Last-minute-Zulassung

Meridian: Jetzt beginnt das Zug-Roulette

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Der Flirt-Triebwagen im Rosenheimer Bahnhof.

München - Am Sonntag übernimmt Veolia mit den neuen Meridian-Zügen eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Bayern. Einiges geschieht dabei auf den letzten Drücker. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen:

Manchmal wird aus Freud schnell Leid. Für die 20.000 Bahnpendler nach München aus dem Chiemgau und aus Rosenheim beginnt am Sonntag jedenfalls das große Zittern. Die modernen Flirt-Triebwagen der unter der Marke Meridian operierenden Bayerischen Oberlandbahn (BOB) lösen die Züge der DB-Regio ab. Die Flirts erhielten am Freitag vom Eisenbahn-Bundesamt eine echte Last-minute-Zulassung. Sie können ab sofort zum Einsatz kommen. Doch kann die BOB, die zum franzöischen Veolia-Konzern gehört, ihr Versprechen – deutlich mehr Züge und Sitzplätze, kürzere Fahrzeiten sowie Catering – einlösen? Deswegen hatte ja die Veolia den Zuschlag bei der europaweiten Ausschreibung für die Strecken München–Salzburg und München–Kufstein sowie Rosenheim–Holzkirchen–München erhalten. Bislang ist nur eines klar: Es werden ab Sonntag neun verschiedene, darunter museumsreife Zugtypen, verkehren. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Worauf müssen sich die Pendler im Zug einstellen?

Ob das schnell ausgebildete Personal von Veolia mit den klassischen Eisenbahnwagen zurecht kommt, muss sich zeigen. Eigentlich sollten die Zugbegleiter in den neuen Triebwagen im Kundenservice arbeiten, sie mussten aber im Schnelldurchgang eine Betriebsausbildung absolvieren. Die Ersatzzüge erfordern dies. Fahrkarten werden außerdem auch von Zugführern der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) und der DB kontrolliert.

Gibt es Sitzplätze?

In der Hauptverkehrszeit ab Rosenheim wohl eher nur mit Glück.

Können alle Fahrgäste im Nahverkehr ab Rosenheim morgens nach München und abends zurück befördert werden?

Veolia hat bei der DB-Fernverkehr angefragt, ob die Intercity-Züge nach München, die in Rosenheim um kurz vor sieben und kurz vor acht Uhr abfahren, auch für Pendler mit Nahverkehrsticket freigegeben werden können. Wie ist dies zu interpretieren? Die DB-Fernverkehr hat das Ansinnen abgelehnt, mit der Begründung: Die Intercitys sind relativ voll. Das Problem für Veolia: Die Leihzüge weisen großteils weniger Sitz- und Stehplätze auf als die bereits schon jetzt gut gefüllten Zuggarnituren.

Welche Züge fahren?

Das Angebot ist bunt. Es reicht von modernen, behindertengerechten Doppelstockzügen der Metronom-Gesellschaft bis zu 50 Jahre alten Wagen, die für Pilgerzüge eingesetzt wurden. Gestern hat das Eisenbahnbundesamt ja noch die Zulassung für die Flirt-Züge auf den letzten Drücker erteilt. Versprochen waren zum Fahrplanwechsel 20 Flirts. Die Geschäftsleitung von Veolia-Verkehr erklärte am Freitag vor einer Woche, dass 15 von 35 Triebzügen zum Fahrplanwechsel zur Verfügung stehen werden. Doch bekommen sie das hin? Sechs dieser 15 Züge nahm Veolia nach tz-Informationen wegen vieler Mängel (bis zu 170 pro Fahrzeug, davon auch sicherheitsrelevante) vom Hersteller Stadler Pankow nicht ab. Von den neun ausgelieferten Flirts sind vier bereits außer Dienst: Bei zweien hat sich die Elektronik verabschiedet, bei einem gab es Probleme mit der Bremssteuerung, beim vierten Flirt wurde der Stromabnehmer wegen Bedienungsfehler in Freilassing ruiniert!

Wie sieht’s mit dem Fahrplan aus?

Bis Anfang Februar gilt ein Fahrplan, der im Wesentlich dem jetzigen entspricht. Ab Februar soll es zusätzliche Züge geben. Ab April will die BOB dann den neuen Fahrplan (mit kürzeren Fahrtzeiten und mehr Zügen) realisieren.

Dürfen Ersatzgarnituren nach Österreich fahren?

Teilweise. Die Doppelstockwagen vom niedersächsischen Metr­onom und die Baureihe Kiss der ODEG brauchen eine Sondergenehmigung der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Obwohl Veolia die Züge seit Oktober eingeplant hat, gingen erst im Laufe der letzten acht Tage die Zulassungsunterlagen an die ÖBB. Deren Sprecher Rene Zumtobel: „Im Interesse der Fahrgäste versuchen wir, das noch hinzubekommen.“

Wie kann ich als Bahnfahrer ausweichen?

Wer es sich leisten kann, sollte auf den Strecken von München nach Salzburg und Kufstein das nächste halbe Jahr auf IC-Züge ausweichen. Und wer viel Zeit mitbringt, kann im Nahverkehr von und nach Rosenheim über Wasserburg–Ebersberg–München oder Wasserburg–Mühldorf–München ausweichen. Ab Grafing Bahnhof kann man auch in die S-Bahn einsteigen.

Wer macht das Catering?

Die BOB trat mit dem Versprechen an, in den kleinen Bordbars der einzelnen Garnituren regionale Speisen und Getränke anzubieten. Ein an und für sich guter Gedanke. Leider fand die BOB bis jetzt keinen einzigen Anbieter.

Karl-Heinz Dix

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