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Corona in Bayern: Das Ende der Maskenpflicht im Supermarkt rückt näher - die CSU schäumt vor Wut

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Von: Dirk Walter

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Eine Kundin mit FFP2-Maske im Supermarkt.
Mittlerweile ein vertrautes Bild: Eine Kundin mit FFP2-Maske im Supermarkt. In einigen Wochen ist das auch ohne Maske erlaubt. © Rolf Poss/imago

Der Bund plant das Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel. Diese Nachricht löst teils Freude, teils Besorgnis aus. Noch gibt es viele Fragen, unter anderem nach dem Schutz der Verkäufer.

München – Die Zahlen steigen, die Politik senkt den Schutz: Am Donnerstag (10. März) übersprang die Zahl neuer Corona-Infektionen erstmals die Grenze von 250.000 – genau waren es 262.752 Fälle in 24 Stunden. In Bayern kamen 51.881 neue Fälle dazu – die 7-Tage-Inzidenz liegt mit 1700 weit über dem Bundesdurchschnitt (1389).

Trotzdem wird jetzt wohl auch im Freistaat gelockert. Am 19. März läuft das Infektionsschutzgesetz aus, danach gibt es neue Regeln. Schöpft Bayern eine Übergangsfrist aus, wird sich spätestens ab 2. April einiges ändern. Eine Maskenpflicht ist nur noch in Pflegeheimen, Kliniken und im Fernverkehr zu erwarten – nicht mehr dort, wo sie seit Corona Alltag war: im Einzelhandel.

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Beim Handelsverband Bayern herrscht darüber Erleichterung. „Es gibt doch keinen einzigen Fall, wo ein Supermarkt ein Hotspot war“, sagt Sprecher Bernd Ohlmann. Allerdings sagt er auch: „Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Kunden zumindest mittelfristig die Maske weiter tragen wird.“ Prinzipiell habe zwar jeder Geschäftsinhaber das Recht, den Kunden Masken weiter zu verordnen („er hat das Hausrecht“), doch damit sei wohl nur in Ausnahmen zu rechnen. „Die große Mehrheit unserer Mitglieder sagt uns: Mit Maske kommt kein Shopping-Gefühl auf“, sagt Ohlmann. „Masken sind ein Hindernis fürs Geschäft.“

Bei den großen Supermarkt-Ketten hält man sich bedeckt, aber große Neigung, auf die offizielle Gesetzgebung noch eins draufzusetzen, hat niemand. „Wir halten uns an die Vorschriften“, heißt es etwa bei Edeka Südbayern, mit 1200 Filialen ein Supermarkt-Gigant. „Wir rechnen aber damit, dass die Kunden teils freiwillig Maske tragen werden.“

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Energische Opposition kommt nur von der CSU. Es sei „nicht nachvollziehbar“, wieso der Bund „alle Schutzmaßnahmen über Bord wirft“ und „die Länder im Regen stehen lässt“, sagt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Auch CSU-Gesundheitspolitiker Bernhard Seidenath hält das Masken-Aus für „verheerend“ („wir stehen jetzt völlig blank da“). Der Koalitionspartner ist anderer Ansicht. Sie freue sich, dass es das Infektionsgeschehens „nunmehr erlaubt“, die meisten Corona-Maßnahmen zu beenden, sagt FW-Gesundheitspolitikerin Susann Ender. Der Einzelhandel habe stark unter den Folgen der Pandemie gelitten. Jetzt „zieht wieder etwas mehr Normalität in unser aller Leben ein“.

Ender hat Vertreter der Ampel-Koalition in Bayern auf ihrer Seite. Bayerns FDP-Chef Martin Hagen etwa findet das Ende der Maskenpflicht gut: „Die mildere Omikron-Variante und die hohe Impfquote erlauben eine weitgehende Rückkehr zur Normalität. Dazu gehört, wie in vielen anderen europäischen Ländern, auch ein Ende der Maskenpflicht.“ Ähnlich sieht es Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen: Wichtig sei die Eigenverantwortung der Bürger: „Wer weiterhin FFP2-Masken trägt, senkt das eigene Infektionsrisiko enorm – und das der anderen auch.“

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Haubrich fügt an, dass auch die Länder wichtige Instrumente haben. Sie können bei „einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage“ Verschärfungen für regionale Hotspots beschließen. Holetschek bestätigt das. Selbst eine Maskenpflicht im Einzelhandel sei als Landesregelung möglich – aber nur wenn eine „dynamische“ Infektionslage bestehe. Und das wiederum sei im Moment undefiniert.

Handelsvertreter Ohlmann sieht auch andere Unklarheiten. Ein Problem: Können Geschäftsinhaber ihren Mitarbeitern, die derzeit medizinische Masken tragen müssen, weiterhin eine Maskenpflicht verordnen? „Da hatten wir heute schon einige Anfragen.“ (dw)

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