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"Mein Auto": Rätsel um Anschlagswagen gelöst

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Der Suzuki mit dem AÖ-Kennzeichen wurde bei dem Anschlag völlig zerstört
Der Suzuki mit dem AÖ-Kennzeichen wurde bei dem Anschlag völlig zerstört © dpa

Altötting - Als ein Bild eines bei einem Terroranschlag in Kandahar explodierten Wagens mit Altöttinger Kennzeichen erschien, begann das große Rätseln. Jetzt gibt es die Lösung.

Wie kommt der Suzuki ins Kriegsgebiet? Und wie kommt er in ein Terrorszenario? Jetzt ist die Person, die den grünblauen Suzuki zwölf Jahre lang durch Altötting fuhr, gefunden: Musiklehrerin Helga B. (Name geändert). „Das ist mein Auto, es trägt das frühere Kennzeichen.“

Das ist Afghanistan

Für ihren Suzuki schwärmt die Musiklehrerin, die vor 20 Jahren nach Altötting kam, noch immer in den höchsten Tönen. Das Auto war gerade drei Monate alt, als sie es 1997 als Vorführwagen bei einem Händler in Neuötting gekauft hatte. „Zwölf Jahre lang lief er ohne das geringste Problem, es war wirklich ein gutes Auto“, erzählt Helga B. Doch im Jahr 2009 kam es in dem Viertel, in dem sie wohnt, zu Vandalismus. Auch das Auto von Helga B. war betroffen. „Auf beiden Seiten hatte jemand den Wagen total verkratzt.“ Das Herrichten wäre ihr zu teuer gewesen.

Deshalb erwarb sie ein neues Fahrzeug, einen Toyota. Der Suzuki wurde auf ihren Ehemann umgemeldet. Zwei Monate später fand Helga B. in ihrem Briefkasten die Visitenkarte eines Autohändlers aus dem Raum Rosenheim. Schnell wurde man sich handelseinig. Der Vertrag wurde am 22. Oktober 2009 aber nicht mit dem Händler aus Rosenheim geschlossen, sondern mit einer Autohandelsgesellschaft im rumänischen Sibiu. Der Wagen wurde bar bezahlt und mit Papieren und Kennzeichen mitgenommen. Einen Tag später meldete der Käufer den Wagen in Rosenheim ab.

Die Bestätigung dafür hat Helga B. in ihren Unterlagen. Seitdem hat sie nichts mehr von dem Wagen gehört. Bis zu dem Moment, als sie das Bild vom Anschlag, bei dem über 20 Menschen ums Leben kamen, in der tz sah. Auch die Kripo hatte sich übrigens mit dem Fall Kandaharbild beschäftigt. Deren Recherchen ergaben, dass der letzte hiesige Besitzer den Suzuki in den Mittleren Osten verkauft hatte – die entstempelten AÖ-Kennzeichen blieben im Kofferraum liegen. Sie wurden von den Afghanen draufgeschraubt – ob man das dort darf, ist eine andere Frage: Dort haben die Leute aber sicher andere Probleme.

RP

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