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Mein Leben als Toy Boy: Bayer Martin R. packt aus

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Führt ein Leben als Toy Boy: Student Martin R. hat eine zwanglose Beziehung zu einer älteren Frau. 

Berlin - Gekaufte Beziehung? Student Martin ist Toy Boy und hat eine Liaison mit einer älteren, wohlhabenden Frau. Jetzt will der Student mit den Vorurteilen aufräumen. 

Ihm reicht's. Martin R., Mitte 20, hat sie satt, diese pauschalen Vorwürfe, mit denen er ständig konfrontiert wird. Nur weil er einen etwas anderen, einen unkonventionelleren Lebensstil pflegt. „Nein“, sagt er, „ich bin nicht der, der mit Omas schläft. Ich habe mich auch nicht der Prostitution verschrieben." Martin R. ist ein Toy Boy (übersetzt: Spielzeug-Junge). Ein junger Mann, der mit einer älteren Frau eine Beziehung pflegt – und dafür materielle Gegenleistungen erhält. Zugegeben, der Schwabe, der in Neu-Ulm aufgewachsen ist und mittlerweile in Berlin studiert, liebt den Luxus, das Reisen, das Leben auf der Überholspur. Doch als reines Objekt, als Spielzeug fühlt er sich nicht. Eher als  Spiel-"Gefährte". Dazu steht er. Doch die unsäglichen Ressentiments ihm und seiner Partnerin gegenüber, mit denen will er aufräumen.

Vor allem ein ganz bestimmtes Vorurteil, das ihm immer wieder an den Kopf geworfen wird, würde er am liebsten im Keim ersticken: „Es geht mir nicht nur um schnellen Sex“, stellt er klar, „ich bin keineswegs ein Call-Boy.“ Die Art von Beziehung, die er führt, gebe ihm die Chance, trotz seines Studenten-Daseins ein sehr erfülltes Leben zu führen. Ein anderes als seine Kommilitonen, ohne Frage. Auch ein anderes, als es der Mainstream vorschreibt. Er verlangt auch gar nicht, dass man ihn dafür auf die Schulter klopft. Nur mehr Toleranz würde er sich wünschen.

Kein Geld für Sex bekommen

Auf Webseiten wie "sugardaters" sind Männer und Frauen auf der Suche nach zwanglosen Beziehungen.

Seit knapp acht Monaten ist Martin R. jetzt mit seiner Freundin, die aus der Lüneburger Heide kommt, zusammen. Er Mitte 20 und Student - sie Mitte 40 und Erbin eines mittelgroßen Bau-Unternehmens. Kennengelernt haben sich die beiden im Internet. In der virtuellen Welt, wie es heutzutage viele tun. Dabei war der Single eigentlich auf nichts Festes aus. „Wenn überhaupt“, sagt er, „wollte ich eine zwanglose Beziehung.“ Schließlich landete er auf Online-Börsen wie „sugardaters“ oder „mysugardaddy", auf der sich Sugar-Daddys oder Sugar-Mamas – so wird der ältere Part bezeichnet – und Toy Boys suchen und finden. Der Unterschied zu den gängigen Single-Portalen: Die Geschlechterverteilung sei unausgeglichener, meint Martin R.. Reife Damen könnten sich Ihren Freund quasi aussuchen. 

Unmoralische Angebote blieben nicht aus. Das leugnet Martin R. gar nicht. "Die Sugar-Mamas nehmen dann eine komische Sprache an", sagt er. Zum Beispiel, wenn sie ihn mit "Hi Jüngelchen" anreden. Was folgt, ist die vulgäre Schiene. Der Wahl-Berliner weiß aber auch von Freunden, dass die auf den herkömmlichen Seiten wie Tinder oder Lovoo die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Ein Grund mehr, warum er den Irrglauben widerlegt, dass seine Form des Datings nur auf Sex oder gar auf bezahlten Sex abzielen. „Geld“, betont der Schwabe, „hab ich noch nie bekommen."

Auf einer dieser Seiten hat er schließlich seine jetzige Freundin entdeckt. Besser gesagt ihr Profilbild, auf dem sie in einem Strandclub posiert. „Sie hat mir auf den ersten Blick gut gefallen", erzählt er. Martin fackelte nicht lange und schrieb sie an. Keine sieben Tage später vereinbarten die zwei das erste Treffen – bei einem Edel-Italiener im Herzen Berlins. Ein vielversprechendes erstes Date, auf das weitere Verabredungen folgten. Der Funke sprang allerdings nicht über. Keine große Liebe. Tja. Dafür aber Zuneigung und Sympathie. Alles lief auf eine zwanglose  Beziehung heraus. „Genau das, was ich wollte." 

Das „normale Leben" ist nichts für den jungen Bayern

Jetzt führt Martin wieder das Leben, das er gewöhnt war, bevor er nach Berlin zog. Mit 20 nach dem Abitur und einem Volontariat auf La Réunion, begann er ein bi-nationales Politik-Studium in Schwaben. Stipendien öffentlicher Körperschaften, Auslandssemester, Bildungszuschüsse und achtwöchige Semesterferien ermöglichten im einen Lebensstil, von dem andere träumen. Martin jettete um die Welt. Er lebte in Frankreich, reiste nach Australien, Nepal, Kenia und Peru, lernte Menschen verschiedener Kulturen kennen und hatte genug Geld, um sich Statussymbole wie ein iPhone oder Markenkleidung leisten zu können. Kurzum: Martin genoss die Sonnenseiten des Lebens in vollen Zügen. Zumindest, bis er seinen Master-Studium in der deutschen Hauptstadt antrat. Auf ihn wartete ein kurzes, aber straffes Programm – ohne Auslandsaufenthalte, ohne Semesterferien, ohne Stipendien. Mit diesem "normalen Leben" gab sich der junge Bayer nicht zufrieden. Die Suche nach Nebenjobs hing er sofort an den Nagel. Beim Sortieren von Akten oder an der Kasse im Supermarkt – nein, damit könnte er sein Fernweh nicht stillen.

Jetset statt Alltagstrott

Das muss er jetzt auch nicht mehr. Der Toy Boy hat gefunden, was er suchte: Abenteuer statt Langeweile. Jetset statt Alltagstrott. Jedes der Treffen mit seiner Partnerin ist anders. Spannend, aufregend und doch irgendwie normal – so empfinden es die beiden. Mal gönnen sie sich ein verlängertes Wochenende in einer europäischen Stadt, mal schlürfen sie edlen Wein im Rhone-Tal, ein anderes Mal wandern die beiden entlang der norwegischen Fjorde oder schnorcheln auf Sardinien. Oder sie gehen einfach in einem feinen Restaurant in Berlin oder Hamburg essen. Ihre persönliche Grundregel: Mindestens einmal im Monat wollen sie ein Wochenende miteinander verbringen. Die Zeit räumt sich Martin R.  gerne frei. "Ich fühle mich gut an ihrer Seite, blicke zu ihr auf", sagt er. „Sie ist wie ein Mentor." Doch der Student betont explizit: „Das sind keine Sextreffen." Der Geschlechtsverkehr gehöre zwar wie in jeder anderen Beziehung dazu, sei aber nicht deren beider vorrangiges Ziel. 

Das Körperliche hat keinen Vorrang

Aber wie sieht dieses dann aus, wenn es nicht rein ums Körperliche geht? „Unsere Beziehung beruht auf gegenseitig komplementären Wünschen und Bedürfnissen", sagt Martin R.. Seine wohlhabende Freundin habe schon die Welt gesehen und beruflich viel erreicht. Doch Geld und Karriere allein ist eben nicht das A und O. Ihr fehlte die Schulter zum Anlehnen, spontane Begleitung – ein Partner an Ihrer Seite, den sie nicht gleich heiraten muss. Martin hingegen ist „nur" ein Student, der sich nach ein wenig Saus und Braus sehnt und gleichzeitig die Zuneigung und den Rat einer reifen, erfahrenen Frau genießt. „Wir tun nichts, wofür wir uns schämen sollten.“ 

Deshalb geht er mit seinem Toy-Boy-Dasein relativ offen um. Zumindest hat er seinen engsten Freundeskreis und seine Schwester eingeweiht. „Ich bin immer noch ihr Bruder", sagt der junge Bayer. Sie habe die Nachricht gefasst aufgenommen, wahrscheinlich, so vermutet es der Student, weil er mit 19 Jahren schon einmal mit einer älteren Frau zusammen war. Damals waren's fünf Jahre Alters-Unterschied, heute knapp 20. Seinem Vater und seiner Mutter verschweigt Martin R. die Wahrheit. Noch. Es fällt ihm schwer: "Die Hemmschwelle bei den Eltern ist am größten."

„Wir leben in einer Beziehung, nicht in einem DAX-Konzern“

Martin R. betreibt das Versteckspiel vorerst weiter. Zumindest das vor den Eltern. Denn seine Freundin hält er sonst nicht wirklich geheim. Sie verhalten sich wie ein normales Pärchen. „Wir halten Händchen und küssen uns“, stellt der Student klar. Nur finanziell läuft die Liaison auf spezielle Weise.  Der selbstbewusste Student kommt voll auf seine Kosten. Im wahrsten Sinne. Seine „Sugar Mama“ bezahlt für die allermeisten Treffen und Aktivitäten. Das ist in einer solchen Beziehung eben ganz normal und passiere  ihm zufolge ohne sorgfältige Budgetplanung. „Wir leben in einer Beziehung“, sagt er, „nicht in einem DAX-Konzern.“ Und trotz der vielen Vorurteile, von seinem Leben als Toy-Boy bekommt er erstmal nicht genug. Martin R.s Fokus richtet sich (noch) nicht aufs Heiraten oder auf die Familiengründung. Der Student will die Karriereleiter hochklettern. Und eine unkomplizierte zwanglose Beziehung passt für dieses Vorhaben einfach gut ins Konzept. 

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