Vier Jahre hinter Gittern

Missbrauch am Ammersee: Haftstrafe für Anwalt

München - Für vier Jahre muss ein Augsburger Rechtsanwalt, der zuletzt am Ammersee lebte, ins Gefängnis. Der 61-Jährige hatte über einen Zeitraum von sieben Jahren nacheinander drei Buben sexuell missbraucht und wurde dafür jetzt vom Landgericht Augsburg verurteilt.

Die Taten geschahen in der Wohnung des Angeklagten oder auf seinem Boot. Der begeisterte Wassersportler engagierte sich in seiner Freizeit als Jugendwart in einem Segelclub. Unter anderem animierte er Jugendliche zu Trinkspielen und verging sich dann an einem wehrlosen 15-Jährigen. Auch filmte er Buben mit versteckten Webcams und machte intime Fotos von einem schlafenden Jungen.

Seinen Opfern ist der Spaß am Segeln vergangen. Ein heute 20-Jähriger brach seine Ausbildung zum Bootskaufmann ab, weil er mit den Erinnerungen an die Taten nicht klarkam. Die Nebenklagevertreterin Josefine Nitzl-Zels forderte im Zuge der Wiedergutmachung, dass das Boot des Angeklagten nicht mehr auf dem Ammersee fahren solle.

Das ging dem Vorsitzenden Richter Lenart Hoesch zu weit. „Das würde bedeuten, dass Opfer, die in einer Wohnung missbraucht wurden, Anspruch darauf hätten, dass das Haus abgerissen wird.“ Man müsse schon „die Kirche im Dorf lassen“.

Verteidiger: Angeklagter hat seine Taten "verniedlicht"

Dennoch versprach der Angeklagte, nie mehr auf das Boot zu steigen. Außerdem wird er seinen Opfern Schmerzensgelder von bis zu 15 000 Euro zahlen. Diese Zusage und sein umfassendes Geständnis retteten den Juristen vor einer höheren Strafe. Staatsanwältin Maiko Hartmann hätte ihn gern für fünf Jahre und zwei Monate hinter Gitter gebracht. Er habe perfide seine Vertrauensstellung bei den Eltern der Buben ausgenutzt. Für einen von ihnen hätte er sogar Firmpate werden sollen.

Für Verteidiger Walter Rubach hat der Angeklagte seine Taten vor sich selber „verniedlicht und schöngeredet“. Nebenklagevertreter Joachim Feller glaubte dagegen, der 61-Jährige sei schlicht davon ausgegangen, nicht überführt zu werden.

In jedem Fall steht der Jurist vor dem Ruin. In seinem Beruf wird er nach dem Gefängnis nicht mehr arbeiten können, sein Haus hat er schon verkaufen müssen. „Kein Mensch wird ihm mehr unbefangen gegenüber treten“, so sein Verteidiger Rubach. Dies sei für den ehemals erfolgreichen Mann „der bürgerliche Tod“. Der Verurteilte war sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen. Seine pädophile Neigung, sagte er, habe er erst mit über 50 wahrgenommen.

Ulrike Osman

Rubriklistenbild: © dpa

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