Lange Verhandlungen mit dem Hersteller

Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

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Beim Zugunglück von Bad Aibling im Februar 2016 wurden zwei Züge des Meridian zerstört. Sie sollen nun nachgebaut werden.

München - Die beiden beim Unglück in Bad Aibling zerstörten Züge können durch baugleiche Zug-Garnituren ersetzt werden. Die Hersteller-Firma macht für den schwer getroffenen Bahnbetreiber Meridian eine Ausnahme – denn eigentlich wird der Zugtyp gar nicht mehr produziert.

Seit dem schweren Zugunglück von Bad Aibling fehlen der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB), die den Rosenheimer Meridian betreibt, zwei Triebwagen. Als Ersatz hat das Unternehmen vorübergehend einige Waggons und eine Lok angemietet – derzeit von der Vulkan-Eifelbahn.

Doch jetzt ist Abhilfe in Sicht. Bis spätestens Ende 2017 sollen zwei fabrikneue Züge in Dienst gestellt werden. „Es werden Ersatzfahrzeuge gleichen Typs beschafft, die mit der bestehenden Meridian-Flotte kompatibel sind“, erklärte BOB-Sprecher Christopher Raabe gegenüber unserer Zeitung. Es handelt sich wieder um je einen dreiteiligen und einen sechsteiligen Typ „Flirt“ vom Eisenbahnhersteller Stadler in Berlin-Pankow.

Die zwei neuen Fahrzeuge sollen mit den vorhandenen Garnituren schnittstellengleich, kuppelfähig und in Mehrfachtraktion steuerbar sein. Ihre Zulassungen entsprechen denen der vorhandenen „Flirts“. Das heißt, die beiden neuen Triebwagen dürfen auch im grenzüberschreitenden Verkehr nach Österreich bis Salzburg und Kufstein fahren. Stadler Pankow berücksichtigt nach Angaben der BOB zudem die Erkenntnisse aus der Rollkur – also aus einer technischen Ertüchtigung – und die an den Bestandsfahrzeugen gemeldeten technischen Mängel. Hier geht es um „Kinderkrankheiten“ an Führerstandstüren und Wagenübergängen sowie am Getriebe, die in den beiden neuen Zügen korrigiert werden sollen.

„Bis auf Weiteres bleibt das momentane Ersatzkonzept bestehen“, ergänzt Raabe. Täglich pendelt derzeit der weiß-blaue Ersatzzug frühmorgens von Kufstein über Rosenheim nach München. Während der Hauptverkehrszeit am späten Nachmittag geht es wieder zurück nach Tirol. Die Kosten für die neuen Züge sind erstaunlich hoch: Die Bestellung werde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, sagte Raabe. „Es waren sehr, sehr lange Verhandlungen.“

Dass die Züge nachgeliefert werden, ist eine Besonderheit: Denn obwohl die Züge erst seit Dezember 2013 in Oberbayern unterwegs sind, werden sie von der Herstellerfirma nicht mehr ausgeliefert. Hintergrund sind die ständig wechselnden technischen Anforderungen, die das Eisenbahn-Bundesamt definiert. Dies macht allen Bahnbetreibern zu schaffen – beispielsweise auch der Münchner S-Bahn, die 238 S-Bahn-Züge des Typs ET 423 im Einsatz hat. Forderungen aus der Politik, doch mehr Züge einzusetzen und so S-Bahn-Takte zu verbessern, kann das Unternehmen nur eingeschränkt aufgreifen – denn auch der ET 423 wird nicht mehr hergestellt. Ähnlich ist es bei der Bayerischen Oberlandbahn: Auch ihre Züge des Typs „Integral“ werden schon seit Langem nicht mehr nachgebaut. Meridian hatte zum Betriebsstart insgesamt 35 Züge gekauft, 28 Sechs- und sieben Drei-Teiler. Durch das Unglück sind es derzeit zwei weniger.

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