Melchior aus Arzbach

Dieser Stier ist 104.500 Euro wert

Er hat abgeräumt: Zuchtstier Melchior ist für 104.500 Euro ersteigert worden.

Arzbach - Gestatten, Melchior. Zuchtstier aus Arzbach. Selbstbewusstsein ist jetzt angebracht. Denn bei einer Auktion hat er seinen Züchtern einen Rekord-Preis eingebracht: 104.500 Euro. Und das Beste: Er ist ein Drillingsstier.

Gestern Mittag ist Marianne Willibald kurz das Herz stehen geblieben. Zumindest hat es sich so angefühlt. Und der Gesichtsausdruck ihres Mannes Georg verriet, dass es ihm gerade ähnlich geht. Das Züchterpaar aus Arzbach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) saß auf der Tribüne in der Versteigerungshalle in Straß (Kreis Miesbach). Tochter Marianne führte den einjährigen Zuchtstier Melchior am Halfter durch die Halle – und dann passierte etwas, womit die Willibalds in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet hatten.

Der Auktionator kam kaum noch hinterher. Vom Startgebot 1500 Euro kletterte der Preis für Melchior weiter und weiter. Ein Gebot folgte auf das Nächste. Bei 99.999 Euro hielt Marianne Willibald die Luft an – dann ging es im sechsstelligen Bereich im selben Tempo weiter. Der Hammer fiel bei 104.500 Euro. „Wir haben alle einen kleinen Schock“, sagt sie wenige Stunden nach der Versteigerung.

Melchior hat in Miesbach den Stier-Preisrekord von 92.000 Euro um Längen geschlagen. Nie hätten die Willibalds mit so einer Summe gerechnet. „Wir haben uns nicht eine Sekunde Gedanken gemacht, wie viel wir für Melchior bekommen werden.“ Obwohl er aus einer langlebigen Familie mit guten Genen von Zuchtstier Manigo und Mutterkuh Inka stammt. Die Willibalds hatten sich einfach gewünscht, dass ihr Stier in einer Besamungsstation landet – vielleicht sogar in der Nähe.

Das hat geklappt. Er lebt ab sofort in Wasserburg. Die Besitzer zweier Besamungsstationen überboten sich gegenseitig, bis sie bei dem Rekordpreis angekommen waren.

Ein starkes Trio: Melchior (Mitte) kam als Drilling zur Welt. Seine Brüder heißen natürlich Kaspar und Balthasar.

Ob Melchior so wertvoll ist, wie seine Käufer hoffen, wird sich allerdings erst zeigen. Er bleibt nun erstmal sechs Wochen in Quarantäne, dann wird ermittelt, wie fruchtbar er ist. Sollte sich herausstellen, dass er für die Besamungsstation nicht geeignet ist, geht er zurück auf den Bauernhof der Willibalds. Doch die Daten, die die Bieter von ihm vor der Versteigerung bekamen, scheinen sie optimistisch gestimmt zu haben, dass sie es mit einem Gold-Stier zu tun haben. Anders können es sich die Willibalds nicht erklären, dass ihr Stier für so viel Geld ersteigert wurde.

Die drei Kinder Marianne, Kathrin und Schorsch haben bereits angekündigt, sich so schnell nicht mehr die Hände zu waschen. „So einen Spitzenstier berührt man schließlich nicht alle Tage.“ Vermutlich haben die Willibalds aber noch mindestens zwei weitere Gold-Stiere in ihrem Stall. Denn Melchior ist ein Drilling. Er kam vor einem Jahr kurz vor dem Dreikönigstag mit seinen Brüdern Kaspar und Balthasar auf die Welt. Die beiden sollen ebenfalls versteigert werden.

Ob die Willibalds das Geld in die Zucht stecken, haben sie sich noch nicht überlegt. Jetzt wird erstmal gefeiert. Nur eine geht leer aus: Melchiors Mutterkuh Inka. Sie bekam gestern nicht einmal eine Extraportion zum Abendessen. Der Grund für ihre Diät ist allerdings sehr erfreulich: „Sie kalbt in zehn Tagen“, verrät Marianne Willibald. Vielleicht bringt sie noch einen Gold-Stier zur Welt.

Katrin Woitsch

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