Berufspläne

Mollath will Ferraris reparieren

Gustl Mollath
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Gustl Mollath

Nürnberg - Der nach sieben Jahren aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath hofft auf eine berufliche Zukunft als Oldtimer-Restaurator.

Der nach sieben Jahren aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath hofft wieder auf eine berufliche Zukunft als Restaurator von Sportwagen-Oldtimern. Hier habe er große Erfahrung und hier lägen seine Stärken, sagte Mollath der Nachrichtenagentur dpa. „Ich kann mir gut vorstellen, alte Ferraris oder andere historische Sportwagen wieder aufzubauen oder zu reparieren.“ Dabei setze er auf die Oldtimer-Szene, mit der er früher eng verbunden gewesen sei. „Vielleicht erhalte ich Unterstützung von Ferraristi (Ferrari-Besitzern) oder den entsprechenden Firmen.“

Mollath hatte sich nach seiner Studienzeit in Nürnberg von Mitte der 1980er Jahre an zunächst als Betreiber eines Geschäfts für Motorradreifen und -zubehör selbstständig gemacht. Später baute der 56-Jährige das Geschäft zu einer Restaurierungswerkstatt für Oldtimer aus. Das Geschäft schloss er im Jahr 2000.

Mollath betonte, bei der neuen Stelle „muss schon alles zusammenpassen“. So sollte etwa ein höheres Einkommen als früher möglich sein. Er denke deshalb an eine „ingenieurmäßige Tätigkeit“. „Mit einem Mechaniker-Job bräuchte ich ja 100 Jahre, um meine Schulden bei meinem Rechtsanwalt bezahlen zu können.“ Sein Verteidiger Gerhard Strate habe zwar auf sein Honorar verzichtet, räumt Mollath ein. Aber er habe dennoch den Anspruch, irgendwann für den großen Einsatz von Strate in seinem Fall aufzukommen.

Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

Der Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

November 2002: Mollath wird von seiner Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Er soll sie im August 2001 ohne Grund mindestens 20-mal mit den Fäusten geschlagen haben. Außerdem habe er sie gebissen, getreten und sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Mollath bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Mai 2003: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhebt Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. © dpa
September 2003: Die Hauptverhandlung beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg. Im April 2004 wird sie fortgesetzt. Ein Gutachter attestiert Mollath gravierende psychische Störungen. © dpa
Dezember 2003: Mollath erstattet Strafanzeige gegen seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden wegen Steuerhinterziehung, Schwarzgeld- und Insidergeschäften. © dpa
Februar 2004: Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft abgelegt. Die Angaben seien zu unkonkret für ein Ermittlungsverfahren. © dpa
Juni 2004: Mollath muss zur Begutachtung ins Bezirkskrankenhaus Erlangen, kommt aber wieder frei. Im Februar 2005 wird er in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingewiesen. Dort bringt er fünf Wochen zu. © dpa
August 2006: Ein Gutachter bescheinigt Mollath wahnhafte psychische Störung und paranoide Symptome. Das Landgericht Nürnberg spricht Mollath wegen Schuldunfähigkeit von der Anklage der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung frei. Aber es ordnet seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er ist bis heute im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht. © dpa
Februar 2007: Der Bundesgerichtshof verwirft Mollaths Revision als unbegründet. © dpa
März 2012: Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagt im Landtag, Mollaths Strafanzeige wegen der Bankgeschäfte seiner Frau sei „weder Auslöser noch Hauptanlass noch überhaupt ein Grund für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gewesen“. Seine Vorwürfe gegen die Bank hätten keinen begründeten Anfangsverdacht für Ermittlungen ergeben. © dpa
November 2012: Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank aus dem Jahr 2003 wird publik. Danach traf ein Teil von Mollaths Vorwürfen zu. Die Freien Wähler fordern Merks Rücktritt und einen Untersuchungsausschuss. © dpa
30. November 2012: Merk will den Fall Mollath komplett neu aufrollen lassen und ordnet einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters an. © dpa
18. März 2013: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Wiederaufnahme wegen neuer Tatsachen, die dem Gericht bei der Verurteilung 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Entscheiden muss das Landgericht Regensburg. © dpa
26. April 2013: Der Mollath-Untersuchungsausschuss tritt erstmals zusammen. © dpa
28. Mai 2013: Das Landgericht Regensburg lehnt eine Entscheidung über Mollaths Psychiatrie-Unterbringung vor der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags ab. © dpa
09. Juli: Der Untersuchungsausschusses geht zu Ende. SPD, Grüne und Freie Wähler sehen gravierende Fehler bei den Ermittlern und bei Merk und verlangten deren Entlassung. CSU und FDP sehen keine Fehler bei Merk. © dpa
22. Juli: Nach dem Landgericht Regensburg weist auch das Oberlandesgericht Nürnberg einen Befangenheitsantrag von Mollaths Anwalt gegen einen Richter ab. © dpa
24. Juli: Das Landgericht Regensburg weist die Anträge zur Wiederaufnahme des Mollath-Prozesses zurück. © dpa
6. August: Der seit Jahren in Bayern in der Psychiatrie sitzende Gustl Mollath kommt überraschend frei. Das Strafverfahren gegen ihn wird wieder aufgenommen. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg beschlossen. © picture alliance / dpa
5. September: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gibt einer Beschwerde Mollaths statt. Seine Unterbringung in der Psychiatrie war demnach seit 2011 verfassungswidrig. Die damaligen Beschlüsse des Landgerichts Bayreuth und des Oberlandesgerichts Bamberg zur Unterbringung Mollaths seien nicht gut genug begründet gewesen. © dpa
12. Dezember: Das Landgericht Regensburg kündigt an, dass es Mollath erneut psychiatrisch begutachten lassen will. Mollath lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er dies ablehnt. © dpa
19. Dezember: Das Landgericht Regensburg teilt mit, dass das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath am 7. Juli 2014 beginnt. © dpa
7. Juli 2014: Vor dem Landgericht Regensburg beginnt das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath. © dpa
23. Juli 2014: Die beiden Verteidiger von Mollath - Gerhard Strate (Mitte) und Johannes Rauwaldt (rechts) - legen nach Unstimmigkeiten mit dem Nürnberger ihr Mandat nieder. Das Gericht bestimmt sie zu Pflichtverteidigern. © dpa
08. August 2014: Die Staatsanwaltschaft - Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl - fordert in ihrem Plädoyer einen Freispruch für Gustl Mollath. Der Anklagevertreter ist jedoch von der Schuld des 57-Jährigen überzeugt. Die Verteidigung verlangt einen Freispruch „ohne Wenn und Aber“. Mollath selbst sagt, er habe die Taten nicht begangen. © dpa
14. August. 2014: Das Landgericht Regensburg spricht Gustl Mollath frei. © dpa

Derzeit habe allerdings sein Wiederaufnahmeverfahren Priorität. „Bei einem Job müsste ich vollen Einsatz bringen.“ Nach acht Stunden Arbeit in einer Autowerkstatt könne er nicht noch abends drei Stunden Prozessakten studieren. „Im Moment lebe ich nur in gewissem Grad frei, es ist ein Leben auf Abruf. Solange mein Wiederaufnahmeverfahren nicht abgeschlossen ist, lebe ich als Vogelfreier“, beschreibt Mollath seine Lage.

Neben dem intensiven Aktenstudium teils bis tief in die Nacht bemühe er sich gerade, Ordnung in sein Leben zu bringen. So habe er immer noch keinen neuen Führerschein. Da er noch keine Wohnung habe, lebe er derzeit bei Freunden und wechsele immer mal wieder das Quartier. „Zurzeit bin ich in ganz Deutschland unterwegs.“ Seinen aktuellen Aufenthaltsort wollte er nicht nennen.

Mollath war Anfang August aus der Psychiatrie in Bayreuth entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde von Mollaths Anwalt hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen. Mollath war 2006 auf gerichtliche Anordnung in die Psychiatrie eingewiesen worden, weil er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Der Nürnberger sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte hingewiesen habe.

dpa

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