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Lokführer fehlen: Länderbahn fängt sich offizielle Abmahnung ein

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Von: Dirk Walter

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München-Prag für 65 Euro: So wirbt die Länderbahn auf einer Lok. Dass es oft Verspätungen gibt, steht wohlweislich nicht dabei.Auch Leihpersonal ist schwer zubekommen.Jörg Puchmüller, Länderbahn © Länderbahn

Das gab es noch nie: Das bayerische Verkehrsministerium hat die Länderbahn abgemahnt. Das Unternehmen verantwortet den Zugverkehr München-Lindau und München-Prag – ist aber offenbar aufgrund Lokführermangels überfordert.

München – Wer mit dem Allgäu-Express („Alex“) reisen will, schaut besser vorher auf die Homepage des Dach-Unternehmens Länderbahn – denn dort lauern unangenehme Überraschungen. „Aufgrund einer äußerst angespannten Personallage“, so heißt es zum Beispiel derzeit, müsse der Zugverkehr im südlichen Teil „leider teilweise eingeschränkt“ werden. Bis zum 5. November fahren zwischen Immenstadt und Oberstdorf keine Züge – sondern nur Busse.

Offenbar ist das kein Einzelfall: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die dem Verkehrsministerium untersteht, ist dermaßen unzufrieden mit den Leistungen der Länderbahn, dass sie das Unternehmen jetzt abgemahnt hat. „Das war zum ersten Mal in der gut 20-jährigen Geschichte der BEG der Fall“, sagt eine Sprecherin. Schon direkt nach der Einführung eines neuen Fahrplans Ende 2017, der eigentlich einen regulären Zwei-Stunden-Takt beinhaltet, hatten sich auf dem Nord-Ast Klagen gehäuft. Fast kein Zug fuhr pünktlich. Die Probleme hat die Länderbahn bis heute nicht im Griff. Es kam „zu Zugausfällen, massiven Verspätungen und Abweichungen von der vertraglich vereinbarten Regelzugbildung“, listet die BEG auf. „Darüber hinaus waren Fahrzeuge abgesperrt, Heizungen, Türen oder Toiletten defekt und die mangelnde oder nicht korrekte Fahrgastinformation verärgerte die Fahrgäste.“ Auch nicht selten waren laut BEG fehlende oder defekte Loks sowie Personalmangel. Zunächst sei vor allem der Zugverkehr Richtung Norden betroffen gewesen, später auch der ins Allgäu, vor allem am Wochenende.

Länderbahn-Sprecher: „Auch Leihpersonal ist schwer zu bekommen“

Immer wenn das Unternehmen einzelne Leistungen nicht erbringt, muss es eine Vertragsstrafe zahlen. Diese sogenannten Pönalen haben sich bei der Länderbahn binnen eines Jahres schon auf einen Millionenbetrag summiert. Beim jüngsten Qualitätsranking der BEG landete die Länderbahn auf dem 28. und damit vorletzten Platz.

Jetzt hat die BEG die Notbremse gezogen: Das Unternehmen wurde dazu verdonnert, als externen Berater das Schweizer Technologieunternehmen Molinari Rail AG hinzuzuziehen, um die Probleme endlich in den Griff zu bekommen. Doch auch ein Beratungsunternehmen kann keine Wunderdinge vollbringen. „Unser größtes Problem sind fehlende Lokführer“, sagt Unternehmenssprecher Jörg Puchmüller. Auch Leihpersonal sei „schwer zu bekommen“.

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Unter Lokführern gilt der „Alex“ nicht ganz zu Unrecht als Auslaufmodell: Denn die Länderbahn hat die Ausschreibung für die Verbindung München-Lindau an die Deutsche Bahn verloren, der Vertrag läuft Ende 2020 aus. Die Folge: Die „Alex“-Lokführer disponieren um, manche sind offenbar jetzt schon zur Konkurrenz gewechselt. Puchmüller spricht von einer „Sondersituation“.

Eigene Eisenbahnschule soll Abhilfe schaffen

Die Länderbahn, die auch noch in anderen Bundesländern wie Sachsen und Rheinland-Pfalz Regionalverkehr fährt, steuert immerhin gegen: Sie hat eine eigene Eisenbahnschule mit Zweigstellen in Schwandorf (für Zugführer) und Neumark im Vogtland (Lokführer) gegründet. Bis Mitte 2019 „soll das Früchte tragen“, erklärt der Länderbahn-Sprecher.

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Recht rumpelig läuft es aber auch auf der Strecke München-Regensburg-Hof/Prag – allerdings aus anderen Gründen. Hier machen der Länderbahn, deren Vertrag in diesem Abschnitt bis Ende 2022 läuft, auch Versäumnisse von Bund und Land zu schaffen. Ein Teil des Streckennetzes – zwischen Furth im Wald und Schwandorf – ist eingleisig, zudem gibt es viele Bahnbaustellen in Tschechien. Seit Fahrwechsel Dezember 2017 habe es 40 Großbaustellen mit über 2000 Baustellen-Tagen gegeben, so die Länderbahn. Wenn Züge verspätet aus Prag kommen, dann müssen sie warten, bis der Gegenzug vorbei ist – dadurch potenzieren sich Verspätungen.

Abhilfe ist allenfalls langfristig in Sicht: Obwohl der Ausbau der Bahnverbindung nach Tschechien von der bayerischen Politik oft angemahnt wird, wird ein zweites Gleis auf der Strecke Furth im Wald bis Landesgrenze im Bundesverkehrswegeplan nur in der Rubrik „Vorhaben des potenziellen Bedarfs“ aufgeführt. Im Klartext: Der Ausbau steht in den Sternen.

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