Katalonien: Madrid will Regionalregierung absetzen

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"Was hier abläuft, ist Wahnsinn"

Hilfskräfte sauer auf Hochwasser-Extremsportler

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Diese Buben ­springen in keinen Fluss, sondern in ­eine überschwemmte Unterführung in Landshut

München - Unverbesserliche Extremsportler nutzen das Hochwasser für ihre Kunststücke. Immer wieder gehen deswegen auch Notrufe ein. Die Hilfskräfte sind genervt.

Tausende Menschen bangen wegen des Hochwassers derzeit um ihre Existenz. Und ganz Bayern fühlt mit ihnen. Naja, nicht ganz Bayern, denn: es gibt eine Gruppe Unverbesserlicher, die an den Wassermassen ihre helle Freude hat. Da springen Kinder von Stadtbrücken in die reißenden Fluten, da kämpfen sich Kajak-Fahrer die Donau hoch, da paddeln Schlauchboot-Fahrer den Inn entlang. Und dabei werden sie auch noch von etlichen Gaffern bestaunt. Die Hilfskräfte schlagen Alarm: „Was hier abläuft, ist Wahnsinn. Als hätten wir nichts Wichtigeres zu tun, als uns um lebensmüde Extrem-Sportler zu kümmern!“

So richtig sauer ist etwa der Pressesprecher der Stadt Landshut, Thomas Link. Er hat mit Jugendlichen zu kämpfen, die sich von den Brücken in die braune Isar-Brühe stürzen. „Die machen Kunststücke und filmen sich dabei“, so Link zur tz. „Hoch gefährlich – und oft rufen Passanten bei der Notnummer an, weil sie glauben, ein Kind sei ins Hochwasser gefallen.“ Die Helfer fehlen dann andernorts. An einer Brücke hätten die Wilden gar ein Seil um einen Pfeiler gebunden und am Ende ein Brett angebracht. „Zum Surfen.“ Wenn sie zur Rede gestellt werden, kommt meist die gleiche Antwort: „Wir tun doch nichts Verbotenes?“ Darauf hat Landshut nun reagiert: Per Mitteilung wurde das Surfen oder Befahren der Wasserflächen im gesamten Stadtgebiet untersagt.

Wer im Internet nach Videos der Unvernünftigen sucht – der kann oft nur den Kopf schütteln. So gibt es unter anderem ein Filmchen, das zeigt, wie eine Gruppe Menschen mit dem Schlauchboot auf der versunkenen A 8 bei Grabenstätt paddelt, zwischen Treibgut und Straßenschildern. Oder einen Kajak-Fahrer, der beschloss, den tosenden Main zu erkunden – bis er kenterte. „Man fragt sich, was in diesen Leuten vorgeht“, so Link.

Doch es gibt noch ein Problem: die Gaffer. Beispiel Regensburg : Dienstagabend ging es dort in der Altstadt zu wie sonst nur beim Bürgerfest. In Scharen zog es Fluttouristen an die Donau, auf die Steinerne Brücke. Sehr zum Ärger der Rettungskräfte versuchten sie immer wieder, möglichst nah an die Brennpunkte heranzukommen.

Donau-Anrainer Friedhelm Becker beobachtete, wie sich eine Gruppe von Schaulustigen nur unter Androhung von Prügel davon abbringen ließ, sich selbst in Gefahr zu bringen. Becker: „Die Leute kapieren gar nicht, dass viele der Helfer teils seit 30 Stunden im Einsatz sind, dass die jetzt nicht auch noch große Lust haben, sich um irgendwelche Verrückten zu kümmern, die genau jetzt am reißenden Fluss spazieren gehen wollen.“ Kein Wunder, dass der bayerische Feuerverband deshalb Geldstrafen für die Gaffer fordert. „Vielleicht kommen sie dann zur Besinnung. Endlich."

Regensburg hebt Katastrophenfall auf

Regensburg hat den Katastrophenalarm am Donnerstag um 18 Uhr aufgehoben. Der Donau-Pegel am Eisernen Steg sinke, zuletzt seien 5,59 Meter gemessen worden, teilte die Stadt mit. Der Sperrmüll aus den überfluteten Stadtteilen werde auch am Samstag und Sonntag vor die Tür von der städtischen Müllabfuhr abgeholt.

Armin Geier/dpa

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