Wie er wieder auf die Beine kam

Cool, Wasi! Ski-Feuerwerk mit zwei neuen Hüften

+
Markus Wasmeier carvt wieder wie ein junger Gott.

München - Arthrose hatte die Hüften von Markus Wasmeier zerschlissen. Er bekam zwei künstliche Gelenke und rast wieder die Hänge hinunter. Hier erklärt er, wie er so schnell wieder auf die Beine gekommen ist

Die Sonne lachte über der mythenumwobenen Bernina-Gruppe, und der Schnee knirschte unter den Carvingbrettern: Bei Dreharbeiten für den neuen Bogner-Film Visions im Oberengadin ließ es Markus Wasmeier (50) mal wieder so richtig krachen. Die spektakulären Bilder zeigen aber nicht nur, dass der Altmeister der Kanten immer noch scharf Skifahren kann – sie machen auch Zehntausenden Arthrose-Patienten und Hobbysportlern Mut. Denn Wasi rast inzwischen mit zwei künstlichen Hüftgelenken die Hänge hinunter: „Dabei habe ich wirklich null Schmerzen. Ich bin brutal begeistert!“

Für den Doppel-Olympiasieger ist es ein Gesundheits-Comeback. Erst im vergangenen April hatte Wasmeier in der Sendlinger OCM-Klinik seine zweite künstliche Hüfte bekommen, die erste hatte ihm der renommierte Gelenk­ersatz-Spezialist Dr. Robert Hube bereits 2010 eingesetzt. Vor den Operationen war Wasis Leidensdruck gewaltig: „Es haben nicht mal mehr Schmerzmittel geholfen“, erinnert sich der Schlierseer.

Arthrose hatte seine Hüften zerschlissen, zumal die rechte nach einem Trainingsunfall 1993 in Südtirol bereits vorgeschädigt war: „Damals bin ich bei Tempo 100 mit einem Servicemann zusammengeprallt, der plötzlich auf der Rennstrecke stand. Ein Stück vom Hüftknochen wurde abgesprengt.“ Die langfristige Folge: Wasmeier belastete die linke, noch gesunde Hüfte meistens stärker als die lädierte rechte – solange, bis sich auch darin immer stärkere Arthrose bildete. Am Ende waren beide Gelenke kaputt. „Es musste etwas geschehen“, erzählt Wasmeier der tz. „Ich wollte meine Lebensqualität wieder zurückhaben.“

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Diese gibt’s allerdings auch nach einer perfekten Hüft-OP nicht geschenkt. Wie alle Patienten bekam Wasi ein Reha-Programm – und das zog er beharrlich durch. „Ich habe vier Monate lang jeden Tag an meiner Fitness gearbeitet, manchmal mehrere Stunden lang. Aber nicht mit Gewalt – sondern mit Augenmaß“, berichtet Wasmeier. Anfangs strampelte er nur ganz leicht auf dem Ergometer (Trimmradl) und absolvierte Kräftigungsübungen für die Muskulatur. Dann steigerte er sein Pensum kontinuierlich: unter anderem mit Rennradfahren und Berggehen mit Stöcken. „Ab dem zweiten Monat wurde es mit der Kraft langsam besser, und nach einem halben Jahr konnte ich die Hüfte voll belasten. Jetzt kann ich wieder viele Sportarten machen – sogar Joggen, wenn es nicht gerade ein Marathon ist.“ Und, wie die Bogner-Bilder eindrucksvoll dokumentieren, mit Vollgas Skifahren! Dabei kommt Wasmeier auch entgegen, dass „der Druck auf die Hüften nicht ganz so groß ist wie etwa die Kontaktkräfte, die beim Skifahren auf die Kniegelenke wirken“, erläutert Dr. Hube.

Die gute Nachricht für alle Hobbysportler: Um mit einer neuen Hüfte wieder leidenschaftlich Sport treiben zu können, muss man kein Olympiasieger sein. Gelenk-Spezialist Dr. Hube: „Das Beispiel von Markus Wasmeier beweist: Es kommt nicht darauf an, riesige Muskelberge aufzubauen. Viel wichtiger ist es, die Koordination der Muskeln zu trainieren. Wie das geht, lernt man in der Physiotherapie und muss es dann zu Hause regelmäßig üben.“

Mit dem Training sollten Hüftpatienten schon vor der OP beginnen. „Je besser trainiert man zum Eingriff geht, desto schneller wird man hinterher wieder fit“, betont Hube. In Wasis Fall bedeutete dies: Er konnte schon zwei Tage nach dem Eingriff wieder ohne Krücken gehen. Otto-Normal-Patienten bleiben erstmal sechs, sieben Tage in der Klinik und kommen dann drei Wochen in die Reha. „Danach sollte jeder ohne Gehstützen zumindest wieder mittlere Strecken laufen können“, so Dr. Hube. Wenn alles nach Plan verläuft, sind nach einem Vierteljahr wieder ein paar vorsichtige Schwünge im Schnee drin. Sie müssen ja nicht ganz so schnell sein wie die vom Wasi...

Andreas Beez

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

Kommentare