Züge nicht zugelassen - Manager weg

Meridian: Droht Pendlern ein Debakel?

München - Unter dem Namen Meridian sollen ab Dezember mehrere wichtige Pendlerstrecken bertrieben werden. Doch immer deutlicher wird: Die Übernahme könnte in einem Debakel enden.

In drei Monaten und 15 Tagen soll die noch zum französischen Veolia-Konzern gehörende Bayerische Oberlandbahn unter dem Namen Meridian am 13. Dezember die wichtigen Pendler- und Touristikstrecken München–Rosenheim-Salzburg und München–Kufstein sowie die Mangfalltalbahn München–Holzkirchen–Rosenheim übernehmen. Doch immer deutlicher wird: Die Übernahme könnte in einem Debakel enden – Leidtragende: Touristen und Pendler.

Für die 35 neuen Flirt-Triebwagen der Firma Stadler ist nach tz-Informationen noch immer keine Zulassung beantragt worden und die Oberlandbahn hat inzwischen die Lokführerausbildung abgebrochen. Wo die Züge gewartet werden, ist weiter unklar. Der derzeitige Geschäftsführer Dr. Axel Sondermann hört auf und geht Mitte September nach Berlin zurück. Innerhalb eines Jahres übernimmt nun der dritte Geschäftsführer das Ruder. Zwei Manager wurden bereits entlassen. Verschlimmert wird die Situation dadurch, dass Veolia und die Oberlandbahn zum Jahresende verkauft werden. Die bayerische Staatsregierung, die um die Vergabe der Strecken an Veolia verantwortlich ist, muss von dem Ganzen wissen – schweigt aber dazu. Man ist wohl kurz vor der Landtagswahl um Ruhe bemüht …

Keine Werkstatt, kein Personal, keine Fahrzeuge

Im Juli hatte die tz berichtet, dass der Tochter des französischen Veoliakonzerns (im Besitz einer französischen Sparkasse und eines Investors) praktisch alle Voraussetzungen zur Betriebsübernahme fehlen: Die BOB hat keine Werkstatt, kein Personal, keine Fahrzeuge und keine Tarifkooperation mit der DB. Nachdem der Personalmangel offiziell dementiert worden ist, hat Veolia heimlich 30 Lokführer aus Leipzig nach München versetzt, damit die Probleme aber auch nicht gelöst. Hier wichtige Punkte:

Management, BOB-Stilllegung: Hier wechseln immer wieder die Führungskräfte. Im Vorjahr wurde der langjährige und kompetente Geschäftsführer Heino Seeger, der die BOB aufgebaut hatte und verantwortlicher Betriebsleiter war, von einem Tag auf den anderen seines Postens enthoben. Veranlasst soll dies ein ehemaliger Controller haben, dem Gewinnmaximierung wohl wichtiger war als Seegers Kompetenz.

Als Nachfolger Seegers schickte Veolia den Banker Dr. Axel Sondermann nach München, der nicht als ausgesprochener Bahnfachmann gilt. Unter seiner Führung wäre das Netz der Bayerischen Oberlandbahn von der Aufsichtsbehörde beinahe stillgelegt worden, weil ihm nicht klar war, dass er durch den Weggang Seegers keinen verantwortlichen Betriebsleiter mehr hatte. Sondermann gibt jedenfalls auf und kehrt Mitte September nach Berlin zurück. Sein Nachfolger und der dritte Chef in einem Jahr ist Kai Müller-Eberstein, der vom Bahnbetreiber Agilis kommt und nun alles richten soll.

Fahrzeuge: Bis Ende August hat der Hersteller der Triebwagen vom Typ Flirt, Stadler-Pankow, noch keine Zulassung für die neuen, drei- und sechsteiligen Züge bei der Aufsichtsbehörde Eisenbahnbundesamt (EBA) beantragt. EBA-Sprecher Moritz Huckebrink sagte zur tz: „Stadler will die Zulassung erst Ende Oktober oder Anfang November beantragen. Da die Züge aber bereits ab 13. Dezember verkehren sollen, ist dieser Zeitplan sehr ambitioniert.“ Nachdem das EBA noch nie ein neues Fahrzeug ohne weitere Nachweise sofort zugelassen hat, schätzen Bahnexperten, dass die neuen Züge frühestens im Frühjahr oder Sommer rollen.

Lokführer-Ausbildung, Wartung: Nach tz-Informationen hat Veolia inzwischen die geplante Lokführer-ausbildung für die Flirt-Züge abgebrochen. Angeblich stehen laut Stadler keine Züge zur Verfügung. Ungeklärt ist auch noch die Wartung der Züge.

Ersatzkonzept: Bisher hat die BOB mit DB-Regio nur die Überlassung von zwei Zuggarnituren vereinbart. Verhandlungen mit den ÖBB für die Überlassung von sogenannten Cityshuttle-Zügen laufen noch, bestätigt ein ÖBB-Sprecher der tz. Angeblich sollen ab Dezember aber auch Busse statt Bahnen fahren.

Verkauf: Die Verkehrssparte des Veolia-Konzerns und damit die bayerische Oberlandbahn stehen zum Verkauf. Laut "ÖPNV aktuell" gibt es sechs Kaufinteressenten, die die Krisenmitteilungen mit großem Interesse verfolgen. Ob unter diesen Umständen das vorhandene Management angesichts einer ungewissen Zukunft großes Engagement bei der Meridian-Übernahme an den Tag legt, ist fraglich.

Weder Veolia-Verkehr in Berlin, noch die Oberlandbahn, noch der Fahrzeughersteller Stadler sahen sich bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe zu einer Stellungnahme in der Lage.

Karl-Heinz Dix

Auch Probleme für Radler

Im Gegensatz zu den bisherigen großen Radl-Räumen in den Zügen der Bahn sind im Flirt pro Tür zwei Fahrrad-Stellplätze vorgesehen. Wenn drei Triebwagen zusammengekoppelt sind, müssen Radler bis zu 18 Türbereiche nach einem freien Platz absuchen.

Bekannte Shitstorm-Fälle

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Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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