"Mein Schutzengel klopfte an die Autotür"

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Nur noch Schrott: Das Auto nach dem Unfall.

Ramona B. war am Sonntag in der Kirche. Die 18-Jährige hat gebetet – und Gott gedankt. Denn drei Tage zuvor hatte der Herrgott dem Mädchen einen Schutzengel geschickt. Ohne den wären Ramona und ihr Bruder Maxi (14) wohl nicht mehr am Leben.

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Unfall: Spaziergänger rettet Geschwister

Ein Spaziergänger hatte nach einem Unfall der beiden am Fenster des brennenden Wracks geklopft – und die Geschwister gerettet.

Maxi und Ramona wollen gegen 20.30 Uhr von ihrem Zuhause in Schönau am Königsee zu ihrem Bruder ins nahe Ramsau. Es schneit. Ramona hat erst seit September ihren Führerschein, es ist ihr erster Winter, in dem sie Autofahren darf. Vorsichtig, mit etwa 60 km/h, steuert sie ihren Toyota Yaris über die Straße. In einer Kurve beginnt das Auto zu rutschen, Ramona bremst, versucht, das Lenkrad gerade zu halten. Das Auto schleudert, bleibt auf der Seite liegen – im Straßengraben, zwischen zwei Bäumen.

„Ich weiß nicht, ob wir uns überschlagen haben“, rätselt die junge Frau, die gerade eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin macht, später. Sie hat nur noch vor Augen, wie Maxi halb über ihr, halb auf ihr hängt, gehalten vom Sicherheitsgurt. Ihr Schienbein schmerzt. Trotz des Schocks reagiert Ramona richtig: Die 18-Jährige kramt nach ihrem Handy in der Hosentasche. Mit zitternden Fingern wählt sie. 19222. Doch es meldet sich nicht der Rettungsdienst, sondern eine Computerstimme: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Ramona hat unter Schock die Vorwahl vergessen. Jetzt bricht sie in Panik aus. Sie ist orientierungslos, sie schreit, sie weint: „Wo ist mein Bruder? Maxi, ist dir was passiert? Was ist mit meinem Auto?“ Der jüngere Bruder beruhigt sie.

Plötzlich klopft es an der zersplitterten Scheibe, ein Mann ruft: „Habt ihr euch weh getan?“ Ramona sieht, dass der Mann den Notruf wählt, sie ist erleichtert. Doch dann schreit der Retter: „Schnell, ihr müsst raus aus dem Auto, das fängt an zu brennen!“ Da riecht Ramona Rauch und verschmorten Kunststoff. Sie kreischt vor Angst.

Der Mann reißt die Tür auf Maxis Seite auf, der 14-Jährige schnallt sich ab und fällt fast auf seine Schwester. Beide klettern ins Freie, alle laufen weg von dem Wrack. Sie haben Angst, es könnte explodieren wie in einer Action-Serie. Ramona kommt sich selbst vor wie einen Film. Im Gedächtnis bleibt ihr, wie sehr ihr Bein schmerzt. Und das Bellen des Hundes, mit dem der Spaziergänger Gassi gegangen ist. „Ich habe Angst vor Hunden“, sagt sie später. Die Rettungskräfte löschen das brennende Auto, verarzten den leichtverletzten Maxi und bringen Ramona ins Krankenhaus. Sie hat ein Schleudertrauma, Prellungen und Schürfwunden, durfte am Samstag aber schon wieder heim.

Nach der Messe am Sonntag fuhr Familie B. bei dem Retter vorbei. Ramona und Maxi hatten ein Päckchen gepackt mit Glühwein und Stollen. Darin lag eine Dankeskarte, mit der sie dem Mann, der aus Bescheidenheit anonym bleiben möchte, frohe Weihnachten wünschen. „Er hat sich sehr darüber gefreut“, erzählt Ramona. Für die 18-Jährige und ihre Familie wird das Weihnachtsfest ein ganz besonderes werden.

Carina Lechner

Quelle: tz

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