Bruch erst als Prellung diagnostiziert

Mann bricht sich beim Splitter-Ziehen das Genick

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Patient und Retter: Charly Walter und der Chefarzt der Schongauer Wirbelsäulenchirurgie, Dr. Florian Soldner. Kleines Bild: Zwei sieben Zentimeter lange Titan-Schrauben fixieren den Bruch in Walters Genick.

Schongau - Charly Walter aus Schongau hat enormes Pech: Als er sich einen Splitter aus dem Finger ziehen will, bricht er sich das Genick. Der 69-Jährige hat aber auch unwahrscheinliches Glück...

Dieser verdammte Splitter. Seit zwei Tagen steckt er jetzt im Finger von Charly Walter. Sticht, juckt. Dieser halbe Zentimeter Holz unter seiner Haut nervt. Jetzt reicht’s. Walter wird ihn rausholen, beenden, was auch immer der Splitter da unter seiner Haut treibt. Raus mit der Pinzette, ziehen, bohren, puhlen. Wenig später liegt Walter am Boden. Er hat sich das Genick gebrochen. Also tatsächlich. Nicht im sprichwörtlichen Sinne. Wegen eines Splitters, einer Kleinigkeit.

Ein paar Minuten früher: Walter, 69, Rentner, sitzt an seinem Schreibtisch. Er ist eine Art Dauer-Kranker. Seit er ihm Ruhestand ist, scheint er Krankheiten magisch anzuziehen. Die fiesen und gemeinen. Als erstes kam der Krebs. Ein Gehirntumor. „Der wurde wenige Wochen nach meiner Pensionierung diagnostiziert“, sagt er. Dann Parkinson, irgendwann noch Multiple Sklerose. Eine Schreckensliste. Und nun eben dieser Splitter. Eine Kleinigkeit für einen Mann, der zum Frühstück 24 Tabletten schluckt. Eigentlich.

Mit Lupe und Pinzette rückt Walter dem Holzstückchen zu Leibe, zieht, puhlt. „Der war ganz schön hartnäckig“, sagt er. Irgendwann hat er ihn – glaubt er zumindest. Vielleicht zieht er auch nur an einer Sehne, wie seine Frau behauptet. Schmarrn, sagt Walter und zieht weiter. Irgendwann will er das Ding – was immer es auch war – abschneiden.

Schnipp. Nebel. Dunkelheit. Rumms. Knacks. „Mir wurde schwarz vor Augen und ich bin vom Stuhl gekippt“, erinnert er sich. Er rutscht vom Stuhl, geht zu Boden. Mit dem Gesicht voraus knallt er in seinen Computer, dann mit dem Hinterkopf auf das Tischbein, bricht sich das Genick.

Walter ist bei Bewusstsein, der Nacken schmerzt höllisch. Seine Frau stürmt ins Zimmer, will helfen. Aber jede falsche Bewegung kann Walter für immer lähmen, im schlimmsten Fall sogar töten. Walter bewegt sich trotzdem, schleppt sich mit Hilfe seiner Frau zum Sofa. „Ich wusste ja nicht, dass ich mir das Genick gebrochen habe“, sagt er.

Kurz darauf steht schon der eilig herbeigerufene Arzt im Zimmer, untersucht den Schwerverletzten. Seine Diagnose: Prellung. „Ich sollte einen Salbenverband machen, dann würde es mir schon bald wieder gut gehen.“ Eine unglaubliche Fehleinschätzung.

Eine Stunde, vielleicht auch zwei vergehen. Walter verliert immer mehr Gefühl in seinen Gliedmaßen, irgendwann spürt er gar nichts mehr. Schließlich greift seine Frau erneut zum Telefon, ruft im Schongauer Krankenhaus an, schildert den Fall. Dort schrillen sofort alle Alarmglocken.

Im Krankenhaus erfährt er dann erstmals, wie schlimm es wirklich um ihn steht. Eine CT-Aufnahme und eine Kernspintomographie zeigen, dass der Schongauer sich den Zapfen des zweiten Halswirbelkörpers abgerissen hat. Einfacher gesagt: Er hat sich das Genick gebrochen. „Ein lebensgefährlicher Bruch“, sagt der Chefarzt der Schongauer Wirbelsäulenchirurgie Dr. Florian Soldner, der Walter operiert hat. „Bei dem eine Querschnittslähmung drohen kann, wenn der Patient eine heftige Bewegung macht oder noch einmal stürzt.“

Vier Tage später liegt Walter auf dem OP-Tisch. Die Ärzte setzen ihm zwei Titan-Schrauben millimetergenau in den Körper. Zwei Mal mickrige sieben Zentimeter retten sein Leben – und seine Beweglichkeit. „Ein großer Vorteil des Eingriffs ist, dass Patienten nach sechs Wochen wieder voll mobil sind und in der Regel keine Einschränkung in der Beweglichkeit der Halswirbelsäule zurückbleibt“, sagt Dr. Soldner.

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Zwölf Tage nach dem Unfall ist Walter schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, sitzt daheim, kann sich bewegen. „Mir geht es soweit ganz gut“, sagt er und versucht zu lachen. „Ich war sogar schon mit meiner Frau beim Einkaufen.“ Rund ein halbes Jahr muss er noch eine Art Halskrause tragen, dann ist das Genick wieder heil. Spätfolgen sind nicht zu befürchten.

In den nächsten Tagen geht es für den 69-Jährigen aber erst Mal auf Reha. „Ich habe meine Mal-Sachen schon eingepackt“, sagt er. „Vielleicht brauchen die ja ein paar Bilder.“ Walter malt übrigens Aquarelle. „Weil die so schwierig sind“, sagt er. Schließlich habe man nur wenig Zeit, um den richtigen Strich zu setzen. Oft sind es nur Sekunden, Kleinigkeiten. Aber damit kennt Walter sich ja bestens aus.

Thomas Fritzmeier

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