Soldat (20) in Norwegen verhaftet

So kam die Polizei dem WM-Mörder auf die Schliche

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Mit diesem Foto wurde nach Christoph R. gesucht.

Bad Reichenhall/Trondheim - Christoph R. (20), Bundeswehrsoldat und mutmaßlicher WM-Mörder von Bad Reichenhall, ist geschnappt. Die Polizei erwischte ihn zu Fuß auf der kleinen Nebenstraße in Norwegen. Die tz hat erfahren, wie die Festnahme ablief.

Bad Reichenhall kann aufatmen. Der mutmaßliche Mörder von Alfons S. (72) ist gefasst. Der Bundeswehrsoldat Christoph R. (20) wurde am Dienstagabend in Norwegen festgenommen. „Die Beweislage ist so erdrückend, dass wir sicher sind, den Täter endlich zu haben“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Ereignisse hatten sich seit dem Wochenende überschlagen. Kurz nachdem die Polizei den Fahndungsaufruf nach Christoph R. am Dienstag herausgegeben hatte, nahm die norwegische Polizei den jungen Soldaten fest (siehe unten). Auf die Spur des mutmaßlichen Mörders war die Polizei durch Hinweise aus der Bundeswehr gekommen. Kameraden von Christoph R. hatten in der Hochstaufen-Kaserne „Wahrnehmungen gemacht“, die den 20-Jährigen belasteten, sagte der Leiter der Mordkommission, Hans-Peter-Butz, am Mittwoch in Reichenhall. Zudem wurde die Tatwaffe, ein Kampfmesser, bei der Bundeswehr verwendet. DNA-Spuren von R. fanden sich jedoch nicht daran. Erst Hinweise der Gebirgsjäger führten zu ihm.

Menschen in Bad Reichenhall atmen auf

Nachdem der Mann in der Kaserne nicht anzutreffen war und auch keinerlei Kontakt hergestellt werden konnte, wurde am Wochenende sein Spind durchsucht. Hier entdeckten die Fahnder dann Kleidung mit Blutspuren, die eindeutig von den Opfern stammten.

Die Menschen in Bad Reichenhall atmen nach drei Wochen Angst endlich auf. Nach zwei falschen Tatverdächtigen scheint es nun, dass der richtige Täter geschnappt ist. „Die Nachricht von der Festnahme hat mich sehr erleichtert“, sagte auch Innenminister Joachim Herrmann.

Freunde von Christoph können sich ihn nicht als Täter vorstellen

Für die Freunde von Christoph ist dessen Tat unvorstellbar. Am Mittwoch schrieb sein Kumpel Tobi auf Facebook: „Jeder, der ihn kennt, weiß, dass das nicht Christoph gewesen sein kann. Zumindest war er nicht er selber.“ Freunde stimmen ihm zu. Stefan schreibt: „So was ist für mich unfassbar, glaubte, ihn eigentlich gut zu kennen.“

Fakt ist: Der 20-Jährige war wegen Eigentumsdelikten, Ladendiebstahl und Körperverletzung in Rheinland-Pfalz bereits polizeibekannt. „Es gab aber nichts in dem Ausmaß“, so die Polizei.

Warum Christoph R. derart ausgerastet ist, ist unklar. Bislang konnte der Soldat noch nicht vernommen werden. Sicher ist jedoch, dass sich Täter und Opfer nicht kannten. Das Auslieferungsverfahren wurde beantragt, dann hofft die Polizei, auch die letzten Rätsel dieses Falles zu lösen. Gegen R. wurde bereits Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen.

aw

Flucht endet auf norwegischer Landstraße

Die Chronologie

14. Juli: In der Nacht nach dem WM-Triumph der deutschen Fußballer wird gegen 3 Uhr der Rentner Alfons S. (73) in Bad Reichenhall angegriffen und so schwer verletzt, dass er am Tatort stirbt. Wenige Minuten später wird die 17-jährige Sarah überaus brutal überfallen und zusammengeschlagen; sie kommt schwerst verletzt ins Krankenhaus.

18. Juli: Die Polizei bringt mehrere junge Männer zur Befragung zur Inspektion.

22. Juli: Die Polizei veröffentlicht ein Phantombild.

25. Juli: Nachdem ihn einige Zeugen auf dem Phantombild erkannt haben wollen, wird ein 21-Jähriger verhaftet.

4. August: Der Verdächtige wird durch die Spurenlage entlastet und freigelassen.

5. August: Die Öffentlichkeitsfahndung nach dem neuen Verdächtigen Christoph K. läuft an. Am selben Abend wird der 20-Jährige in Norwegen in der Nähe von Trondheim festgenommen.

Es ist Norwegen wie aus dem Bilderbuch: dunkelblaue Fjorde, grüne Wälder, schier unendliche Einsamkeit. Hier wurde Christoph R. am Dienstag um 17.38 Uhr festgenommen. „Es war überhaupt nicht dramatisch“, sagt eine Sprecherin der Polizei Trondheim zur tz. Gewöhnliche Polizeikräfte seien im Einsatz gewesen, keine Spezialeinheit. Der Verdächtige habe keinen Widerstand geleistet.
Die Polizei schweigt noch darüber, wie sie dem gesuchten Mörder so schnell auf die Spur kam. Fakt ist, dass er am 22. Juli von Frankfurt nach Oslo geflogen ist. Wo er sich dann aufhielt, wie er in die mittelnorwegische Region TrØndelag gekommen ist und warum er zu Fuß auf der kleinen Nebenstraße 714 am Åstfjord zwischen Orkanger und Sunde unterwegs war, ist noch nicht klar. Die deutsche Polizei konnte bis jetzt noch nicht mit ihm sprechen.
Der norwegische Journalist Hendrik Sundgård kam nur wenige Augenblicke nach der Festnahme zu der Einmündung, an der Christoph R. geschnappt wurde. „Es waren fünf Polizeifahrzeuge unterwegs“, sagte er zur tz, insgesamt seien es wohl zehn Beamte gewesen. „Das war ruckzuck vorbei.“ Nun sitzt der Verdächtige in Auslieferungshaft in Trondheim. „Es war ein sehr effektiver Einsatz“, sagt die Sprecherin der Polizei.

vp

Der nette Junge von nebenan in Morbach

Die idyllische Hunsrück-Gemeinde Morbach hat 19 Ortsteile und 10.500 Einwohner. Als staatlich anerkannter Luftkurort besitze Morbach einen hohen Wohn- und Freizeitwert, steht auf der Homepage des Ortes. Hier wohnte Christoph R., hier war er nach Angaben der Polizei zwischen dem 18. und 22. Juli, bevor er sich nach Norwegen absetzte. Am Mittwoch waren die Rolläden an dem Haus heruntergelassen.

Er sei ein unauffälliger Bursche, und niemand hätte ihm so eine Tat zugetraut. „Er war ein netter junger Mann, der immer freundlich gegrüßt hat“, sagen die wenigen Nachbarn, die Christoph R. in Morbach vom Sehen gekannt haben. Zugezogen sei die Familie, und sie würden sehr zurückgezogen leben.

Einer will gehört haben, dass er ein Heimkind war. Und von Vorstrafen wegen Ladendiebstahls, Eigentumsdelikten und leichter Körperverletzung war die Rede.

Am Montag flogen vier Ermittler der bayerischen Polizei mit dem Hubschrauber nach Morbach und untersuchten die Wohnung – ohne Ergebnis. Jetzt sind die Einwohner des Ortes erleichtert, dass der Mörder, der unter ihnen gewohnt hat, geschnappt wurde.

vp

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