Was geschah Furchtbares im Keller?

Missbrauch statt Party: 56-Jähriger vor Gericht

Pfreimd - Er nannte seinen Partykeller „Paradies“ – doch für viele Kinder, die von ihren Eltern bei dem Handwerker Helmut W. (56) abgeliefert wurden, wurde der private Jugendtreff von Pfreimd (Kreis Schwandorf) zur Hölle.

Seit Dienstag muss sich der Junggeselle wegen 18 Fällen des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung von Kindern vor dem Landgericht Amberg verantworten. „Ich schäme mich zutiefst“, sagte er. Viele Übergriffe seien „aus Spaß entstanden“. Mal habe er Tipps zur Selbstbefriedigung gegeben, mal sei es beim Kartenspiel um das Entblößen der Geschlechtsorgane gegangen. Als Gegenleistung für die Fummeleien gab es Zigaretten oder 20 Euro.

Seit 30 Jahren betrieb Helmut W. den Treff mit Flipper und PlayStation bereits in seinem Elternhaus. „Gerüchte hat es da immer gegeben, aber letztlich haben mir die Eltern vertraut“, so W. Das scheint in Pfreimd Methode gehabt zu haben. Schließlich wurde W. als Jugendleiter der Feuerwehr bereits 1989 wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dennoch durfte er als Vize-Kommandant der Feuerwehr weitermachen, er musste nur den Kontakt zu Jugendlichen meiden.

Mit den Besuchern seines Partykellers scheint W. da weniger distanziert umgegangen zu sein. Ein 13 Jahre altes Opfer holte er laut Anklage zum Beispiel von der Schule ab, machte ihm Mittagessen und zitierte ihn dann ins Schlafzimmer. Die Anklage beschränkt sich nur auf die nicht verjährten Fälle. Nach der Festnahme von W. im September war von bis zu 35 Geschädigten die Rede.

Bei der Durchsuchung seines Anwesens waren über 200 000 kinderpornografische Dateien sichergestellt worden, manche Bilder hatte W. selbst angefertigt. Die missbrauchten Kinder sind bis heute traumatisiert, teilweise sogar selbstmordgefährdet. Das Urteil gegen Helmut W. wird für Freitag erwartet.

tz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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