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Margot Hellwig: "Meine Mutter sang bis zuletzt"

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"Von meiner Mutter habe ich gelernt, immer wieder nach vorn zu schauen und für das dankbar zu sein, war man hat", sagt Margot Hellwig (r.) im tz-Gespräch
"Von meiner Mutter habe ich gelernt, immer wieder nach vorn zu schauen und für das dankbar zu sein, war man hat", sagt Margot Hellwig (r.) im tz-Gespräch © dpa

Ruhpolding - Dass Maria Hellwig am Freitag um 22.50 Uhr im Vinzentinum in Ruhpolding starb, stürzt die Menschen, die sie liebten, in tiefe Trauer. Ganz besonders Tochter Margot (69), mit der die tz sprach.

Schnee liegt auf den ­Dächern der Häuser im idyllischen Reit im Winkl.

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Maria Hellwig (90) ist tot

Die Holztür des ­legendären Gasthauses Kuhstall schmückt ein schlichter Tannenzweig mit Trauerflor. Er erinnert an Volksmusikstar ­Maria Hellwig, die hier gejodelt, die Gäste unterhalten und liebevoll bewirtet hat. Dass sie am Freitag um 22.50 Uhr im Vinzentinum in Ruhpolding starb, stürzt die Menschen, die sie liebten, in tiefe Trauer.

Ganz besonders natürlich Tochter Margot (69), die ihrer Mutter noch wenige Stunden vor ­deren Tod die Hand hielt. „Bis 18 Uhr war ich bei ihr im Krankenhaus. Dann hab ich mich verabschiedet und der Mama gesagt, dass ich am nächsten Morgen wieder bei ihr sein werde“, erzählt Margot Hellwig im tz-Gespräch.

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Dass ihre Mutter den nächsten Morgen nicht erleben sollte, konnte die Volksmusiksängerin nicht ahnen. „Die Ärzte hatten Entwarnung gegeben. Es sah so aus, als hätte sie den schweren Infekt, der sie auf die Intensivstation gebracht hatte, überstanden.“ Sicher, sie sei noch schwach und müde gewesen. „Aber wir haben uns in den letzten Tagen so viele schöne Geschichten erzählt, und immer wieder habe ich für sie gesungen.“

Denn Musik war für ­die Jodelkönigin nicht nur die beste Medizin, sie war ihr Leben: Wenn Maria Hellwig auf der Bühne stand, flogen ihr die Herzen zu. Noch mit 86 trat sie beim deutschen Vorentscheid zum Grand Prix der Volksmusik an. „Um zu zeigen, dass Menschen auch im Alter noch aktiv sein können“, sagte sie damals. „Ja, meine Mama hat nie aufgegeben, auch wenn es ihr gesundheitlich schlecht ging“, erinnert sich Margot Hellwig, die als Gesangsduo mit ihrer Mutter Musikgeschichte schrieb. „Sie hat niemals zurückgeschaut und über das gejammert, was war.“

Dabei gab es auch schwere Schicksalsschläge im Leben der Sängerin. Im Zweiten Weltkrieg verlor sie gleich zwei liebe Menschen: ihren Bruder, der in Frankreich fiel, und ihren Ehemann Sepp Fischer, Vater von Tochter Margot, der im fernen Russland starb. Nach Kriegsende lernte Maria, die 1920 in Reit im Winkl geboren wurde, ihren zweiten Ehemann Addi Hellwig kennen und lieben. Er unterstützte und managte sie, gründete mit ihr eine Wanderbühne und starb überraschend 1996.

Und wieder war es die Musik, die ihr in ihrer Trauer half. Das Jodeln, das sie als junge Frau im ­Kohlenkeller geübt hatte.„Bis zuletzt hat sie ihre Stimme geschult und Gesangsübungen gemacht“, sagt Margot Hellwig. „Die Schwestern im Krankenhaus, die in ihrer Sterbestunde bei ihr waren, haben mir gesagt, dass die Mama noch eine Viertelstunde vor ihrem Tod gesungen hat.“

Ob Maria Angst vorm Sterben hatte? „Ich weiß es nicht. Über Tod oder Krankheit wollte sie nie sprechen. Das hat sie ganz weit weggeschoben. Dafür hat sie irgendwie zu gern gelebt“, sagt die Tochter. „Trotz Schmerzen und obwohl sie einen Augeninfarkt hatte und kaum noch gesehen hat, war für sie jeder Tag ein Geschenk. Ich sehe sie genau vor mir, wie sie draußen vor dem Haus in der Sonne sitzt und selig lächelt.“

Dass sie nie wieder dort sitzen, nie wieder ihre Hand halten, mit ihr gemeinsam singen und lachen wird, das verdrängt Margot Hellwig im Moment noch. „Die Planung der Trauerfeier, die wir jetzt am Mittwoch um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Pankratius in Reit im Winkl abhalten werden, lenkt mich ab. Aber ich fürchte mich vor Mittwochabend. Dem Moment, in dem ich nach Hause komme und merke, wie sehr Mama fehlt.“

Astrid Kistner

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