Am ganzen Körper verletzt

Mario (4) misshandelt - Paar bestreitet Vorwürfe

Deggendorf - Ein Paar aus Deggendorf steht vor Gericht. Der unfassbare Vorwurf: Sie sollen ihr Pflegekind Mario misshandelt haben. Die Angeklagte ist selbst Kinderkrankenschwester.

Die Angeklagte ist Kinderkrankenschwester, man traut ihr eigentlich nicht zu, was Staatsanwalt Oliver Baumgartner juristisch knapp mit „Misshandlung Schutzbefohlener“ überschreibt. Wenn da nicht die schier endlose Zahl von Verletzungen ihres Pflegekindes Mario (4) wären – und belastende WhatsApp-Nachrichten wie diese: „Ich hätte das schönste Leben, wenn Mario weg wäre.“

Seit gestern müssen sich Daniela D. (35) und ihr Mann Michael (36) vorm Landgericht Deggendorf verantworten. Laut Anklage schlugen sie ihren Pflegesohn Mario von März bis Juni 2014 immer und immer wieder, außerdem fügten sie ihm Brandwunden zu. „Sie handelten in einer gefühllosen Gesinnung“, sagte der Staatsanwalt, nachdem klaffende Hautrisse am Kopf, im Nacken, Wunden an der Wange und Verbrennungen an den Beinen aufgezählt hatte.

Zum schlimmsten Vorfall soll es am 9. Juni gekommen sein: Mario soll auf einem „extrem heißen Gegenstand“ fixiert worden sein. Der Ankläger hält es für Abdrücke einer Herdplatte, die Marios Gesäß großflächig verbrannten und sogar eine Hauttransplantation nötig machten. Doch die Angeklagten hätten „die Aufdeckung ihrer Verfehlungen“ verhindern wollen, indem sie Mario trotz schlimmster Verletzungen keinem Arzt vorstellten und in den Berichten ans Jugendamt lediglich von „Verhaltensauffälligkeiten“ sprachen. Gegenüber Dritten soll Daniela D. das Pflegekind jedoch als „Depp“ bezeichnet haben, der sie zur Weißglut bringe und „aufpassen muss, dass er nicht eine fängt“.

Zum Prozessauftakt wies die fünffache Mutter die Misshandlungsvorwürfe allerdings zurück: „Er ist mehrmals hingefallen, hat sich die Wunden immer wieder blutig gekratzt“, sagte sie. Auch ihren eigenen Sohn habe er verletzt. Die Brandwunde am Po habe er sich zugezogen, als er sich an einem heißen Sommertag auf den glühend heißen Sonnenschirmständer aus Metall gesetzt habe. „Ich könnte ihn doch nie auf eine heiße Platte setzten, auf die Idee würde ich gar nicht kommen.“ Auch ihr Mann sei in keinster Weise gewalttätig.

Allerdings hielt ihr Richterin Gisela Schwack vor, dass ein Gutachter die Terrassenplatte als Auslöser der Brandwunden in Zweifel zieht. Vier Verhandlungstage will sich das Gericht Zeit nehmen, die Vorwürfe zu klären. Das Urteil soll am 3. November fallen. Den Pflegeeltern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

tz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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