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Steuer-Ärger für Tandler-Tochter! Millionen-Provisionen für Masken-Deals mit Bund und Bayern

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Von: Johannes Welte

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FFP2-Masken waren zu Beginn der Corona-Pandemie Mangelware.
FFP2-Masken waren zu Beginn der Corona-Pandemie Mangelware. © Martin Wagner/imago

Millionen-Provision für Schutzmasken kassiert und womöglich nicht korrekt versteuert. Andrea Tandler, Tochter des früheren CSU-Generalsekretär Tandler, ist nun im Visier der Steuerfahndung.

München - Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen Innenministers und Strauß-Intimus Gerold Tandler (CSU), soll zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 bei der Vermittlung von Schutzmasken an Bund und Freistaat Millionen-Provisionen kassiert haben. Jetzt ermittelt die Steuerfahndung, weil Andrea Tandler die Provisionen womöglich nicht korrekt versteuert hat.

Gewerbesteueroase Grünwald

Das Bundesgesundheitsministerium und der Freistaat Bayern sowie Nordrhein-Westfalen hatten 2020 laut ARD-“Tagesschau“ für knapp 700 Millionen Euro Corona-Schutzmasken von der Schweizer Firma Emix gekauft. An Andrea Tandlers PR-Agentur in Grünwald sollen hohe Provisionen zugesagt worden sein, nach Schätzungen zwischen 34 und 51 Millionen Euro.

Masken-Deal von Strauß-Tochter eingefädelt?

Eingefädelt hatte den Deal offenbar die Strauß-Tochter und CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, mit der Tandler hin und her simste. Hohlmeier bot der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Millionen Masken an, sie sei nicht finanziell beteiligt, beteuerte sie in den SMS, die NDR, WDR und SZ vorliegen. Allerdings stoppte das Bundesgesundheitsministerium die Bezahlung der Masken wegen „Qualitätsproblemen“. Hohlmeier versuchte auf Tandlers Bitte hin zu vermitteln – ohne Erfolg.

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Strauß-Ziehsohn Gerold Tandler

Der 1936 in Nordböhmen geborene Gerold Tandler war 1978 bis 1982 unter Franz Josef Strauß Innenminister, dann 1988 Wirtschafts- und Finanzminister. 1990 stolperte er über die Zwick-Affäre: Der niederbayerische Bäderkönig und Strauß-Spezi Johannes Zwick hatte Tandler 700 000 D-Mark für den Kauf des Hotels zur Post in Altötting geliehen. Tandler soll Zwick bei einer Steuerhinterziehung geholfen haben. Das Hotel zur Post wurde 2019 zwangsversteigert. Prokuristin der Hotel-GmbH war Andrea Tandler.

Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Florian von Brunn, stellte im Februar 2020 Strafanzeige wegen Betrugs und Untreue gegen unbekannt, die Ermittlungen wurden eingestellt. Allerdings ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft München I in der Sache wegen Gewerbesteuerbetrugs: Die Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Florian Siekmann, ob es Ermittlungen wegen Gewerbesteuerbetrugs im Zusammenhang der Vermittlung des Maskengeschäftes gebe, wird vom bayerischen Justizministerium bejaht. Grund der Ermittlung: Tandlers Firma Little Penguin, die sie mit einem Partner führt, ist in Grünwald ansässig, wo ein deutlich niedriger Gewerbesteuersatz gilt als in München. Als Tandler begann, die Deals zu vermitteln, war das, so die SZ nach ihr vorliegenden E-Mails, noch über ihre Münchner PR-Agentur Pfennigturm gelaufen. Somit wären der Stadt hohe Steuern entgangen. Tandler hat sich zu den Vorwürfen gegenüber der Presse noch nicht geäußert.(we) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

In der Masken-Affäre um angeblich minderwertige FFP2-Mundschutzmasken Jens Spahn (CDU) in der Corona-Krise Anfang Juni stark unter Druck - vor allem durch die SPD.

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