UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

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Stimmung könnte leiden, sagen sie

Die letzten Musikkapellen ohne Frauen – und das wollen die Männer nicht ändern

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Nur Lederhosen, keine Dirndl: Die Musikkapelle Mittenwald ist ein reiner Männertrupp – und will es auch bleiben.

Männer unter sich: In den oberbayerischen Musikkapellen wird das immer mehr zum Sonderweg. Nur eine Handvoll Gruppen will keine Frauen in ihren Reihen. Sie befürchten, dass die Stimmung in der Kapelle leiden könnte.

Bad Tölz/Mittenwald/Petershausen Ob auf dem Bau, bei der Feuerwehr oder im Kanzleramt: In vielen typischen Männerdomänen sind Frauen auf dem Vormarsch – oder auf der Überholspur. Die Refugien, wo Mann noch unter sich ist, schwinden. Dabei ist es ganz angenehm, wenn das andere Geschlecht für ein paar Stunden außen vor bleibt, findet Andreas Jais, Vorstand der Musikkapelle Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). „Bei der Musikprobe geht es nicht immer ganz gesittet zu“, sagt er und lacht. „Da ist es ganz kommod, wenn wir unter uns sind.“ Würden Frauen mitmusizieren – „ich glaube, dass es dann nicht mehr so gemütlich wäre“. Es hätten auch noch nie welche angefragt. Laut Satzung der Mittenwalder dürften sie auch gar nicht. Das soll so bleiben.

Diese Haltung macht die Musikkapelle Mittenwald zu einer Rarität. Denn unter den 500 Gruppen, die sich im Musikbund Ober- und Niederbayern (MON) zusammengeschlossen haben, kennt dessen Geschäftsführer, Andreas Horber, nur sechs reine Männergruppen. Darunter beispielsweise die „4 Hinterberger Musikanten“ aus Nußdorf am Inn, die, der Name verrät es, bei der Mitgliedersuche eher zurückhaltend sind. Reine Männerbünde sind in Oberbayern außerdem die Inntaler Blasmusik aus Raubling (Kreis Rosenheim), die Dorfkapelle Reichersbeuern bei Bad Tölz und die Musikkapelle Hartpenning (Kreis Miesbach).

„Diskriminierende Ausschlüsse“ gibt es kaum mehr

Taktgeberin der Blaskapelle Petershausen ist Katrin Czerny.

„Das wird sich auf Dauer erledigen“, sagt Horber. „Diskriminierende Ausschlüsse“ in den Vereinssatzungen gebe es kaum mehr. Lag der Frauenanteil in dem Verband 2001 noch bei 33,5 Prozent, so sind es heute 43 Prozent – Tendenz steigend. Unter den Jugendlichen bilden die Mädchen eine knappe Mehrheit. Und sie spielen nicht automatisch Klarinette oder Querflöte. „Frauen findet man genauso an Tuba und Schlagzeug – und in Führungspositionen sowieso“, so Horber weiter.

Eine von ihnen ist Katrin Czerny. Fragt man die Dirigentin der Blaskapelle Petershausen (Kreis Dachau), wie lange sie dort schon den Taktstock schwingt, kommt sie ins Grübeln. 20 Jahre dürften es sein, rechnet sie vor. Woran sich Czerny genau erinnert: „Ich war damals die einzige Dirigentin in der Region.“ – Eine Rarität in der damals männerdominierten Szene. Ihren Petershausener Musikanten ist sie deshalb bis heute dankbar, dass sie damals als Taktgeberin so gut angenommen wurde. Zugute sei ihr auch gekommen, dass sie studierte Posaunistin ist, vermutet sie. Bei Kolleginnen sei das anders gewesen. Manche hätten Sprüche wie „Von dir lassen wir uns gar nichts sagen“ zu hören bekommen. „Als Frau musste man sich damals ständig beweisen“, sagt Czerny.

Heute, da der Frauenanteil in vielen Vereinen ohnehin sehr hoch ist, sieht sie das Thema viel entspannter. „Wenn ein Verein nur Männer aufnehmen will, dann soll er halt“, sagt sie. „Es kann ja auch jemand eine schwule Blaskapelle aufmachen, dann spielen da auch nur Männer.“

Viele Vereine haben Nachwuchssorgen

Doch schon der Nachwuchsbedarf sei Grund genug für männerdominierte Vereine, sich zu öffnen, sagt MON-Geschäftsführer Horber: „Ohne Frauen sind die Kapellen gar nicht aufrechtzuerhalten.“ Als Beispiel nennt er die „Münchner Bläserbuam“, die trotz ihres Namens fast zur Hälfte mit Frauen besetzt seien.

Thomas Hölzl, dem Leiter der Musikkapelle von Wackersberg bei Bad Tölz, behagt diese Argumentation nicht so recht: „Entweder ich sage, wir sind ein Mannsbilderhaufen oder nicht.“ Die Wackersberger, die nicht zum MON gehören, wollen ein solcher bleiben. Hölzl hatte von „Konfliktpotenzial“ gesprochen, das Frauen in die Truppe bringen könnten: „Wir wollen nicht, dass sich beste Spezln um eine Musikantin streiten.“ Außerdem „wäre es traurig, wenn wir Frauen nur deswegen aufnehmen, weil wir nicht genügend Leute sind“, sagt Hölzl. Dann lacht er und sagt: „Bei uns ist es halt so. Irgendwo ist das doch fast wieder charmant.“

Lesen Sie hier unseren bericht aus dem Archiv: Keine Frauen erlaubt - zwei Isarwinkler Blaskapellen bleiben unter sich.

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