Moosburger verschickte 17.600 Flyer

Verzweifelte Liebessuche per Postwurfssendung

Diese Postwurfsendung wurde tausendfach in Moosburg und Umgebung ausgetragen. Ein lediger Moosburger sucht damit nach der Frau, die er sich nicht ansprechen traute.

Moosburg - Über 17.000 Haushalte rund um Moosburg hatten vergangene Woche einen Flyer im Briefkasten. Darauf: Ein Mann, eine Bahnszene und eine rätselhafte Botschaft. Viele fragen sich seither, was hinter der Wurfsendung steckt. Das FT hat nachgeforscht – und von einer verzweifelten Liebesgeschichte erfahren.

Es ist der letzte Sonntag im Mai, 17 Uhr, Martin Bachmaier steigt in Moosburg in den Zug nach München. Und da sieht er sie wieder: Die junge, blonde Frau, die ihm schon gestern im Zug aufgefallen ist. Die ihm so gefallen hat, mit ihrer tollen, ja fast druckreifen Aussprache, wenn sie sich mit anderen unterhält. Die auf den 52-Jährigen so faszinierend anmutig und selbstbewusst wirkt. Mehr als Blicke tauschen die beiden über zwei Sitzgruppen hinweg nicht aus, aber immerhin.

In München hält sich der habilitierte Privatdozent für Statistik, der auch Mathe und Physik lehrt, nur kurz auf: Schon eine Stunde später betritt er wieder den Zug heim nach Moosburg. Das Unglaubliche: Die hübsche Dame sitzt auch wieder in der Bahn! Ein seltsamer Zufall, denkt sich Bachmaier. Ihm schwirrt der Kopf, er geht vorbei und nimmt zehn Meter weiter Platz. 

In Moosburg schließlich passiert das, was die Sache für den ledigen Mann „eindeutig“ macht: Als die Lok in den Bahnhof rollt, geht die schöne Unbekannte im Waggon extra nach vorn – und steigt genau an der Tür vor Martin Bachmaier aus. Draußen am Gleis jedoch verschwindet sie wieder in die entgegengesetzte Richtung. Der 52-Jährige steht wie angewurzelt da. Und verflucht sich selbst: „Mensch, jetzt hast du die Gelegenheit deines Lebens versäumt!“

Die Postbeamtin rät: "Nicht mit der Tür ins Haus fallen"

Tagelang quält ihn nun dieser Gedanke: „Was, wenn diese tolle Frau wirklich Interesse an mir gehabt hat? Wenn sie extra auf ein Wort von mir gewartet hat und ich war zu blöd?“ Er grübelt Tag und Nacht. Vor ein paar Wochen dann fasst er den Entschluss: Er will an die Öffentlichkeit gehen, alles auf eine Karte setzen. Einen Flyer, besser gesagt. Bachmaier geht zur Post und schildert seinen Plan: Eine Wurfsendung soll es sein, an alle in Frage kommenden Haushalte. 

Die Postbeamtin rät ihm jedoch: „Fallen Sie nicht gleich mit der Tür ins Haus.“ Also lässt Bachmaier auf den Hochglanz-Zettel schreiben: „Ich glaube, Sie haben etwas verloren.“ Man kann ja auch Immaterielles verlieren, denkt er sich. Dazu stellt er sein Portraitfoto und die betreffende Stelle am Bahnhof. 17 600 Exemplare werden gedruckt. Bachmaier ist die ganze Aktion über 3500 Euro wert. Was ist schon Geld, wenn die große Liebe zum Greifen nah scheint?

Einige Anrufer

Am vergangenen Dienstag liegt der Flyer in allen Moosburger Briefkästen, aber auch bis nach Haag, Wartenberg, Weixerau und Vilsheim reicht die Sendung. Bachmaiers Handynummer steht auch mit darauf. „Angerufen haben seither einige junge und blonde Frauen, aber auch neugierige Männer. Die waren höchstanständig“, erzählt Bachmaier. „Nur ein Telefonat endete mit Auslachen – nach dem geglaubten Auflegen.“ Auf den Anruf der Richtigen wartet er bislang vergeblich. 

Dass die Leute jetzt nach seiner Sendung auf der Straße mit dem Finger auf ihn zeigen könnten, davor hat er keine Angst. „Wenn ich mich damit blamiert habe, ist mir das auch wurscht“, sagt er. Und hofft jetzt einfach weiter auf sein Glück.

Armin Forster

Kontakt aufnehmen

Wer sich angesprochen fühlt, kann sich unter martin.bachmaier@gmx.de melden. Wer ihm lieber über das Freisinger Tagblatt eine Nachricht zukommen lassen möchte, kann dies via nord@freisinger-tagblatt.de tun.

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