Behörden sehen keine Gefahr

Ist in Lindau das Grundwasser verseucht?

Lindau - Gefährlich - oder nicht? Arsen und Schwermetalle belasten Grundwasser in Lindau. Die Behörden sehen keine Gefahr. Die Opposition im Landtag verlangt Aufklärung.

Am Lindauer Bahnhof ist das Grundwasser teilweise mit Arsen und Schwermetallen belastet. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks, der sich auf ein bahninternes Gutachten stützt, lagen die Konzentrationen im Grundwasser teils um ein Vielfaches über dem höchsten behördlichen Grenzwert des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. SPD, Grüne und Freie Wähler im Landtag verlangten von der bayerischen Staatsregierung Aufklärung.

Trinkwasser sei nicht betroffen

Das Landratsamt Lindau und die Bahn bestätigten am Freitag, dass Schadstoffe im Boden zeitweise das dortige Grundwasser belasten. Das Trinkwasser sei aber nicht betroffen. Wenn verseuchtes Wasser in Ausnahmefällen in den Bodensee gelange, sei die Menge „wasserwirtschaftlich nicht relevant“.

„Handlungsbedarf ist gegeben, allerdings kein sofortiger, da keine akute Gefährdung besteht“, teilte das Landratsamt mit. „Daher kann eine Sanierung von Grundwasserbelastungen dann erfolgen, wenn in absehbarer Zeit das Bahnhofsgelände umgestaltet wird.“ Das Trinkwasser werde zwei Mal im Jahr auf 42 Stoffe untersucht. Dabei seien die Grenzwerte stets eingehalten worden oder die Werte hätten unterhalb der Nachweisgrenze gelegen. „Auffälligkeiten wurden nie verzeichnet.“

Ein Bahnsprecher unterstrich, die Bahn messe seit Jahren die Altlasten. Demnach kämen die Verunreinigungen des Grundwassers meist isoliert vor, es gebe nur einen geringen Austausch mit dem Bodenseewasser. „Es ist verfälschend, wenn der Eindruck erweckt wird, dass eine Verlagerung von Schadstoffen stattfinden würde und daraus eine Belastung des Bodensees resultieren würde. Wir haben nichts zu verbergen. Genau deswegen haben wir die Messergebnisse auch dem Bayerischen Rundfunk zur Verfügung gestellt.“

Opposition fordert Aufklärung der Missstände

SPD, Grüne und Freie Wähler verlangten eine umgehende Beseitigung der Missstände. „Die Staatsregierung ist in der Pflicht, transparent aufzuzeigen, wo Fehler gemacht wurden und was man dagegen zu tun gedenkt“, sagte der Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn. „Es kann nicht sein, dass hier jahrzehntelang sehenden Auges keine Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers durchgeführt wurden.“

Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag, Christian Magerl (Grüne), verlangte umfassende Aufklärung und Auskunft, warum die Sanierung des Bahnhofs noch nicht angegangen worden sei. „Man kann doch nicht allen Ernstes auf eine Verlegung warten, wenn Giftstoffe in den Boden fließen und Grundwasser verseucht wird.“ Er wolle wissen, seit wann die Thematik bekannt sei und warum nichts unternommen wurde. „Dieser Saustall muss aufgeräumt werden.“

Der umweltpolitische Sprecher der Freien Wähler im Landtag, Benno Zierer, sagte: „Wenn sich bestätigt, dass die Behörden in diesem Fall seit Jahren untätig sind, wäre das mehr als skandalös.“ Es dürften nicht weitere Jahre vergehen, bis die Altlasten auf dem Bahnareal entfernt werden.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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