Anlegern Verzehnfachung des Kapitals versprochen / Nur Manager sahnten ab

Lange Haftstrafen für die Millionen-Abzocker

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Lange Haftstrafe: Akzenta-Boss Ulrich C.

Neubeuern - Mit einer geradezu wundersamen Geldvermehrung lockten die Bosse der Anlage-Firma Akzenta in Neubeuern bei Rosenheim 27.861 Kunden:

In zehn Jahren sollte sich das angelegte Kapital verzehnfachen! Alles Lug und Betrug, stellte am Donnerstag das Landgericht München II fest. Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs wurden die Chefs zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ulrich C. (57) bekam sechs Jahre und neun Monate Haft aufgebrummt.

13 Monate zog sich der Prozess gegen Ulrich C., dessen Söhne Alexander (31) und Christian (26) sowie gegen den gelernten Porzellanmaler Oliver B. (43) hin. Ihre Verteidigungsstrategie war darauf ausgelegt, nichts Verbotenes getan zu haben. Als Manager hätten sie nur die ihnen zustehenden Provisionen kassiert.

Aber wie viele! 27,2 Millionen Euro, rechnete ihnen der Vorsitzender Richter Ralph Alt vor, hätten die drei Hauptangeklagten (Christian C. spielte in der Firma nur eine untergeordnete Rolle) einkassiert. Das sei fast die Hälfte des aquirierten Geldes gewesen. „Das wurde den Kunden verheimlicht“, so Alt. Vielmehr habe man den Kunden vorgegaukelt, das Geld werde gewinnbringend investiert. Die Geldanlage sei absolut sicher. Alt: „Das war gelogen!“

Als Schneeballsystem, also durch Gewinnung immer neuer Anleger, sprudelten die Geldquellen über Jahre hinweg. Die ersten Anleger konnten tatsächlich Gewinn machen, aber nur deshalb, weil neue Anleger frisches Geld hineinpumpten. Und die Manager kassierten. Sie bauten sich schicke Villen, fuhren die edelsten Autos wie Maserati und Lamborghini. „Man hat unendlich Geld herausgezogen in einer Selbstbedienungsmentalität“, fuhr Ralph Alt weiter fort. „Die Taten waren auf Erlangung eines rechtswidrigen Vermögensvorteils ausgerichtet.“

Alexander C. und Oliver B. wurden zu je fünf Jahren Haft verurteilt. Christian, der zur Tatzeit noch unter 21 Jahre alt war, erhielt zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung. Die Haftbefehle wurden bis zur Rechtskraft der Urteile aufgehoben. Ob Ulrich C. überhaupt noch ins Gefängnis muss, ist fraglich: Er ist schwer an Krebs erkrankt.

Das Vermögen ist ohnehin weg. Villen. Autos, Uhren, Schmuck – alles wurde beschlagnahmt.

Eberhard Unfried

„Undurchsichtiges Geschäftsmodell“

„Alle Seiten gewinnen mit der Akzenta-Umsatzbeteiligung.“ Mit diesen Worten warb das in Neubeuern bei Rosenheim ansässige Unternehmen um Kunden. Die Anleger, wurde suggeriert, pumpen frisches Geld in hoch profitable Unternehmen und werden damit an deren Gewinn beteiligt. Das einzige Risiko, das der Kunde trage, sei die Zeit, bis das Geld wieder zurückfließe. „Eine im Ansatz durchaus witzige Geschäftsidee“, kommentierte der Vorsitzende der Wirtschaftstrafkammer, Ralph Alt.

Doch an wessen Umsätzen der Kunde beteiligt war, wurde nicht gesagt. Schon Jahre, bevor die Staatsanwaltschaft München II zuschlug, war von Verbraucherschützern vor dem „undurchsichtigen Geschäftsmodell“ gewarnt worden. Die Ausschüttungen an die Anleger flossen nur so lange, wie das Geld von Neuanlegern wieder hereinkam. Unzählige Anleger haben Zivilprozesse gegen die Akzenta angestrengt. Sie können noch hoffen, dass von dem beschlagnahmten Vermögen der Angeklagten ein bisschen was für sie übrig bleibt.

Quelle: tz

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