1. tz
  2. Bayern

„7000 Euro Mehrkosten“: Metzger zieht die Reißleine – nach über 60 Jahren

Erstellt:

Von: Tanja Kipke

Kommentare

Ein fränkischer Metzger gibt auf und schließt sein Geschäft zum Ende des Jahres. Die Energiekosten sind nicht mehr tragbar, er ist enttäuscht von der Politik.

Bamberg – „Wir mussten die Reißleine ziehen“: Der Beitreiber der Traditionsmetzgerei Bühler in Bamberg, Oliver Helldörfer, bringt es auf den Punkt. „7000 Euro Mehrkosten im Monat“ seien einfach nicht mehr tragbar gewesen. Die Energiekrise zwingt ihn zum Aufgeben. Bereits im August beschloss er die Schließung seines Ladens zum Ende des Jahres. Seit Mai seien die Kosten explodiert, erklärt er im Gespräch mit Merkur.de.

Energiekosten zu hoch: Traditionsmetzgerei muss schließen – „Es war schon schwierig“

Die Entscheidung, zuzumachen, bevor er ins Minus geht, fiel ihm alles andere als leicht. „Es war schon schwierig, man entlässt nicht gerne zehn Leute, die einem ans Herz gewachsen sind. Das hat schon schlaflose Nächte gekostet.“ Seine Mitarbeiter zeigen Verständnis, sie wissen, dass es sich nicht mehr lohnt. In der Metzgerei Bühler wird noch fast alles selbst produziert, „Wurst, Kochkäse, Frischkäse. Wir machen alles selbst.“ Seit 62 Jahren gibt es das Traditionsgeschäft in Bamberg.

Wegen zu hoher Energiekosten: Die Metzgerei Bühler in Bamberg schließt zum Jahresende.
Wegen zu hoher Energiekosten: Die Metzgerei Bühler in Bamberg schließt zum Jahresende. © Privat

Auf Qualitätsfleisch wurde stets geachtet. Daher löst die Nachricht der Schließung bei den Kunden großes Bedauern aus. „Die Kunden sind alle sehr traurig“, erklärt Helldörfer unserer Redaktion. Bis zum 31. Dezember würde es aber noch alles geben. Und das beliebte Gemüse der Metzgerei – wie Wirsing, Kohlrabi und Spargel – gebe es auch danch weiterhin in den Supermärkten der Region zu kaufen.

Mit den Preisen ist er noch nicht nach oben gegangen. Er habe mal ausgerechnet, was er verlangen müsste, um alle Kosten zu decken. Für ein Leberkäse-Brötchen, das bei ihm aktuell 1,80 Euro kostet, müsste er nach seiner Rechnung 3,50 Euro verlangen. „Das zahlt ja kein Mensch mehr“, ist sich der Geschäftsmann sicher.

Traditionsmetzgerei in Bamberg schließt: „Politik hätte schon lang reagieren müssen“

Helldörfers Schicksal ist kein Einzelfall. Allein in der Region wisse er von mehreren die mit den Kosten kämpfen oder deshalb ebenfalls schließen. Auch Bäckereien leiden enorm unter der Energiekrise. Die Bäckerei Rieß in Eschenhofen beispielsweise blickt mit Sorge in die Zukunft. Bei den Stromkosten habe es eine Preissteigerung um fast 400 Prozent gegeben. Helldörfer glaubt nicht, dass sich die Lage in nächster Zeit ändert. „Ich geh davon aus, das dauert noch mindestens zwei Jahre.“

Ob er jemals wieder eine Metzgerei öffnen wird? Helldörfer bezweifelt es. Zu schwer, Leute zu finden, das Metzgershandwerk sei ein aussterbender Beruf. Von der Politik hätte er sich schnellere Hilfen gewünscht. „Die hätten schon lang reagieren müssen, mit Hilfsfonds für mittelständische Unternehmen.“ Bis Hilfen kommen, ist es dann meist schon zu spät, klagt er. „Die Großen kriegen immer und die kleinen Betriebe nicht“. Das sei alles „weng schwierig bei unserem Staat“. (tkip)

Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare