern das Thema so am Herzen. "Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen." Sonst laufe man wieder in Gefahr, die jüngeren Trachtler zu vergraulen.

Die Tracht lag nicht immer so im Trend, wie das seit einigen Jahren der Fall ist, erinnert sich der Jungtrachtler. Erst als die Münchner - die Oktoberfestgänger - die Lederhosn und das Dirndl für sich wiederentdeckten, sei auch die Landjugend erneut begeistert gewesen von der eigenen Tracht und Tradition. Deshalb müsse dieses "angestaubte Denken" der Älteren ein Ende haben. "Die Tracht ist nicht das Evangelium". Und: "Die Tracht lebt auch." Dann müsse sie sich doch auch verändern dürfen, oder?

"Gehst' mit der Zeit, oder gehst' mit der Zeit?" Die Frage müssten sich die Trachtler langsam stellen.

Trachtenschau in Las Vegas: Einer dieser Herren ist kein geringerer, als Otto Dufter.

Ein besonderes Schmankerl wurde uns übrigens auch noch zugespielt. Denn auch der Obertraditionswart Otto Dufter war mal jung. Damals hat er in seiner Tracht die Welt bereist, ist sogar in Las Vegas aufgetreten. Ist das dann noch Tradition, oder schon Kitsch? Entscheiden Sie selbst.

Klaus-Maria Mehr

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