Tourengeher verunglückt

Stahlseil auf der Piste: Achtung, Lebensgefahr! 

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Deutlicher geht’s nicht: Warnschilder über abgesperrte Pisten sollten weder Tourengeher noch Skifahrer missachten. Denn es besteht tatsächlich Lebensgefahr.

München/Garmisch-Partenkirchen - Ein Münchner (44) ist bei Garmisch-Partenkirchen nachts auf einer gesperrten Piste in ein Stahlseil geraten. Er kam mit dem Leben davon. Besonders brisant: Er war als Tourengeher unterwegs.

Die Piste war laut Polizei abgesperrt. Mit Blinklicht und Warnschild. Der Tourengeher aus München entschied sich trotzdem, gegen 23 Uhr die Olympia-Abfahrt im Skigebiet Garmisch Classic hinunterzufahren. Ein folgenschwerer Fehler, der nicht selten mit schwersten Verletzungen oder tödlich endet. Auch die besten Skifahrer haben den schlecht sichtbaren Stahlseilen der Pistenraupen wenig entgegenzusetzen.

Am Ende wird dem Tourengeher zwar nur eine Geldstrafe drohen. Etwa 100 Euro schätzt Thomas Holzer, der stellvertretende Dienstleiter der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Allerdings ist es ein kleiner Preis dafür, dass der 44-Jährige mit dem Leben davongekommen ist. „Der Mann hat wirklich Glück gehabt“, sagt Holzer. „An so einem Stahlseil hängt das Gewicht einer Pistenraupe.“ Gespannt ist das Seil im wahrsten Sinne des Wortes stahlhart. Wenn ein Skifahrer auf das Seil trifft, „wird der von 100 auf 0 abgebremst“. Und wer da jetzt noch glaubt, als guter Skifahrer sieht man so ein Seil schon, kann es umfahren, auch nachts, der sei gewarnt. „Bei so langen Steilhängen wie der Olympia-Abfahrt ist die Pistenraupe mit ihrer Rundumbeleuchtung weit weg.“ Selbst eine moderne LED-Lampe, die mit ihrer Leuchtkraft diese Nachtabfahrten erst möglich macht, lässt so ein Stahlseil auf der stockfinsteren Piste nicht leuchten. Überlebt habe der 44-Jährige wahrscheinlich nur, weil er langsam unterwegs war. Wer mit voller Abfahrtsgeschwindigkeit auf so ein Stahlseil trifft, habe wenig Chancen. So hat er sich nur an der Schulter verletzt. Betrunken war er übrigens nicht. „Das steht fest“, sagt Holzer. Tourengeher würden öfter mal auf gesperrten Pisten fahren, weiß der Polizist. Sie stiegen später am Nachmittag auf und gerieten so bei der Abfahrt eher in die Nachtstunden.

Dass dieser Vorfall den Streit zwischen Skitourengehern und Pistenbetreibern wieder anheizt, glaubt Verena Lothes, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, aber nicht. Schließlich ging es bei den Auseinandersetzungen um die Frage, ob Pisten grundsätzlich für Skitourengeher geöffnet sein sollten, auch wenn in der Gegenrichtung Skifahrer unterwegs sind. Dass Pisten während der Präparierungsarbeiten geschlossen sein müssen, sei „eindeutig“.

Das Gros der Tourengeher halte sich auch an die Regeln. Allerdings habe es in der vergangenen Saison einige Fälle wie den aktuellen gegeben – trotz Warnungen. Lothes hält das für unverantwortlich. „Von Präparierungsarbeiten geht Lebensgefahr aus.“

Das Beispiel zeige, dass noch immer Handlungsbedarf bestehe. „Es reicht offenbar nicht aus, dass wir nur auf die Gefahr hinweisen“, sagt Lothes. Für sie wäre es denkbar, solch waghalsige Manöver härter zu bestrafen.

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