Pendler verärgert über Bahn-Chaos

Meridian: Probleme seit zwei Jahren bekannt

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Der Start des Meridian sorgt für Ärger.

München - Seit drei Wochen haben es Zugpendler auf den Strecken in Richtung Rosenheim nicht leicht. Jeden Tag das gleiche Spiel: Verspätungen. Der Grund für das Chaos ist schon lange bekannt, wie die tz jetzt erfuhr.

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Seit drei Wochen haben es Zugpendler auf den Strecken in Richtung Rosenheim nicht leicht. Jeden Tag das gleiche Spiel: Verspätungen. Der Grund: Der neue Betreiber der Meridian-Linien hat nicht genügend neue Züge vom Typ Flirt. Und mit den Ersatzzügen gibt es auch Probleme. Merkwürdig: Noch im Sommer 2013 behauptete der Geschäftsführer der zum französischen Veolia-Konzern gehörenden Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Kai Müller-Eberstein, dass die 35 neuen Triebwagen für das E-Netz Rosenheim (München–Salzburg, München–Kufstein, Holzkirchen–Rosenheim) zum Fahrplanwechsel zur Verfügung stünden. Brisant ist dabei, dass aus einem internen Schreiben von Veolia, das der tz vorliegt, hervorgeht: Bereits im Februar 2012 ging der Konzern von einer möglicherweise verspäteten Auslieferung der neuen Fahrzeuge aus!

18 Monate später sah alles wieder anders aus: Im August 2013 erklärte die BOB, dass sie von der rechtzeitigen Auslieferung aller neuen Fahrzeuge vom Typ Flirt des Herstellers Stadler Pankow ausgehe. Geschäftsführer Müller-Eberstein versicherte zudem im September: „20 neue Triebwagen werden zur Verfügung stehen.“ In Wirklichkeit waren es sechs Züge. Veolia schiebt die Probleme auf den Hersteller des Flirt ab – was allerdings nicht so ganz stimmt …

Chaos in den Bahnen des Meridian - in letzter Zeit kennt man es kaum anders.

Bereits am 27. Februar 2012 hatte der Hersteller Stadler Pankow in Berlin Veolia über einen möglichen Lieferverzug von bis drei Monaten informiert. Grund seien Verspätungen bei der Anlieferung des Außendesigns. Mit Schreiben vom 4. Juni 2012 monierte der seinerzeitige Veolia-Geschäftsführer Ragnar Nordström bei Stadler Pankow, dass nach Vorlage der Produktionspläne und Besichtigung der Wagenkastenfertigung im ungarischen Szolnok ein Lieferverzug auf Grund der hohen Werksauslastung möglich sei. Nordström schrieb: „Rein vorsorglich machen wir Sie darauf aufmerksam, dass ein Lieferverzug zu einer Verletzung unseres Verkehrsdurchführungsvertrages mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und einer schlechten Öffentlichkeitswirksamkeit führen wird. Die Schäden werden wir an Sie durchreichen und auch von den vereinbarten Vertragsstrafen Gebrauch machen.“ Zudem schreibt er, dass es unbedingt nötig sei, ihn über einen Lieferverzug sofort zu informieren – damit man schnell ein Ersatzkonzept erarbeiten könne.

Wegen des jetzt herrschenden Chaos’ hat sich sogar Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann eingeschaltet. Er gibt der BOB bis Mitte März Zeit, die Probleme zu beheben. Sonst könnte es sein, dass sie bei der nächsten Ausschreibung für die Strecke nicht mehr berücksichtigt wird.

Pikant übrigens: Der langjährige BOB-Geschäftsführer Heino Seeger, der gehen musste, hatte ein Ersatzkonzept vorbereitet, mit dem die Pendler weiter ohne Betriebseinschränkungen hätten fahren können. Bei seinem ersten Nachfolger geriet das Thema verspätete Auslieferung in Vergessenheit.

Karl-Heinz Dix

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