Neue Hymnen bei CSU und SPD /Parteimitglieder drohen mit Austritt

Lieder des Leidens

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Hat eine neue Wahlkampfhymne zum Mitsingen: Die CSU um Ministerpräsident Günther Beckstein.

Verkehrte Welt im bayerischen Landtagswahlkampf: Während die SPD in einem Video über ihren Spitzenkandidaten bayerische Volkstümlichkeit und den Defiliermarsch für sich entdeckt, versucht die CSU mit einer neuen Pop-Hymne im Internet zu punkten – und beide Parteien ernten Kopfschütteln.

Die Nutzer auf der Internet-Video-Plattform Youtube jedenfalls kennen keine Gnade mit der CSU: „Damit tut sich die CSU keinen Gefallen“, schreibt dort Brunsbar, der trotzdem auf einen erneuten Sieg der Regierungspartei hofft. „Schmalzig“ urteilt Helmut63, „peinlich“ sagt Perserdareius. Mancher Parteianhänger droht schon mit Austritt!

Mit Wohlfühl-Bildern von vor allem oberbayerischen Landschaften, Bergen und Seen hat die CSU ihr Wahlkampfmotto jetzt in langsame Balladen-Form gedichtet. So wie das Wahlkampf-Motto heißt auch das Lied: „Stolz auf Bayern!“ – und wartet im Text gar mit einer Wettervorhersage auf: „Wir wissen eins genau: Der Himmel ist weiß-blau.“

Stolz auf Bayern

Sehen Sie hier das Video der CSU zur Landtagswahl 2008.

„Das bessere ist immer der Feind des Guten“, begründet CSU-Sprecher Hans Strepp die musikalische Ergänzung des von der CSU gepachteten Defiliermarschs und der Bayernhymne. Trotzdem: Das neue Lied werde noch nicht morgendlich in der CSU-Zentrale angestimmt, sondern soll als Imagefilm vorerst nur auf Parteiveranstaltungen Interessierte von der Partei überzeugen.

Stirnrunzeln verursacht jedoch auch die SPD: „50 Jahre ist genug“, verwechselt sie in ihrem Protest-Song für die Abwahl der CSU Ein- und Mehrzahl. Oberorganisator Rainer Glaab ist trotzdem stolz auf den „Wahlkampf-Hit“: „Der ist von Fraktionsmitgliedern selbst gedichtet und gesungen!“ Und als Klingelton wie auch als Hymne auf dem Nominierungsparteitag für die Spitzenkandidaten habe sich das Lied bewährt.

Doch die SPD belässt es nicht beim Pop-Protest: Ihr nicht weniger als acht Minuten langes Werbe-Video für SPD-Oberbewerber Franz Maget versucht dem politischen Gegner Altbewährtes abzuluchsen – und lässt den bayerischen Defiliermarsch erklingen. Wahlkämpfer Glaab bestätigt den Parteiwandel in der Außendarstellung, beteuert aber zugleich: „Nein, wir kupfern nicht ab!“ Schließlich habe selbst die CSU weder Musik noch Blaskapellen erfunden.

Walther Schneeweiß

Quelle: tz

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