Bewegende Geschichte

Angst von Geburt an: Ein Leben mit dem HI-Virus

München - Mit HIV-positiv verbinden die meisten Krankheit, Leid und Tod. Corinne aus Bayern hat das Virus seit ihrer Geburt. Die ganze Geschichte von einem jungen Leben voller Angst.

"Das Schlimme an meiner Krankheit ist nicht die Angst davor, dass sie ausbricht und ich sterben würde, sondern vielmehr die Angst davor alleine zu sein", hält die 20-jährige Corinne zu Beginn der ZDF-Sendung 37 Grad in einem Brief fest. "Stell dir vor, deine Freundin würde dir eines Tages erzählen, sie hätte HIV - was würdest du tun?"

In der berührenden Sendung mit dem Titel "Niemand darf es wissen", erzählt die 20-Jährige aus Bayern von ihrem Leben mit dem HI-Virus, das größtenteils mit der Kamera begleitet wurde. Dabei zeigt sich: Die Krankheit ist eigentlich gar nicht Corinnes größtes Problem. Sondern die Angst vor Ausgrenzung und die Einsamkeit hinter einer Mauer des Schweigens.

Bei ihrer Geburt wurde Corinne mit dem Virus infiziert. Mit drei Jahren muss sich Corinne von ihrer Mutter verabschieden und kommt in eine Pflegefamilie: Es sei besser so für Corinne, entscheidet ihre Mutter. Das wissen, für die Infektion der Tochter verantwortlich zu sein, habe ihre leibliche Mutter fast um den Verstand gebracht, erzählt die Pflegemutter dem Mädchen. Zwei Jahre später ist Corinnes leibliche Mutter tot.

Schon mit neun Jahren weiß Corinne ganz genau wie viele und vor allem welche Tabletten sie wann nehmen muss. Und, dass sie niemandem etwas sagen darf von ihrer Krankheit, das weiß Corinne auch schon. Sie will keine Freunde verlieren. Was sie hat, das weiß Corinne noch nicht. Nur dass ihr Blut krank ist, das haben ihre Pflegeeltern ihr gesagt.

Erst mit zwölf Jahren erfährt Corinne, dass sie HIV-positiv ist

Eigentlich wollten die Pflegeeltern noch warten, bis sie ihrer Ziehtochter sagen, wie genau die Krankheit heißt. Doch als Corinne von der Schule heimkommt und erzählt, dass dort ein Spendenlauf für AIDS-Kranke veranstaltet wird, ist der Zeitpunkt gekommen. Corinne ist zwölf Jahre alt.

Erzählen darf sie es trotzdem niemandem. Nur einer Freundin, der durfte sie sich anvertrauen. Mit ihr kann sich Corinne auch offen über Jungs unterhalten. Ob sie es einem Jungen sagen würde, fragt die Freundin. "Wenn ich länger mit ihm zusammen bin, klar", meint Corinne, die jetzt mitten in der Pubertät steckt. Das Kondome lebenswichtig sind, weiß Corinne. Im Ferienlager lernt Corinne Paul kennen.

Rebellion gegen die Mauer des Schweigens

Ein Jahr vor dem Abitur beginnt Corinne die Mauer des Schweigens, die ihre Pflegeeltern um sie herum aufgebaut haben, zu hinterfragen: "Ist doch scheißegal, machen wir halt kein Geheimnis mehr draus", fordert die Jugendliche. Ein Jahr Mobbing, befürchtet ihre Pflegemutter. Nach dem Abitur, da könne Corinne machen was sie wolle, meint sie.

Paul spielt immer noch eine große Rolle in Corinnes Leben. Soll sie es ihm sagen? Bisher sind beide nur gute Freunde, gehen zusammen klettern. Bei einem Ausflug erzählt sie ihm unter Tränen von dem Virus den sie in sich trägt. Mit seiner Reaktion nimmt Paul ihr eine große Last von den Schultern: "Wenn es dir gut geht und wenn du damit leben kannst, ist es eigentlich völlig Banane für den Rest."

Die Mauer des Schweigens fällt in sich zusammen. Corinne will ihre Geschichte nun mit der ganzen Welt teilen.

Nach dem Abitur geht Corinne für ein Jahr auf Reisen, die Medikamente, die das Virus am Ausbrechen hindern sollen, sind immer im Gepäck dabei. "Das gehört zu mir dazu, ich werde auch nie wirklich frei sein, aber das ist auch nicht schlimm", meint die junge Frau.

Die ganze bewegende Geschichte gibt es in der ZDF-Mediathek.

vf

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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