Landwirte retten Lkw-Fahrer

Ob Bologna oder Polonia - hauptsache das Navi funktioniert (nicht)

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Der Lkw mitten im Wald.

Wackersberg - Ein 40-Tonner hat den Weg zum Zwiesel (1348 Meter) versperrt. Der Fahrer war offensichtlich den Anweisungen seines Navis blind gefolgt, kam nicht mehr vor oder zurück und saß dort seit dem Vorabend fest. Ein Fall für die Wackersberger Landwirte.

Es ist 5 Uhr morgens. Jäger Georg Kellner jun. ist gerade unterwegs vom Parkplatz unterhalb der Waldherralm über die Lehnbauernalm hinauf zum Zwiesel. Plötzlich versperrt ihm ein riesiger Fernzug den Weg. Niemand ist zu sehen. Der Waidmann ändert seinen Plan, fasst einen anderen Ansitz ins Auge, kehrt jedoch nach zwei Stunden zurück.

Mittlerweile hat der Fahrzeuglenker seine Nachtruhe in der Kabine beendet. Aufgeregt winkt er Kellner zu. Eine Verständigung ist freilich schwierig. Der Fremde spricht weder Deutsch noch Englisch. Er ist, wie das Kennzeichen vermuten lässt, wahrscheinlich aus Polen. Schnell wird Kellner klar, wie sich der Mann in diese verfahrene Situation gebracht hat. Offensichtlich folgte er einfach den Vorgaben seines Navis, das ihn zielsicher auf den Forstweg zum Zwiesel lotste. Der Fahrer des 40-Tonners folgte den Anweisungen offensichtlich blind. Obwohl ihm eigentlich spätestens am Beginn des unbefestigten und reichlich schmalen Wegs die falschen Ansagen hätten auffallen müssen.  Zumal der Weg in der Folge immer enger und vor allem steiler wurde.

Und schließlich saß der Osteuropäer gleich oberhalb der Abzweigung zur „Jaudnalm“ in der Falle. Dort fand ihn Kellner und holte Hilfe. Landwirt Klaus Seidl vermutet: „Er hat laufend Bolonia gesagt. Wahrscheinlich wollte er nach Bologna in Italien." Vielleicht  war das Ziel der Reise aber auch sein Heimatland Polonia. Egal, wohin: Der Weg über den 1348 Meter hohen Zwiesel war jedenfalls der falsche.

Doch den mit Fahrzeugteilen beladenen Lastzug wieder ins Tal zu bringen, war gar nicht so einfach: "Moarbauer" Nikolaus Riesch wählte mit seinem Traktor den Weg über die „Hussenalm“ um von oben an den Lkw heranzukommen. Dann musste das Riesengefährt erst noch ein ganzes Stück nach oben geschleppt werden, bis ein geeigneter Wendeplatz erreicht war. Mit großer Geduld, oft zentimetergenauer Maßarbeit und viel Fahrgefühl gelang es schließlich, den Sattelschlepper umzudrehen „Insgesamt hat die Bergeaktion einige Stunden in Anspruch genommen“, rechnet Kellner zusammen. Bedanken konnte sich der Fernfahrer nicht. Kellner: „Irgendwie logisch, er hat ja kein Wort unserer Sprache beherrscht. Aber sein Gesichtsausdruck hat gezeigt, dass er glücklich und erleichtert war."

Erst vor wenigen Tagen war ein Lkw-Fahrer in Augsburg seinem Navi ebenfalls blind gefolgt und dabei in eine unwegsame Situation geraten.

dh

Bilder von der Rettungsaktion

40-Tonner hängt am Zwiesel fest

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