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Medaille für U-Bahn-Held: Sein Eingreifen in Bildern

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Georg Baur (21) handelte außergewöhnlich mutig, aber er will kein Held sein. Die Auszeichnung durch Ministerpräsident Horst Seehofer empfand er „als große Ehre“. © Kurzendörfer

München - Georg Baur (21) aus Hürnheim (Kreis Donau-Ries) hat in der Berliner U-Bahn einen Mann vor einem brutalen Schlägerduo gerettet und dafür die Rettungsmedaille bekommen. Spektakuläre Fotos zeigen sein Eingreifen.

Ihre Taten sind ein Vorbild für Zivilcourage und Mitmenschlichkeit. Dort, wo andere zögerten oder gar wegschauten, griffen sie ein. Die Rede ist von Bayerns Lebensrettern. Gestern ehrte Ministerpräsident Horst Seehofer 80 von ihnen in der Münchner Residenz: „Vergelt’s Gott für Ihren Mut und Ihre Tapferkeit“, bedankte er sich bei der Übergabe von Urkunden und Medaillen. Stellvertretend erzählt die tz die Geschichte von Georg Baur. Der 21-Jährige aus Hürnheim (Kreis Donau-Ries) rettete in der Berliner U-Bahn einen 29-Jährigen vor einem brutalen Schlägerduo.

Einkaufen, Party machen, die Schwester besuchen – das hat sich Georg Baur für seine Berlin-stippvisite in der Karwoche vorgenommen. Und so ist er in der Nacht zum Karsamstag mit einem Spezl auch lange unterwegs. Bis halb vier amüsiert sich das Duo, tanzt, lässt sich Bier und Tequila schmecken. Dann, auf dem Heimweg, passiert’s: Baur sitzt am U-Bahnhof Friedrichstraße und dreht sich eine Zigarette. Da hört er, wie zwei Jugendliche einen Mann ansprechen. Er soll sie falsch angeschaut haben. Als die Burschen handgreiflich werden, sagt Baur: „Lasst es gut sein, geht heim.“ Er will keinen Stress, Georg Baur ist einfach nur müde. Er setzt sich auf eine Bank an einer Säule – und hört plötzlich ein Geräusch, wie er es noch nie gehört hat: Das Geräusch – es stammt von einem Schuh, der gegen einen Schädel knallt!

U-Bahn-Held: Hier rettet er einen Menschen

Baur steht auf, geht zunächst um die Säule herum, die ihm die Sicht verdeckt. Vor ihm liegt ein Mann auf den Boden. Ein Jugendlicher hat ihn niedergeschlagen und vier mal gegen Kopf getreten – das belegen später Videoaufnahmen. Als der Brutalo wieder Anlauf nimmt, um erneut zuzutreten, packt Baur zu. Er erwischt die Jacke und nimmt den Täter in den Schwitzkasten. Vor ihm liegt das schwer verletzte Opfer, Blut rinnt aus Nase und Mund. „Helft mir“, fordert Baur die Passanten am Bahnsteig auf, doch die stehen nur herum, schauen zu und schweigen. Da spürt Baur selbst einen Tritt. Der zweite Täter ist ihm in den Rücken gesprungen. Deswegen muss der Schwabe den Würgegriff lockern. Das nützen die Täter zwar zunächst zur Flucht, doch nach der Veröffentlichung der Videobilder stellen sie sich freiwillig.

Viel mag Baur über seine Tat nicht mehr reden. Nur eins: Er würde alles genauso wiedermachen. Über die Verleihung der Rettungsmedaille freut er sich dennoch. „Das ist schon eine große Ehre“, erklärt er stolz. Der Maler musste für die Feier zwar einen Urlaubstag opfern, „aber das tut man doch gern. So etwas erlebt man doch nur einmal im Leben“. Eines mag er aber nicht mehr: dass man ihn „Held“ nennt. „Das klingt doch irgendwie idiotisch – für mich war mein Handeln doch ganz normal.“

wdp

Drei weitere Lebensretter bei der Verleihung

Torsten Gläßer aus München rettete im Mai 2010 in Garching einen Mann aus einem neun Meter tiefen Grundwasserschacht. Wegen Faulgasen drohte Verunglückten und dem Retter das Ersticken.

Der 13-jährige Stephan Larasser aus Frauenneuharting (Kreis Ebersberg) rettete im April 2010 seinen Vater vor dem Verbluten. Sie waren auf einer Wiese und ließen einen Modell-Hubschrauber fliegen. Der Heli stürzte plötzlich ab, ein Rotorblatt traf den Vater am Hals, Blut schoss aus der Wunde. Sofort wählte Raphael den Notruf und lief der Ambulanz zum Lotsen zwei Kilometer entgegen.

Im Jahr 2008 erkannte der damals erst achtjährige Matthias Bernhard aus Sulzberg (Oberallgäu), dass mit seiner Mutter etwas nicht stimmte. Sie hatte tatsächlich einen Herzstillstand. Der Bub alarmierte die Nachbarn, die Mutter überlebte.

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