„Zu viele andere Verpflichtungen“

Neuner als Olympia-Gesicht: nein, danke

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Gibt ihr Gesicht oft genug her auf ihrem eigenen Panoramaweg: Magdalena Neuner.

Wallgau - Magdalena Neuner als Frontfrau einer erneuten Münchner Olympia-Kandidatur mit Garmisch-Partenkirchen für die Winterspiele 2022 - das wird es nicht geben.

Dass die Doppel-Olympiasiegerin und zwölffache Biathlon-Weltmeisterin das Gesicht eines neuerlichen Anlaufs sein könnte wie es Katarina Witt beim ersten war - dieser Vorstellung erteilte die 26-Jährige am Rande der Eröffnung ihres eigenen Panoramawegs im heimischen Wallgau energisch eine Abfuhr. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, stellt sie klar. „Ich haben einfach zu viele andere Verpflichtungen. Daher möchte ich mich eines so großen Projekts ehrlich gesagt nicht annehmen.“

Der Trubel um Deutschlands beliebteste Wintersportlerin hat auch nach ihrem Karriereende im März 2012 nicht nachgelassen. Im Gegenteil. Die Biathlon-Königin ist ausgebucht. „Ich habe jetzt schon wieder Termine für den Februar 2014 in meinem Kalender“, verrät sie. Die Sponsoren reißen sich um die sportliche Früh-Rentnerin. „Das Interesse ist riesig“, bestätigt sie. Anfragen über Anfragen türmen sich bei ihrem Management. Immer wieder soll sie auch als Ehrengast bei Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten auftreten. „Dazu kommen viele Charity-Projekte, die mich für sich gewinnen wollen.“ Neuner geht vorsichtig mit all den Offerten um. „Natürlich hätte ich jetzt auch mal Zeit, auf Geburtstage zu gehen. Aber wo fängt das an und wo hört es auf? Das müssen die Leute einfach verstehen, dass es nicht geht.“

Neuner möchte nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Daher auch die Zurückhaltung in puncto Olympia 2022. „Ich habe feste Verpflichtungen, und darauf will ich mich konzentrieren.“ Ihr Leitsatz: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gscheit.“ Im Bereich Charity engagiert sich die Wallgauerin zum Beispiel als bayerische Botschafterin für die Björn-Schulze-Stiftung, die Familien mit schwerst oder unheilbar kranken Kindern hilft. „Ich hab’ ein paar größere Dinge, in die ich meine Energie einbringe“, stellt sie klar. „Und da will ich mich nicht verzetteln.“

Grundsätzlich ist Neuner sehr wohl eine Olympia-Befürworterin. „So gespalten wie es am Ende in den Medien dramatisiert wurde, ist mein Verhältnis zu Olympia nicht“, versichert sie. „Ich hatte mir halt einige Dinge anders vorgestellt. Und ich fand es krass, dass man sich nicht mal mehr umziehen darf, keine zwei Minuten mehr für sich hat, wenn man gewinnt.“ Grundsätzlich sei es aber „das schönste Gefühl, wenn man Olympiasieger wird“.

Eine zweite Bewerbung Münchens mit Garmisch-Partenkirchen befürwortet sie daher durchaus. „Ich stehe hinter Olympia in der Region, weil es sicher für viele Gemeinden Vorteile mit sich bringen würde. Für Oberau beispielsweise mit einer Ortsumfahrung.“ Allerdings gibt es auch Einschränkungen. „Das Ganze muss sinnvoll sein“, sagt sie offen. Pläne wie Biathlon-Wettkämpfe in Oberammergau oder auf Gut Schwaiganger bei Ohlstadt lehnt sie strikt ab. „Darin sehe ich eben keinen Sinn. Schließlich haben wir in Ruhpolding ein riesiges und superschönes Stadion bekommen. Vielleicht liege ich auch falsch, aber ich denke, es gibt viele Menschen, die das so sehen wir ich.“

Den neuen Ansatz, der genau diesen Hauptpunkt beinhaltet, die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe an den Weltcup- und WM-Ort im Chiemgau zu vergeben, findet Neuner daher richtig. „Es ist gut, dass man sich nochmal Gedanken gemacht hat und dass man offen ist, etwas zu ändern“, betont sie. „Ich denke, dass wir damit auch eine realistische Chance haben, beim nächsten Mal den Zuschlag zu bekommen.“ Nur muss es eben ohne das strahlende Lächeln Neuners an der Spitze der Bewerbung gehen.

Christian Fellner

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