Lächelnd und mit harter Hand

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Lächelnd und mit harter Hand: Horst Seehofer.

Da ist es wieder, dieses typische Horst-Seehofer-Lächeln, mit dem der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Freund und Feind so gerne in Grund und Boden lächelt.

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Nein, zum “Wohlfühlen“ sei in den ersten Monaten seiner Amtszeit wahrlich nichts dabei gewesen, sagt er dann. Tatsächlich hat Seehofer, wenn er Anfang kommender Woche seine 100-Tage-Jubiläen als Partei- und als Regierungschef feiert, bereits eine Menge hinter sich.

Kaum im Amt, musste er die BayernLB vor dem Aus retten, dafür aber neue Schulden in Rekordhöhe aufnehmen. Er musste mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Kämpfe um Steuersenkungen ausfechten und mit vielen Unternehmern Gespräche wegen der Wirtschaftskrise führen. Und er musste versuchen, die nach dem Landtagswahl-Fiasko völlig am Boden liegende CSU wieder aufzurichten. Nun kommen mit der Europa- und der Bundestagswahl wichtige Bewährungsproben für die CSU - und für ihn.

Fast schon als Heilsbringer war Seehofer im Herbst von Berlin nach München geholt worden. Die “letzte Patrone im Colt der CSU“ sei der 59-Jährige, meinte der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter. Seehofer führt die CSU seither unangefochten und mit harter Hand. Widerspruch gibt es - abgesehen von den Querelen um die Europakandidatur Monika Hohlmeiers - kaum, vor allem nicht öffentlich. Seehofer führe die Partei “nach seinen Bedingungen“, sagt ein prominenter CSU-Politiker. Er sei zwar ein enorm guter Zuhörer, mache aber dann doch, was er wolle. Der Ex-Bundesagrarminister zeige eben Führungskompetenz, so formuliert einer aus der Fraktionsführung.

Einige Seiten werden Seehofer durchweg hoch angerechnet. Er sorge für eine gute Außendarstellung, er habe den CSU-Einfluss in Berlin vergrößert und er habe die Partei nach dem Wahl-Fiasko wieder stabilisiert, heißt es übereinstimmend. “Er ist derjenige, der den Laden zusammenhält“, sagt ein Kabinettsmitglied. Vor allem sein Kampf für Steuersenkungen in Berlin und seine Hartnäckigkeit gegenüber der Kanzlerin haben dem Ingolstädter Lob eingebracht. “Man merkt deutlich, dass der Seehofer in Berlin etwas ist“, sagt ein CSU- Abgeordneter.

Doch das erfolgreiche Taktieren in Berlin und das geschickte Führen der schwarz-gelben Koalition in München ist nur die eine Seite. Was einige in der CSU ihrem neuen Chef ankreiden, ist sein Führungsstil. Wochenlang schwieg er beispielsweise öffentlich zur Frage, wer Spitzenkandidat bei der Europa- und der Bundestagswahl werden soll - was einige als Demütigung von Landesgruppenchef Peter Ramsauer und Europagruppenchef Markus Ferber verstanden. Seehofer wolle seine Leute ja nur motivieren, hieß es hinterher. Tatsächlich schreibt der Chef nach eigenem Bekunden ab und an SMS an seine Truppen, um sie auf Trab zu bringen. “Er zeigt Professionalität und er verlangt Professionalität“, sagt ein Minister. Getrieben ist Seehofer zudem von seinem Vorsatz, mehr Frauen und mehr Jüngere in Führungspositionen zu bringen. Auch daran will er sich messen lassen.

Noch nicht ganz verziehen haben Seehofer einige in der CSU aber seine handstreichartig eingefädelte Wiederkehr der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier - als Europakandidatin in Oberfranken. Das sei nicht der versprochene neue Stil, hieß es. Inzwischen freilich ist Hohlmeier offiziell auf Platz sechs der Liste gewählt - womit dem CSU-Vorsitzenden eine herbe Niederlage erspart blieb. Seehofer fahre eben gerne mal hohes Risiko, sagt einer aus der Fraktionsführung - und räumt aber auch gleich ein, dass ihm wegen der nahenden Wahlen wohl nichts anderes übrig bleibe.

Sowohl die Europawahl, bei der den Christsozialen im schlimmsten Fall das Ausscheiden aus dem EU-Parlament droht, als auch die Bundestagswahl gelten in der CSU als Schicksalswahlen. Da hilft es auch nichts, dass laut Umfrage zwei Drittel der Bayern Seehofer für einen “guten Regierungschef“ halten, weil der - wie landauf, landab honoriert wird - bei den Menschen ankommt. Er gilt als Sympathieträger.

Ein noch größerer Teil der Wähler hat sich allerdings mit dem Ende der jahrzehntelangen CSU-Alleinherrschaft bestens abgefunden. Auch deshalb will Seehofer wohl keine “Prozentdiskussionen“ über das voraussichtliche CSU-Abschneiden mehr führen. Gut arbeiten und so ein möglichst gutes Ergebnis holen - so lautet seine Ansage. Er selbst sitzt bei alledem fest im Sattel, komme was wolle. Nein, schon wieder einen Wechsel an der Spitze werde es keinesfalls geben, sagt ein führender CSU-ler. “Und wir haben ja gerade auch gar keinen anderen.“

Quelle: DPA

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