Josef O. war Wachtmeister im Gefängnis

Vom Millionär zum Doppelmörder

+
Josef O. (l.) vor Gericht.

Traunstein - Fünf Jahre lang tat Josef O. (58) Dienst als Wachtmeister in den Gefängnissen Stadelheim, Bernau und Traunstein. Nun könnte er als Lebenslänglicher dorthin zurückkehren.

Denn vor dem Landgericht Traunstein gestand der Ruhestandsbeamte am Donnerstag den Mord am Rosenheimer Arzt-Ehepaar Renate (65) und Hans R. (90).

Mit einem Dachgepäckträger war Josef O. am Pfingstmontag 2014 durch Aschau spaziert. Sein Ziel war das Ferienhaus seines langjährigen Arztes Hans R. „Ein hervorragender Arzt“, sagte Josef O. Laut Staatsanwalt Jürgen Branz wollte O. das Haus nach Stehlenswertem durchsuchen, wurde aber von dem Ehepaar überrascht. O. gestand, die beiden zur Herausgabe ihrer EC-Karte mit Geheimnummer gezwungen zu haben. Dann sei die Sache eskaliert: „Auf einmal ist die Frau R. aufgesprungen und hat mich geboxt.“ Er habe zum Gepäckträger gegriffen und ausgeholt. Als ihr Mann vor ihm stand, habe er auf ihn mit einem mitgebrachten Küchenmesser eingestochen. „Er rief ‚Aaah‘ und brach zusammen.“

Die Leichen schaffte er in deren BMW und putzte die Blutflecken auf dem Teppich im Haus weg. Bevor er mit den Leichen wegfuhr, hinterließ er einen vermeintlichen Erpresserbrief auf dem Tisch mit den Worten: „Entführung – Bankkarte nicht sperren – keine Öffentlichkeit – 500 000 Euro – Konto immer auffüllen – kein Kontakt – Abhebelimit erhöhen.“ Die Leichen versteckte er unter Laub am Samerberg, danach beauftragte er einen Trinker am Rosenheimer Bahnhof, für ihn Geld vom Konto seiner Opfer abzuheben. Bei der Übergabe griff die Kripo zu.

Als die Ermittler überprüften, wer da vor ihnen stand, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr raus: Nicht genug, dass Josef O. früher selbst in Justizdiensten stand. Nach seinem Ausscheiden aufgrund psychischer Probleme 1990 hatte O. an der Börse spekuliert. „2002 hatte ich über eine Million auf meinem Konto.“ Er fuhr einen Porsche Cayenne, gönnte sich teure Urlaube im Robinson-Club – bis aber das Finanzamt von ihm eine fette Steuernachzahlung forderte.

War also Geldnot das Motiv für den Überfall auf das Ehepaar R.? Josef O. bestritt das am Donnerstag: Es habe in seiner Familie einen Streit um die Betreuung seiner dementen Mutter gegeben. In seiner Funktion als Rechtspfleger am Betreuungsgericht Rosenheim habe ihn der Ehemann seiner Cousine bezichtigt, Geld veruntreut zu haben und sich nicht um seine Mutter zu kümmern. Dass man ihm seine Mama genommen habe, habe ihn psychisch schwer belastet: „Ohne dieses Betreuungsverfahren wäre es zu der Straftat nicht gekommen.“

Richter Erich Fuchs hatte Schwierigkeiten, dieser Argumentation zu folgen. O. wirkte wirr, ertrank förmlich in Selbstmitleid. Seine Entschuldigung für den Tod von Renate und Hans R. war kaum nachzuvollziehen, während er die Justiz laut schreiend anklagte: „Ihr seid’s doch alle wahnsinnig!“ Weil er in der JVA Straubing am vergangenen Donnerstag einen Selbstmordversuch unternommen hatte, wurde er am Donnerstag an Händen und Füßen gefesselt ins Gericht gebracht. Das Urteil soll am 5. März fallen.

tz

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen

Kommentare