Wenn's um Geld geht ...

Miesbachs Sparkasse sponserte nicht nur Kreidl

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Jakob Kreidl.

Miesbach - Miesbachs Sparkasse sponserte nicht nur den ehemaligen Landrat Jakob Kreidl. Wer die Liste liest, der kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Noch ist von der „Sponsoring-Affäre“ die Rede. Noch. Wer den Prüfbericht liest, dem geht der Hut hoch: teure Geschenke, Lustfahrten, seltsame Immobiliengeschäfte — die Sparkasse Miesbach ließ es ihrem Spezi Jakob Kreidl in den vergangenen Jahren gut gehen. Nicht erst seit gestern stellt sich da die Frage, warum? Warum wurde keine Prüfinstanzen je hellhörig?

Eine Vielzahl von Großzügigkeiten der Sparkasse ist schon vergangene Woche durch einen Prüfbericht des Innenministeriums bekannt geworden – so der Zuschuss von 78 000 Euro für die Feier zum 60. des damaligen Miesbacher Landrats Jakob Kreidls oder die Kostenübernahme von Kreispolitikern für Fahrten nach Serfaus und Interlaken oder der Kauf einer Schlossbibliothek. Ein neuer interner Bericht der Sparkasse zeigt weitere Sponsoring-Aktivitäten auf. Hier ein Auswahl der Ausgaben der Sparkasse:

- Gelegenheitsgeschenke an Verwaltungsräte und Vorstände: Es gab hochwertige Schreibgeräte, Silberdosen, ja sogar Reisen. Mehrere Begünstigte, auch der neue Landrat Wolfgang Rzehak, haben die Geschenke schon zurückgegeben oder den Gegenwert zurückgezahlt. Die Regierung hat die Sparkasse jetzt angewiesen, Geschenke jenseits einer Bagatellgrenze von 150 Euro zurückzuverlangen.

- 2008 – Trauerfeier für den Landrat Norbert Kerkel: Die Sparkasse übernahm 33 000 €. Dies sei nicht angemessen, urteilt die Regierung von Oberbayern jetzt.

- 2009 – Bürgermeisterfahrt nach Triest: Die Fahrt kostete 56 934,37 € und wurde von der Sparkasse komplett bezahlt. Interessant: In den Prüfungsberichten des Sparkassenverbandes Bayern ist die Fahrt nicht enthalten... Die Sparkasse will versuchen, vom damaligen Vorstandschef Georg Bromme und weiteren Reiseteilnehmern die Rückerstattung der Kosten zu verlangen.

- Kreistagsfahrt nach Seiersberg/Steiermark 2011: Es handelt sich um eine „Shopping City“ vor den Toren von Graz. 47 Kreisräte nahmen teil, 33 davon mit Partner. Die Sparkasse zahlte 20 000 Euro. Auch hier wird die Bank versuchen, das Geld zurückzubekommen.

- 2010 – Renovierung Sitzungssaal im Rathaus Weyarn und Kauf des BayWa-Geländes Holzkirchen: Kosten für den Konferenztisch, Bestuhlung und Multimediaanlage im Rathaus übernahm die Sparkasse für die Gemeinde Weyarn. Beim Kauf des BayWa-Geländes prüft die Staatsanwaltschaft, ob es einen „Zusammenhang“ zwischen Spenden für eine Skaterbahn und den Immobilienkauf gab.

- Eisstockschießen am Tegernsee: Die Sparkasse übernahm Bewirtungskosten von bis zu 2000 € für das Eisstockschießen der CSU-Landtagsfraktion.

- Schießstand Achenkirch in Tirol: Mindestens 20 281,86 € flossen an den Tiroler Jägerverband und den Tiroler Landesjagdschutzverein. Ex-Sparkassen-Vorstand Bromme soll den Schießstand regelmäßig für Schießübungen genutzt haben. Mit Bromme hat die Sparkasse noch einen Beratervertrag, der bis 2017 läuft. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet...

Dirk Walter, Stephen Hank

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