"Aus gesundheitlichen Gründen"

Miesbacher Landrat Kreidl lässt Amt ruhen

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Jakob Kreidl gibt Amtsgeschäfte bis auf weiteres ab.

Miesbach - Offenbar wurde der Druck doch zu groß: Der von mehreren Affären belastete Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) lässt sein Amt vorerst ruhen.

„Nachdem die seit Wochen währenden Angriffe auf meine Person eine für mich zuletzt nicht mehr ertragbare und unmenschliche Schärfe angenommen haben, sehe ich mich derzeit aus gesundheitlichen Gründen außerstande, dienstliche Termine wahrzunehmen und öffentlich aufzutreten“, teilte Kreidl am Sonntag mit.

Er habe seine Vertreter gebeten, bis auf weiteres die Amtsgeschäfte zu führen. An seiner erneuten Landrats-Kandidatur halte er aber fest, „zumal ein Verzicht die Konsequenz hätte, dass die CSU ohne Landratskandidaten in die Kommunalwahl ziehen müsste“.

Der 61-Jährige war wegen einer überwiegend von der Sparkasse und dem Landkreis finanzierten Geburtstagsfeier und wegen seines aberkannten Doktortitels massiv unter Druck geraten. Von seinem Amt als Präsident des Bayerischen Landkreistages trat er vor gut einer Woche zurück. Auch CSU-Größen gingen auf Distanz zu dem bekannten Kommunalpolitiker; die Affäre belastet den Wahlkampf der Partei in der Region schwer.

In seiner vom Landratsamt verbreiteten persönlichen Erklärung schrieb Kreidl nun: „Die Art und Weise der öffentlichen Diffamierung meiner Person und die tiefen Verletzungen auch durch einzelne Weggefährten haben mich bis über die Grenzen des Erträglichen belastet und mir gesundheitlichen Schaden zugefügt.“

Aufforderungen zum Verzicht auf seine Kandidatur erteilte er eine Absage. „Selbst wenn ich dieser Aufforderung nachkommen wollte, ist das aus rechtlichen Grünen nicht mehr möglich“, argumentierte er. „Es liegt nun am Wähler, am 16. März zu entscheiden.“

Kreidl ist seit Monaten in den Schlagzeilen. Die Feier zu seinem 60. Geburtstag vor eineinhalb Jahren hatte fast 120 000 Euro gekostet. 77 000 Euro davon zahlte die Kreissparkasse, 33 000 Euro der Landkreis. Im Dezember entzog ihm die Bundeswehr-Universität München den Doktortitel, weil er weite Teile der Arbeit abgeschrieben hatte. Schon zuvor war der CSU-Politiker im Zuge der Verwandtenaffäre des Landtags in die Kritik geraten. Als Abgeordneter hatte er seine Frau - legal - als Mitarbeiterin beschäftigt.

Hier gibt es seine persönliche Erklärung zum Nachlesen.

dpa

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