SEK-Einsatz wegen Sprengstoff im Garten

Sollte der Sohn beim Rasenmähen sterben?

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Sondermoning - Er sitzt weiterhin in U-Haft und schweigt. Franz B. (75) aus Sondermoning (Kreis Traunstein) ist am Freitagabend festgenommen worden, weil gegen ihn ein furchtbarer Verdacht besteht.

Er soll mit dem Deponieren von 3,5 Kilogramm TNT zu tun haben. Wollte er jemandem umbringen, und wenn ja, wen? Das Opfer könnte sogar sein eigener Sohn Peter (32) sein – oder doch jemand anders?

Peter B., dessen Ehefrau hochschwanger ist und in den nächsten Tagen das zweite Kind erwartet, hatte sich den Rasenmäher genommen und am Freitagabend mit der Arbeit begonnen. Er wohnt mit seiner jungen Familie im Anbau ans Elternhaus, früher war hier der Stall. Die Umstände um diesen Anbau brachten Franz B.. Vater von fünf Töchtern und einem Sohn, zum Ende der 1990er Jahre ins Gefängnis: Weil sich der damalige Lagerarbeiter bei der Finanzierung übernommen hatte, überfiel er im Oktober 1996, im März 1997 und im September 1998 mit einer abgesägten Schrotflinte immer dieselbe Filiale der Münchner Stadtsparkasse. Die Beute (200 000 D-Mark) verwendete er teils zur Schuldentilgung bei seiner Bank. Bei Vorbereitungen zu seinem vierten Überfall wurde er schließlich kurz vor Weihnachten 1998 gestellt. Es folgte eine lange Haftstrafe, in der Zeit trennte sich seiner Ehefrau von ihm.

Nun war Franz B. ganz allein auf dem Hof, in den er selbst eingeheiratet hatte. Vor wenigen Jahren zog aber sein Sohn Peter wieder in das große, leerstehende Haus ein und gründete seine eigene Familie. Nach Verbüßung der Haftstrafe führte der Vater ein unscheinbares Leben. Manche beschreiben den nur 1,65 Meter großen, stämmigen Typen aber als jähzornig, andere als eigensinnig. Manchmal schien er aber auch mitfühlend zu sein. So schrieb er einer Bekannten, deren Vater gestorben war, aus dem Gefängnis einen ergreifenden Kondolenzbrief. Unter die Leute mischte er sich wenig, er ging mal mit den Mitgliedern des VdK zum Dorfwirt oder ließ sich, wie heuer, beim Maibaumaufstellen blicken.

Doch was passierte Freitagnacht? Sohn Peter mähte, als er mit der Maschine gegen etwas Festes stieß, das sich unter der Grasnarbe befand. Es soll sich um ein Behältnis gehandelt haben, ähnlich einer Amphore. Der 32-Jährige untersuchte das Stück, das schon länger in der Erde gelegen haben könnte. Er erblickte am Behälter eine Art Zündvorrichtung, schreckte zurück und rief sofort die Polizei. Im Umkreis des Hofs wurden daraufhin die Gebäude evakuiert, das Spezialeinsatzkommando rückte an. Bei der Untersuchung stellte sich he­raus, dass der Behälter mit 3,5 Kilo hochexplosivem TNT-Sprengstoff gefüllt war. Eine Bombe? Die Technische Sondergruppe entschärfte die Vorrichtung und transportierte alles ab. Vater Franz B. kam nach langen Verhandlungen aus seinem Haus und ließ sich widerstandlos festnehmen.

Am Samstag suchten Einsatzkräfte weiter das Areal ab, fanden aber offenbar nichts mehr. Sohn Peter ist derweil tief erschüttert. „Ich habe in den letzten 24 Stunden kein Auge mehr zugetan“, sagte er der tz. Es nagt an ihm, was sich auf dem Anwesen zugetragen hat.

Das Landekriminalamt legt sich bislang noch nicht auf eine Theorie fest. Eine Sprecherin sagte am Montag lediglich, dass Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn beziehungsweise dessen Familie nicht auszuschließen seien. Der Vater sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

Mann findet Sprengsatz im Garten: Bilder vom Einsatzort

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Markus Christandl/dpa

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