Teuer für arme Familien

Mietkosten: Fürth top, Regensburg Flop

Nürnberg - Durch hohe Mieten bleibt vielen wenig Einkommen als der Hartz-IV-Satz. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge sind Familien in Regensburg und Würzburg besonders betroffen.

Wegen hoher Mietkosten rutschen einkommensschwache Familien in vielen bayerischen Städten laut einer Studie kräftig unter Hartz-IV-Niveau. In sechs der acht größten Städte im Freistaat hätten sie nach Abzug der Miete im Schnitt weniger Geld zur Verfügung als den Hartz-IV-Regelsatz von 1169 Euro im Monat, teilte die Bertelsmann Stiftung am Montag mit. Selbst für die Forscher überraschend: Nicht das hochpreisige München schnitt am schlechtesten ab, sondern die Studentenstadt Regensburg.

„In Regensburg bleiben einer Familie mit geringem Einkommen nach Überweisung der Miete rund 865 Euro in der Haushaltskasse“, sagte Carina Schnirch, Mitverfasserin der Studie. Das seien selbst unter Berücksichtigung etwaiger Mietzuschüsse 26 Prozent weniger als der Hartz-IV-Satz. Den zweitschlechtesten Wert erzielte Würzburg (minus 18 Prozent), gefolgt von München und Augsburg (minus 14), Nürnberg (minus 8) und Erlangen (minus 3).

Berechnet wurde dies für eine vierköpfige Familie, die ein Kind bis 7 Jahre, ein weiteres Kind zwischen 7 und 14 Jahren sowie weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat.

Die schlechten Ergebnisse Regensburgs und Würzburgs führte Schnirch auf den hohen Anteil von Studenten zurück. In Regensburg liege ihr Anteil an der Bevölkerung bei mehr als 18 Prozent, in Würzburg sogar bei mehr als 20 Prozent. „Sie suchen wie einkommensschwache Familien günstige Wohnungen, die deshalb schwieriger zu bekommen sind.“

Die Studie spiegle den Trend für Regensburg insgesamt richtig wider, sagte eine Sprecherin im Regensburger Rathaus. Möglicherweise sei in der Studie allerdings das Durchschnittseinkommen für Regensburg zu niedrig angesetzt worden, wodurch sich dann zu große Abweichungen ergeben könnten. Außerdem seien verschiedene Maßnahmen eingeleitet worden, um dieser Tendenz entgegenzusteuern. So habe der Stadtrat eine Quote von 20 Prozent für den Neubau von öffentlich geförderten Wohnungen in Bebauungsplangebieten beschlossen. Diese werden zum ersten Mal bei der Bebauung des Nibelungenkasernen-Areals umgesetzt.

In München geht bei armen Familien zwar fast die Hälfte der Ausgaben für die Miete weg, was die Landeshauptstadt in diesem Punkt zum negativen Spitzenreiter macht, allerdings sei das monatliche Durchschnittseinkommen um 780 Euro höher als etwa in Regensburg. Dadurch blieben einkommensschwachen Familien in München nach Abzug der Mietkosten mehr als 1000 Euro im Geldbeutel - das sind gut 140 Euro mehr als in Regensburg.

Den besten bayerischen Wert der Studie erzielte Fürth - dort ist der Anteil der Miete an den Ausgaben armer Familien am geringsten. Ihnen bleibe dadurch 16 Prozent mehr zum Leben als einer Hartz-IV-Familie. In Ingolstadt kommt eine Familie - bei entspannterem Wohnungsmarkt und relativ hohen Durchschnittseinkommen - auf 1316 Euro, das liege 13 Prozent über Hartz-IV-Niveau.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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