Mann nicht vorbestraft

Millionenbetrug: Lange Haftstrafe für Finanzdienstleister gefordert

Nürnberg - Im Nürnberger Prozess um den millionenschweren Betrug mit nicht vorhandenen Geldanlagen hat der Staatsanwalt am Donnerstag für den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von elf Jahren und acht Monaten gefordert.

Wegen Betrugs in Höhe von mehr als 55 Millionen Euro hat das Landgericht Nürnberg-Fürth einen Finanzberater am Donnerstag zu neun Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Überzeugung der Strafkammer hatte der 42-Jährige aus dem mittelfränkischen Lauf an der Pegnitz zwischen 2009 und 2013 mit einem Schneeballsystem Hunderte Anleger geprellt. „Dem Angeklagten wurde zugutegehalten, dass er ein Geständnis abgelegt hat, nicht vorbestraft ist und einen Teil des Schadens zurück bezahlt hat“, sagte die Vorsitzende Richterin Andrea Uehlein in ihrer Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre und acht Monate Haft gefordert, die Verteidigung sechs Jahre.

Insgesamt hatte die Polizei 600 Betrugsfälle ermittelt - im Prozess wurden aber nur knapp 200 Fälle der vergangenen fünf Jahre berücksichtigt. Mit dem Geld neuer Kunden beglich der Finanzberater Verbindlichkeiten gegenüber früheren Anlegern und zahlte Provisionen an sogenannte Vermittler, die ihm neue Kunden brachten. Etwa sieben Millionen Euro soll der Mann für sich ausgegeben haben - unter anderem für teure Sportwagen. Rund 20 Millionen Euro zahlte er mittlerweile an seine gutgläubigen Kunden zurück - darunter sogar Manager.

Zunächst bot der 42-Jährige vorwiegend festverzinsliche Sparverträge mit jährlichen Renditen bis zu 30 Prozent an. Später verlagerte er sein Geschäftsmodell auf - nicht vorhandene - Mitarbeiteraktien und Unternehmensbeteiligungen. Für die Mitarbeiteraktien versprach er Renditen von bis zu 90 Prozent pro Jahr. Die Geschädigten hätten das System durchschauen müssen, sagte einer seiner drei Verteidiger.

Er sei von seinem Handeln wie im Rausch gewesen, hatte der Angeklagte zum Prozessbeginn über seine Anwälte erklären lassen. Heute sei er mittellos und bereue alles. Der Mann hatte keinerlei berufliche Qualifikation. Trotz zwölf Schuljahren hatte er lediglich einen Hauptschulabschluss. Eine kaufmännische Ausbildung brach er kurz vor dem Ende ab. Zum Finanzdienstleister habe er sich durch ein „Eigenstudium zu Hause“ selbst ausgebildet. Die Idee dazu sei gekommen, weil ein Bekannter mit Aktien handelte.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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