50 000 Euro!

Landrat ließ sich Feier von Sparkasse sponsern

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Feiert gerne – ohne eigenes Geld auszugeben: Miesbachs Landrat Jakob Kreidl.

Miesbach - Der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl hat sich das Fest zu seinem 60. Geburtstag der Kreissparkasse sponsern lassen. Kostenpunkt: 50.000 Euro. Die Sparkasse spricht von einem "angemessenen und üblichen Rahmen".

Das Opossum hat einen genialen Trick auf Lager: Das putzige Beuteltier stellt sich einfach tot, wenn irgendwo Gefahr lauert. Ein Verhalten, das auch so manchem Politiker eigen ist. Bestes Beispiel dafür ist im Augenblick Jakob Kreidl, Landrat aus Miesbach. Ja, genau der Mann, dem vor Kurzem der Doktortitel aberkannt wurde, weil er bei seiner Promotion seitenweise abgeschrieben hatte. Kreidl gibt derzeit jedenfalls keinen Mucks von sich, und das, obwohl (oder auch genau weil) es schon wieder Wirbel um den CSU-Mann gibt: Das Fest zu seinem 60. Geburtstag ließ er sich von der Kreissparkasse sponsern – mit über 50.000 Euro!

Eine fette Geburtstagsfeier, die die Sparkasse zahlt – wer hätte das nicht gern? Am 16. August 2012 stieg die Party. Wo? Im Bauernhofmuseum des einstigen Skistars Markus Wasmeier in Schliersee. Sogar Horst Seehofer schaute vorbei und auch Herzog Max von Bayern. Offensichtlich wurde nicht gespart, denn die Party für die 350 geladenen Gäste soll gut 80.000 Euro gekostet haben. Nix Stehempfang also. Als der Miesbacher Merkur nun die Zahlen der Sparkasse vor einigen Wochen genau unter die Lupe nahm, stellte sich heraus, dass das Fest großteils von eben jenem Geldinstitut bezahlt worden war. Kreidl selbst soll nur 7000 Euro übernommen haben.

"Aufwendungen lagen im angemessenen und üblichen Rahmen"

Wer das alles absegnete? Nur zur Erklärung: Jakob Kreidl ist wegen seiner Position als Landrat auch gleichzeitig Chef des Aufsichtsratsgremiums der Sparkasse.

Dort wehrt man sich natürlich gegen jegliche Vorwürfe: „Die Aufwendungen für die Feierlichkeiten anlässlich des 60. Geburtstages von Landrat Jakob Kreidl lagen im angemessenen und üblichen Rahmen“, ließ das Geldinstitut diese Woche verlauten. Als Sparkasse sei man nun mal auch bei Grundsteinlegungen, Feierlichkeiten oder Empfängen als Geldgeber gefragt. Mit anderen Worten: Hier von einem Skandal zu sprechen, sei völlig hanebüchen.

Wirklich? Rein rechtlich mag die fette Geldspritze für Schweinsbraten und Alphornbläser (die spielten ein Ständchen) nicht angreifbar sein – aber immer mehr Menschen in und um Miesbach schütteln den Kopf über das Verhalten des Landrates: „Hier scheint jemand einfach nicht genug zu bekommen. Das ist doch ein völlig falsches Signal“, schimpft beispielsweise ein Lokalpolitiker. Die Summe sei einfach viel zu hoch, kein Ereignis werde normalerweise mit 50 000 bis 60.000 Euro gesponsert. Die Folge: Innerhalb der CSU-Spitze sucht man angeblich schon nach einen Nachfolger für den feiernden Landrat.

Und Jakob Kreidl selbst? Der CSU-Politiker gibt – wie erwähnt – keinen Mucks von sich, stellt sich tot. Freunde und Gegner aber wissen: Freiwillig gibt der Herr sein Amt nie auf …

AGE

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