Er saß 50 Jahre ein und lernt jetzt das Einkaufen im Supermarkt

Mittagsmörder frei: So kannte er die Welt

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Lebenslänglich wegen fünffachen Mordes: Klaus G. vor dem Landgericht Nürnberg.

München - Der als Mittagsmörder bekannt gewordene Klaus G. saß 50 Jahre lang ein. Seit Donnerstag ist der heute 71-Jährige frei. Zuvor wurde er auf ein Leben im Jahr 2015 vorbereitet, denn das ist ihm fremd.

Als sich die Zellentür hinter ihm zum ersten Mal schloss, schrieb man das Jahr 1965. Klaus G. hörte die Beatles, sah noch nicht viele Autos auf den Straßen, und wenn, dann waren es meist Käfer. Jetzt muss er vieles neu lernen – etwa, wie man in einem Supermarkt einkauft.

Die Welt ist bunt – ab 1967 auch das deutsche Fernsehen, etwa Vico Torrianis ZDF-Show „Der Goldene Schuss“.

Jeden Tag blickte er durch Gitterstäbe auf die kleine Welt des Straubinger Gefängnisses. Der Serienmörder aus Hersbruck (bei Nürnberg) hatte jahrelang für seine Freilassung gekämpft. Immer wieder war er vor Gericht gezogen. Bis das Oberlandesgericht Nürnberg im Jahr 2012 entschied, dass der Rest der Haft zum 1. März 2015 zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Gefährlichkeit des heute 74-Jährigen sei nur mehr gering, vor allem sein Alter habe eine Rolle gespielt. Er soll sich in einem Männerwohnheim aufhalten, wo er von Sozialarbeitern betreut wird.

Am 12. Juli 1967: Kurt Georg Kiesinger (re.) trifft Frankreichs Präsident de Gaulle.

Doch auch nach so langer Zeit sind seine kaltblütigen Taten nicht vergessen. Einen Mord verübte er im Jahr 1962 in einer Sparkasse in Neuhaus bei Nürnberg. Es ist kurz vor 12 Uhr, der Student der Wirtschaftswissenschaften trägt eine Hornbrille, ist 22 Jahre alt und braucht Geld. Er geht zum Schalter, zieht eine Pistole und schreit „Hände hoch!“. Anschließend springt er über den Tresen und stopft sich 5000 Mark in die Tasche. Als er sich umdreht und flüchten will, betritt der ahnungslose Oskar Seidel die Bank. Der Mann hat einen Hörschaden, bekommt nicht mit, dass in der Bank ein Überfall läuft. Ahnungslos geht er zum Schalter. Klaus G. bekommt Panik, denkt, der Mann wolle ihn überwältigen. Er schießt Oskar Seidel in die Brust. Der Mann bricht tot zusammen.

Die erste Festplatte war riesig: Sie hatte eine Speicherkapazität von 2 MB.

Zwei Monate zuvor hatte er mittags eine Sparkasse in Ochenbruck überfallen. Auch hier erschoss er den Leiter der Bank eiskalt. Drei weitere Morde folgten, der letzte im Juni 1965. Sein Opfer war dabei ein Hausmeister. Nach dieser Tat wurde Klaus G. überwältigt und wanderte in den Knast. Im Prozess 1967 wurde er vom Landgericht Nürnberg wegen fünffachen Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Wie fühlt sich Klaus G. heute? Bereut er seine Taten? Im Jahr 2012 schrieb er in einem Leserbrief an die Hersbrucker Zeitung, er habe sich seit den Taten vollkommen verändert. Er bereue sie zutiefst. Die Opfer und ihre Angehörigen täten ihm leid.

Antonia Wille

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