Warum rastete der Arbeitslose aus?

Macheten-Mann: Er war eine tickende Zeitbombe

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Ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist: Robert B. bedroht Polizeibeamte mit seinen Waffen.

München - Der Macheten-Angriff in Neuötting bewegt weiter die Gemüter. Warum rastete der Arbeitslose dermaßen aus? Offenbar war schon länger bekannt, welches Gefahrenpotenzial der 46-Jährige darstellte.

Auch drei Tage nach den Notwehr-Schüssen auf einen Betrunkenen, der mit Hiebwaffen auf Polizeibeamte losgegangen war, herrscht in Neuötting Bestürzung. Am Dienstagabend war der betrunkene Robert B. (46) wie ein Tobsüchtiger zwischen der Bahnhofs- und Innstraße umhergelaufen, hatte über eine halbe Stunde mit einem Weltkriegskarabiner, einer Machete und einem Samuraischwert herumfuchtelt und damit Polizisten attackiert. Die konnten ihn erst mit einem Schuss in den Oberschenkel stoppen. Inzwischen wurde von der Staatsanwaltschaft Traunstein eine Unterbringung beantragt. Doch warum rastete der Arbeitslose dermaßen aus?

Das Haus, in der Robert E. zusammen mit seiner Ehefrau Eva (Name geändert) lebte, gilt in der Innenstadt als sozialer Brennpunkt. Es gehört der Stadt und wird von ihr für Härtefälle zur Verfügung gestellt. Den Hausmeister wunderte es nicht, dass hier mal einer austickt: „Das war zu erwarten“, sagte er zur PNP, „viele hier sind tickende Zeitbomben.“ Robert B. gehörte wohl auch in diese Kategorie, sein Jähzorn ist sogar amtsbekannt. Der Hausmeisterin erzählte er zwar, er sei gelernter Metzer. Doch seit Jahren soll er nur noch herumgelungert sein und nichts gearbeitet haben. Mit den Gästen des Pubs, die er an jenem Dienstagabend mit der Satz „Eire Kepf‘ ghern mia“ bedroht hatte, sei er vorher immer wieder aneinandergeraten. Die Hausmeisterin: „Mir hat er gedroht, die Hunde zu erschießen und daraus Stiefel zu basteln.“ Nachdem Robert B. in ihre Wohnung hatte eindringen wollen, hatte sich die ebenso resolute wie gutmütige Frau dermaßen belästigt gefühlt, dass sie sich von der Polizei beraten ließ. Der Tipp damals sinngemäß: „Bleiben Sie weg von ihm. Den kennen wir.“

Seit Ende August 2012 ist Robert B. verheiratet. Am Tattag war aus der vermüllten Wohnung Lärm zu hören, dann war Ruhe. Die Frau hatte die Räume verlassen, B. blieb allein zurück und widmete sich der Flasche. Dass er eine Sammelleidenschaft für Dolche, Messer und Schwerter entwickelt hatte, war der Hausmeisterin vor über einem Jahr aufgefallen: Da war der Rauchmelder losgegangen, sie hatte die Wohnung betreten und rund 25 Waffen einschließlich diverser Pistolen entdeckt. „Ich meldete der Stadt, dass er Waffen hat“, sagte die Hausmeisterin. Bürgermeister Peter Haugeneder leitete die Beobachtung der Frau laut PNP auch an die Polizei weiter. Danach scheint jemand eingeschritten zu sein, die Hausmeisterin hatte jedenfalls mitbekommen, dass ein Waffenverbot erteilt worden sei. Wenn dem so war, hat es kaum gegriffen...

Markus Christandl

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